In den Vereinigten Staaten wird heute nicht nur der Präsident neu gewählt, sondern auch ein Großteil des Kongresses. Hier verraten wir, welche fünf Demokraten neben Joe Biden und Kamala Harris bei der Wahl im Fokus stehen könnten.

Die US-Wahl 2020 ist für viele das große Duell zwischen Amtsinhaber Donald Trump und seinem Herausforderer Joe Biden. Was viele nicht auf dem Schirm haben: Auch große Teile des Kongress werden in diesem Jahr neugewählt. 35 Plätze im Senat sowie alle 435 Plätze im Repräsentantenhaus stehen auf dem Wahlzettel. Wer hier eine Mehrheit erringt wird die kommende Amtszeit des Präsidenten entscheidend prägen. Denn als Teil der Exekutive kann der Präsident keine Gesetze erlassen und ist auf den Kongress als Legislative angewiesen. Nur wenn es ihren jeweiligen Parteien gelingt, beide Kammern zu besetzen, haben Trump und Biden auch wirklich die Chance, einen Großteil ihrer Wahlversprechen einzulösen. Zudem wählen zehn Staaten auch einen neuen Gouverneur. Da die Wahlbezirke nach der großen Volkszählung 2020 neu eingeteilt werden, lohnt es sich auch diese Wahlen im Blick zu behalten.

Lage zur US-Wahl 2020
Extrem unterschiedliche Kandidaten, ein tief gespaltenes Land und ein Kongress, der in großen Teilen neu gewählt wird: Die US-Wahl 2020 ist in jeder Hinsicht historisch. Wie wichtig ist die Briefwahl? Was passiert in den kommenden Tagen? Und wird die Wahlbeteiligung so hoch ausfallen wie seit einem Jahrhundert nicht mehr? FINK.HAMBURG verfolgt für euch die Wahl und liefert Hintergründe, Erklärungen und Neuigkeiten, wenn es heißt: Trump oder Biden?

FINK.Hamburg stellt euch hier die fünf wichtige Demokraten vor und analysiert, warum ihr sie in der Wahlnacht im Blick behalten solltet.

Nancy Pelosi, Sprecherin des Repräsentantenhauses

Nancy Pelosi gehört zu den Demokraten.
Nancy Pelosi gehört zu den Demokraten. Foto: United States House of Representatives

Pelosi ist in den vergangenen vier Jahren die wohl wichtigste Demokratin gewesen und hat mit ihrer aggressiven Taktik Präsident Trump häufig die Stirn geboten.

Als Abgeordnete vertritt sie seit 1987 das San Francisco County im Repräsentantenhaus. Seit 2003 steht sie dort an der Spitze ihrer Partei – als erste und bislang einzige Frau überhaupt – zunächst als Minderheitsführerin und ab 2007 als Sprecherin. In der Bush-Ära spielte sie eine entscheidende Rolle in der Opposition gegen den Irakkrieg. Später in der Amtszeit von Barack Obama spielte sie eine zentrale Rolle, als die Gesundheitsreform in Form des Affordable Care Acts verabschiedet wurde.

2011 verloren die Demokraten ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus und Pelosi somit ihre Rolle als Sprecherin. Pelosi war von den Konservativen zu diesem Zeitpunkt längst zu einer Hassfigur stilisiert worden. Auch in ihren eigenen Reihen zweifelten viele an einer Führung. Dennoch gelang es ihr auch 2019 das Vertrauen ihrer Partei wiederzugewinnen, als die Demokraten das Repräsentantenhaus zurückgewannen und Pelosi erneut zur Sprecherin machten. Das Vertrauen zahlte sie zurück, indem sie dem Präsidenten kontinuierlich die Stirn bot und Ende 2019 ein Amtsenthebungsverfahren (Impeachment) gegen den Präsidenten eröffnete. Dieses hatte im Repräsentantenhaus zunächst Erfolg, wurde durch den republikanischen Senat jedoch nicht bestätigt.

Jamie Harrison, Kandidat für den Senat, South Carolina

Teil der Demokraten: Jamie Harrison
Jamie Harrison gehört zu den Demokraten. Foto: Edward Kimmel from Takoma Park, MD

Harrison hat bereits jetzt Geschichte geschrieben. In den vergangen drei Monaten gelang es ihm für seine Senatskampagne mehr Geld zu sammeln als jedem anderen Kandidaten vor ihm. Der Grund dafür, ist vermutlich Harrisons Konkurrent: Amtsinhaber Lindsey Graham. Graham ist einer der einflussreichsten Senatoren im Oberhaus. Zudem – und das ist wahrscheinlich entscheidender – ist Graham aber auch einer der größten Fürsprecher Donald Trumps. Obwohl South Carolina ein traditionell republikanischer Staat ist, haben Senatoren des Bundesstaats in der Regel eher dem moderaten Flügel innerhalb der Partei angehört. Auch Graham war vor Trumps Amtszeit eher ein Republikaner, der Demokraten auch die Hand reicht, um mit ihnen gemeinsam Gesetze zu erlassen. Das hat sich in den letzten vier Jahren jedoch stark geändert und könnte von den Wählern hart bestraft werden.

Alexandria Ocasio-Cortez, Abgeordnete im Repräsentantenhaus

Teil der Demokraten: Alexandria Ocasio-Cortez
Demokratin Alexandria Ocasio-Cortez Foto: Franmarie Metzler; U.S. House Office of Photography

Erst seit 2019 ist Ocasio-Cortez – häufig auch einfach kurz AOC genannt – Abgeordnete im Repräsentantenhaus, wo sie den 14. District ihrer Heimatstadt New York vertritt. Bei ihrem Amtsantritt war AOC gerade einmal 29 Jahre alt und ist somit das jüngste Mitglied des Kongresses aller Zeiten. In ihrer kurzen Zeit seitdem ist sie für viele zum Gesicht der demokratischen Partei der Zukunft aufgestiegen. AOC bezeichnet sich offen als Sozialistin – besonders für konservative Amerikaner*innen immer noch ein Tabuwort –, strebt umfassende Gesundheitsreformen und ein Umdenken im Kampf gegen die Klimakrise an. Sie ist Teil der sogenannten „Squad„, einer Gruppe junger, weiblicher Abgeordneter, die ähnlich progressive Ansichten vertreten und alle People of Color sind. Zu dieser Gruppe gehören neben AOC auch Ilhan Omar, Ayanna Pressley und Rashid Tlaib.

Für Republikaner und den konservativen Sender Fox News ist AOC die leibhaftige Verkörperung ihres Feindbilds ultraliberaler Demokraten, die den Bürgern vermeintlich die Freiheit wegnehmen wollen. Wenn Trump Joe Bidens Vizekandidatin Kamala Harris als Kommunistin bezeichnet, dann projiziert er vermutlich eher AOC und ihre Standpunkte auf die sonst eigentlich eher moderate Senatorin Harris aus Kalifornien. Dies dürfte AOCs Popularität unter jungen liberalen Wähler*innen eher noch verstärken. Für viele ist sie bereits jetzt aufgrund ihrer Wortgewandtheit und Furchtlosigkeit eine feministische Ikone und es steht außer Frage, dass sie die amerikanische Politik auch in Zukunft prägen wird.

Mark Kelly, Kandidat für den Senat in Arizona und Jon Ossoff, Kandidat für den Senat in Georgia

Teil der Demokraten: Jon Ossoff
Demokrat Jon Ossoff, Foto: Anupamtree

Ähnlich wie Jamie Harrison haben auch Mark Kelly und Jon Ossoff gute Chancen, einen republikanischen Amtsinhaber des Senats zu besiegen und damit den Demokraten zu einer möglichen Mehrheit zu verhelfen. Im Gegensatz zu Harrison, dessen Sieg im konservativen South Carolina wohl eher eine Anomalie darstellen würde, könnten Kelly und Ossoff mit einem Sieg den Übergang Arizonas bzw. Georgias vom „Red State“ zum „Blue State“ besiegeln. Beide Staaten haben in den vergangenen Jahren einen erheblichen demografischen Wandel durchgemacht, der sehr wahrscheinlich früher oder später dafür sorgen wird, dass beide Staaten in demokratische Hand wechseln. Ossoff scheiterte 2017 mit seiner Kandidatur für das Repräsentantenhaus . Mit seinen gerade mal 33 Jahren ist der trotzdem ein Hoffnungsträger für die Demokraten im Südstaat. Mit Amtsinhaber David Perdue liegt Ossoff vor der Wahl gleichauf.

Mark Kelly tritt in Arizona gegen Martha McSally an, die nach dem Tod des ehemaligen Präsidentschaftskandidaten John McCain von den Republikanern ausgewählt wurde, den Sitz bis zu Wahl 2020 temporär zu besetzen. Kelly hat in den letzten Monaten weitaus mehr Spenden erhalten als McSally und führt momentan in den Umfragen.

Beitagsbild: United States Democratic Party

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