Die Jugend hat genug von Donald Trump
Drei junge Amerikaner*innen vor der US-Wahl. Fotos: privat

Mit rund 88 Millionen Stimmberechtigten sind die 18-29-jährigen Amerikaner*innen eine enorme Wählergruppe. FINK.HAMBURG sprach mit drei von ihnen – alle haben eine klare Haltung gegen Trump.

Jon ist 26 Jahre alt, lebt im Bundesstaat Ohio, hat einen Collegeabschluss und arbeitet als IT-Manager. Lesley ist 25 Jahre alt, lebt seit 2017 in Deutschland und schreibt aktuell ihre Masterarbeit. Ben ist auch 25 Jahre alt, hat einen Collegeabschluss als Pilot und lebt aktuell in Michigan.

Alle drei sind für den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden.

„Mir fällt nichts Positives ein, was Trump in den vergangenen vier Jahren gemacht hat“, sagt Jon. Lesley findet, dass Trump mit seinen Worten nicht nur für Unruhe und Aufruhr gesorgt hat, „nicht nur bei Amerikanern, sondern auch bei Menschen aus anderen Ländern und so hat er eine skeptische Sicht auf das Land vermittelt“. Und auch Ben findet deutliche Worte für Trumps Zeit im Weißen Haus:

„Er war wirklich schrecklich. Er ist eine tickende Zeitbombe.“

Auch von Deutschland aus eine einfache Wahl

Lesley lebt seit drei Jahren in Deutschland, über ein Online-Portal hat sie im Bundesstaat Missouri gewählt. Foto: privat
Lesley lebt seit drei Jahren in Deutschland, über ein Online-Portal hat sie im Bundesstaat Missouri gewählt. Foto: privat

Ben hat seine Wahlunterlagen Anfang Oktober online geordert, zwei Wochen später kam sie bei ihm an. Auch für Lesley war der Wahlprozess von Deutschland aus einfach: „Missouri, der Staat aus dem ich komme, bietet ein Online-Portal an, wo ich mich registriert habe und eine digitale Briefwahl einreichen konnte“. Jon hat noch nicht gewählt, hat seine Wahlunterlagen aber schon bestellt: „Falls sie nicht rechtzeitig kommen, gehe ich eben persönlich wählen. Es hat zwei Minuten gedauert das Zeug zu beantragen. Der Prozess war einfach, es ist nur ein Hickhack, ob die Unterlagen rechtzeitig ankommen“.

Die diesjährige Wahl ist für alle drei wichtig. „Natürlich ist jede Wahl wichtig, dieses Jahr ist es aber noch ein bisschen anders. Vieles hat Amerika negativ beeinflusst, ich hoffe die Wahl kann etwas Positives bewirken“, sagt Lesley. Und Ben meint: „Auf dem Spiel steht nicht nur die Wirtschaft, auch die Gleichberechtigung von Minderheiten und der Klimawandel.“

„Trump war schrecklich“

Lage zur US-Wahl 2020

Extrem unterschiedliche Kandidaten, ein tief gespaltenes Land und ein Kongress, der in großen Teilen neu gewählt wird: Die US-Wahl 2020 ist in jeder Hinsicht historisch. Wie wichtig ist die Briefwahl? Was passiert in den kommenden Tagen? Und wird die Wahlbeteiligung so hoch ausfallen wie seit einem Jahrhundert nicht mehr? FINK.HAMBURG verfolgt für euch die Wahl und liefert Hintergründe, Erklärungen und Neuigkeiten, wenn es heißt: Trump oder Biden?

Ben ist besonders kritisch mit seinem aktuellen Präsidenten und stellt ihm ein schlechtes Zeugnis aus: „Er war wirklich schrecklich. Es gibt Gründe, warum man Berater hat, aber er will nicht auf die Berater hören, nicht auf die Wissenschaftler, er will nicht auf den Rest der Welt hören, er möchte einfach sein eigenes Ding machen. Und das geht schon über die ganze Präsidentschaft so – er will einfach sein Ding machen. Ohne alle anderen zu berücksichtigen“.

Von Biden erhofft sich Jon, dass er „verantwortungsbewusster“ mit dem Amt umgeht: „Es ist mir oft peinlich, was Trump für Sachen auf Twitter sagt, es ist nicht professionell. Wie er mit Dingen umgeht, zum Beispiel dem Pariser Klimaabkommen austreten, und dann falsche Behauptungen gegen Personen aufstellt. Da erhoffe ich mir von Biden, dass er das Amt des Präsidenten professioneller angeht und an die Wissenschaft glaubt“. Lesley glaubt daran, dass er mit seiner Erfahrung für ein besseres Miteinander in den USA sorgen kann: „Als früherer Vizepräsident bringt er, glaube ich, ein besseres Verständnis für die politischen Prozesse mit. Hoffentlich bringt er mehr Höflichkeit zurück.“

„Kompromisse existieren nicht mehr“

Für Ben ist Donald Trump ein schrecklicher Präsident.
Für Ben ist Donald Trump ein schrecklicher Präsident. Foto: privat

Persönlich fühlen sie sich alle drei nicht direkt benachteiligt. Dennoch spüren sie die Auswirkungen von Donald Trump. Bevor das Corona-Virus ausbrach, reiste Ben viel. „Es ist einfach enttäuschend: Jedes Mal wenn man außerhalb der USA ist, ist die erste Frage immer nach Trump. Es ist ziemlich peinlich, wie der Rest der Welt auf uns schaut. Es ist schwer, stolz auf das Land zu sein, wenn Trump unser Land regiert“, sagt er. Jon erzählt, dass vor allem in den sozialen Medien, aber auch in der Gesellschafft ein immer rauerer Ton herrscht, für den seiner Meinung nach Trump verantwortlich ist: „Die Stimmung ist angespannt, die Menschen arbeiten nicht mehr wirklich zusammen. Es ist immer nur die eine Seite gegen die andere, Kompromisse existieren nicht mehr“.

Aus Bens Umfeld gibt es „niemanden, der noch unentschlossen ist. Es gibt kaum jemanden, der beide Kandidaten mag. Niemand sagt, ich mag von Biden diesen Aspekt, aber von Trump ein anderes Argument“.

Trump sorgt für mehr politische Bildung der Jugend

Jon wünscht sich einen verantwortungsbewussten Präsident. Foto: privat
Jon wünscht sich einen verantwortungsbewussten Präsident. Foto: privat

Lesley sieht aber auch etwas Gutes in Trumps Zeit im Weißen Haus: „Wenn es etwas Positives vom derzeitigen Präsidenten gibt, dann ist es, dass er den jüngeren Menschen mehr politisches Bewusstsein vermittelt hat. Mit seinen unverschämten Äußerungen, die immer in den Medien zu hören sind, haben meiner Meinung nach jüngere Menschen – mich eingeschlossen – sich politisch gebildet und informiert. Abgesehen davon glaube ich, dass mehr jüngere Menschen sich selbst stärker in die Verantwortung nehmen, zu wählen und aktiver zu sein“.

Das bestätigt auch eine Studie aus Harvard: 63 Prozent der 18- bis 29-Jährigen sagen, sie würden definitiv wählen. 2016 hatten sich das weniger als die Hälfte vorgenommen. Und eine klare Mehrheit der jungen Leute will den letzten Umfragen zufolge für Biden stimmen.

An eine Entscheidung in dieser Woche glaubt Jon nicht: „Vermutlich wird in der Wahlnacht noch kein Sieger bestimmt, deshalb wird es eine spannende Woche, bis alle Stimmen gezählt sind“. Und selbst dann ist für Jon nichts sicher: „Ich glaube, wenn Biden gewinnt, wird Trump das nicht akzeptieren. Diese Möglichkeit besteht durchaus. Ich glaube nicht an einen friedlichen Machtwechsel. Trump macht einfach was er will. Und diese Mentalität wird er auch bei einer verlorenen Wahl weiterverfolgen“.

Titelbild: Private Fotos
Collage von Lucas Rudolf