Thema: Corona in Frauenhäusern. Eine Frau stützt ihr Gesicht in ihre Hände.

Mit den Corona-Maßnahmen steigt auch die Gefahr, dass Frauen Opfer häuslicher Gewalt werden. Frauenhäuser als Anlaufstellen werden wichtiger denn je. Doch wie gehen die Einrichtungen mit Verdachtsfällen und Infektionen um?

Die Linksfraktion der Bürgerschaft hat die Hamburger Frauenhäuser für den Umgang mit möglichen Corona-Fällen kritisiert. Die Herbergen seien schlecht auf die Pandemie vorbereitet. Fraktionsvorsitzende Cansu Özdemir stellte eine Kleine Anfrage an den Senat. Dieser antwortete, dass Frauen notfalls in den öffentlichen Quarantäne-Unterkünften aufgenommen werden sollen. Dafür braucht es dort dem Senat zufolge jedoch ausreichend freie Plätze.

In Frauenhäusern finden Frauen und ihre Kinder Schutz vor häuslicher Gewalt oder Bedrohung. Die Adressen der Unterkünfte sind geheim.

„Wir sind mitten in der zweiten Welle der Pandemie und es gibt keinen vernünftigen Plan für die Unterbringung von positiv getesteten Bewohnerinnen der Frauenhäuser oder dortige Verdachtsfälle“, so Özdemir.

Senat verhandelt mit Hotelbetreiber*innen

In der Antwort des Senats ist zudem die Rede von Gesprächen zwischen Sozialbehörde und Hotelbetreiber*innen. „Die Verhandlungen sind noch nicht abgeschlossen“, heißt es weiter. Der Senat hätte sich früher um eine Lösung des absehbaren Problems bemühen müssen, bemängelt Özdemir.

Seit Mai 2020 gibt es sechs Frauenhäuser in Hamburg. Laut Senatsantwort haben dieses Jahr bis Ende September 254 Frauen und 266 Kinder in den Einrichtungen Schutz gefunden. Die durchschnittliche Verweildauer betrug 167 Tage.

Was passiert mit Schutzsuchenden bei Corona-Verdacht?

Bei einer infizierten Schutzsuchenden liegt den Mitarbeiterinnen der zentralen Notaufnahme „24/7“ der Hamburger Frauenhäuser ein Kontakt zum Sozialunternehmen der Stadt Hamburg Fördern und Wohnen vor, das Quarantäne-Einrichtungen verwaltet und Fachpersonal stellt. Den gesicherten Transport von möglichen Corona-Infizierten in eine Quarantäne-Unterkunft übernehme das DRK. Das berichtet eine Mitarbeiterin der Aufnahmezentrale.

„Heute Morgen hat eine Frau mit Verdacht auf Corona angerufen, die zu Hause in Quarantäne ist. Mit ihrem Mann, der sie dort misshandelt“, sagt die Mitarbeiterin. Aus Sicherheitsgründen möchte sie anonym bleiben. Sie habe bei Fördern und Wohnen bisher niemanden erreicht: „Ich weiß jetzt auch nicht so recht, wie es weitergeht.“

In der Notaufnahme selbst gebe es 15 Plätze für Frauen und Kinder. Dort bleiben Schutzsuchende in der Regel ein paar Tage, bis das passende Frauenhaus vermittelt oder eine andere Lösung gefunden werde. Frauen, die vor häuslicher Gewalt fliehen, werden nach Angaben der Mitarbeiterin in einem anderen Bezirk untergebracht.

Mitarbeiterinnen über Corona und Frauenhäuser

Was genau passiert, wenn in der Notaufnahme ein Corona-Verdacht aufkommt, „darüber zerbrechen wir uns hier auch schon den Kopf“, sagt die Mitarbeiterin. „Eigentlich müssten dann die Frauen und Kinder sofort weggebracht werden. Wir müssen ja weiterarbeiten können, damit wir erreichbar bleiben.“

Wie Verena Roller-Lawrence vom 4. Hamburger Frauenhaus e.V. berichtet, hat es bereits einen Corona-Fall in der Unterkunft gegeben. Daraufhin habe das gesamte Haus unter zweiwöchiger Quarantäne gestanden. „Alle Frauen und Kinder, auch die Mitarbeiter wurden getestet, bis das zweite Testergebnis negativ war“, sagt Roller-Lawrence. Die Frauen und Kinder sollten sich isolieren. Das sei in einer Unterkunft mit Gemeinschaftsküche und
-sanitärräume aber kaum machbar.

„Wenn das Haus unter Quarantäne steht, können wir niemanden aufnehmen“, so die Mitarbeiterin. In dieser Zeit haben die anderen Frauenhäuser und eine Kollegin, die nicht unter Quarantäne stand, die Lebensmittelversorgung übernommen. „Niemand durfte raus“, sagt Roller-Lawrence. Generell gelten auch für die Bewohner*innen im Haus die Regeln: Maske tragen, Abstand halten und regelmäßig Hände desinfizieren.

Um den Schutz der Frauen zu gewährleisten, werden weitere Informationen über mögliche Quarantäne-Unterbringungen nicht aufgeführt (Anmerkung der Redaktion).

cat/dpa

Titelbild: Pixabay

Vorheriger ArtikelGeschlechtsbasierte Gewalt: Tatort Hochschule
Nächster ArtikelKonzerthalle wird zur Tagesunterkunft für Obdachlose
Mit Barockfrisur und prunkvollem Reifrock: So konnte man Caterina Klaeden, Jahrgang 1995, in der Innenstadt von Passau bewundern. Neben ihrem Medien- und Kommunikations-Studium zeigte sie dort bei mittelalterlichen Schauspielführungen zum Beispiel das Pesthaus oder den Pranger. Beim Yoga kann sie den Kopfstand, am Handstand arbeitet sie noch. Gebürtig kommt Caterina aus dem Harz, dort entdeckte sie ihre Liebe zum Journalismus. Bei der „Goslarschen Zeitung“ leitete sie das Ressort „Junge Szene“. Für die Miniserie „Harz Attack“ berichtete sie unter anderem über ein Survival Camp. Dabei machte sie Feuer mit Feuersteinen, lernte Kräuterkunde und war mit Schlittenhunden unterwegs. Als kleines Kind wollte sie Delfin-Dompteurin werden. Heute bringt sie in ihrem Podcast „Late Night Hate mit Caty“ Leute zum Lachen und greift darin all das auf, was in ihrem verrückten Leben passiert oder sie ärgert, etwa das unterirdische W-Lan an der Uni Passau. Kürzel: cat