Baden ist eine beliebte Feizeitaktivität, wenn es in Hamburg wieder wärmer wird. Leider steigt damit auch die Zahl der Badeunfälle. Wo und wie ihr in Hamburg sicher schwimmen gehen könnt, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Von Michelle Albert, Elena Bock und Benedikt Scherm

Laut Statistik der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) sind 2019 in Hamburg 14 Menschen ertrunken, 2020 waren es sechs. In diesem Jahr rechnet die DLRG wieder mit einem Anstieg der Badeunfälle in Hamburg. Grund dafür seien die gelockerten Corona-Maßnahmen. Die führen dazu, dass wieder mehr Menschen baden gehen.

Zudem sei die Besetzung der Rettungsschwimmer:innen ein Problem: 2020 konnten sie über einen langen Zeitraum weder vernünftig trainieren, noch konnten neue Rettungsschwimmer:innen ausgebildet werden. Jedoch können Aufklärung und Achtsamkeit unter den Badegästen dazu beitragen, Badeunfälle zu verhindern.

Wie sicher sind Alster und Elbe?

Hamburg hat viele Gewässer. Elbe und Alster zählen zu den beliebtesten Ausflugszielen. Die gute Nachricht: Baden ist hier grundsätzlich nicht verboten. „Das Baden in den Gewässern Hamburgs fällt unter den Gemeingebrauch, dies bedeutet, es darf überall dort gebadet werden, wo es nicht unzulässig bzw. gefährlich ist“, erklärt Björn Marzahn von der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) im Interview mit FINK.HAMBURG. Dennoch ist Vorsicht geboten: „Da nicht überall Verbotsschilder aufgestellt sind, ist das eigene Bewusstsein für Gefahrenbereiche und Gefahrensituationen sehr wichtig.“ Um welche Gefahren es sich dabei genau handelt, kommt auf das jeweilige Gewässer an.

Gefahrenquellen an der Elbe: Strömung, Schiffe, Sichttiefe

„Die Elbe ist kein ausgewiesenes Badegewässer, da sie die Anforderungen an ein Badegewässer weder qualitativ noch sicherheitsbedingt erfüllt“, macht Marzahn deutlich. Gefahr geht, dem Experten zufolge, von der mangelnden Sichttiefe sowie starken Strömungen, vor allem im Bereich von Wehranlagen und Schleusen, aus. In diesem Zusammenhang kann selbst das Treibenlassen auf Schwimmhilfen wie Luftmatratzen oder Schwimmtieren schnell lebensgefährlich werden.

Auch vorbeifahrende Schiffe stellen ein Risiko dar: „Aufgrund der Sog- und Schwellauswirkungen vorbeifahrender Schiffe sollte der Wasserbereich besser verlassen und höher gelegene Strandbereiche aufgesucht werden. Auf keinen Fall sollte dem erst absinkenden Wassersaum gefolgt werden, da das Wasser, nachdem das Schiff vorbeigefahren ist, plötzlich und massiv ansteigt.“

Auch im Gespräch mit Andreas Hoheisel von der Wasserwacht Hamburg war die Gefahrenlage an der Elbe Thema. Er warnte vor allem Nichtschwimmer:innen davor, die Elbe nicht zu unterschätzen: „Die größte Gefahrensituation kommt in dem Moment, wo Leute am Elbstrand umhergehen und nur knöchel- oder knietief im Wasser stehen und dann der Sog kommt und sie von den Beinen und ins Wasser gezogen werden.“

Offizielle Badestellen, die von der Wasserwacht bewacht werden, gibt es an der Elbe nicht. Dennoch übernimmt die DLRG gerade in den heißen Monaten eine Wochenendbetreuung an den beliebstenen Stellen.

Gefahrenquellen an der Alster: Verkehrsdichte und Wassertiefe

Anders sieht die Lage an der Alster aus: „Im Unterschied zur Elbe spielt bei der Alster eher die „Verkehrsdichte“ als Gefahrensituation eine Rolle“, weiß Björn Marzahn. Gemeint sind die vielen Kanus, Ruder- und Segelboote, Alsterschiffe und Stand-up-Paddler, die man bei schönem Wetter auf der Außenalster und den zahlreichen Alsterarmen beobachten kann. Auch von Sprüngen in die Alster rät der Experte aufgrund der flachen Gewässertiefe ab. Sprünge, bei denen man sich und andere gefährdet, zum Beispiel von Brücken, sind grundsätzlich untersagt. „Bei Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung schreitet die Polizei ein. Hier können neben Ermahnungen auch Bußgelder verhängt werden“, warnt Marzahn.

Don’t drink and swim!

Doch das größte Risiko geht nicht von Sprüngen oder der Strömungen aus, sondern vom Alkoholkonsum der Badenden, sagt Hoheisel: „Alkohol ist in Bezug auf Übermut oder Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit eine große Gefahr. Das sind auch die häufigsten Fälle, die wir dann betreuen dürfen.“

Wie steht es um Wasserverschmutzung?

Die Belastung mit Schadstoffen spielt für Badende eine eher untergeordnete Rolle. Allerdings kann sich vor allem Starkregen maßgeblich auf die Wasserqualität auswirken: „Insbesondere in der Alster, Elbe und Unteren Bille muss nach starken Regenfällen aufgrund von Mischwasserüberläufen aus dem Sielnetz mit höheren bakteriellen Belastungen gerechnet werden“, erklärt Marzahn. Wer dennoch naturnah Baden gehen will, der kann dies in Hamburgs Badegewässern bedenkenlos tun – an den offiziell ausgewiesenen Badestellen wird die Wasserqualität nämlich regelmäßig kontrolliert.

Trotzdem ist an vermeintlich einfachen Badegewässern wie dem Allermöher See oder dem Hohendeicher See Vorsicht geboten. Dadurch, dass diese meist künstlich ausgehoben wurden, gibt es nach wenigen Metern eines flachen Strandabschnitt eine steil abfallende Uferlinie. Dadurch seien schon einige Unfälle passiert, sagt Hoheisel. Unerfahrenen Schwimmer:innen empfiehlt der Wasserwachtler deswegen klar die bewachten Freibäder.

Also nichts mehr mit Elbstrand? Doch, betont Hoheisel: „Jeder ist natürlich eingeladen, sich an der Elbe aufzuhalten, man muss sich nur darüber bewusst sein, dass da Gefahren entstehen können, mit denen man nicht rechnet und deswegen ganz vorsichtig am Gewässer sein.“

Tipps für sicheres Baden:

Auch, wenn die Euphorie über das heiße Wetter groß ist und zum Baden einlädt: Sicherheit geht immer vor. Nachfolgend findest du einige Tipps für sicheres Baden.

  • Bade nur dort, wo es eine Aufsicht gibt. 
  • Spring nicht einfach ins kalte Wasser, sonst kann dir ein Kreislaufschock drohen. Kühle am besten deine Arme und Beine vorher etwas ab.
  • Achte auf andere Badegäste, die eventuell nicht schwimmen können. 
  • Springe nicht in unbekannte Gewässer. Oft befinden sich nicht sichtbare Verletzungsquellen unter der Wasseroberfläche.
  • Rufe niemals aus Spaß nach Hilfe!
  • Verlasse das Wasser, wenn es dir zu kalt wird. Sonst drohen Krämpfe!
  • Vermeide den Kontakt mit Vogelkot. Hier können Krankheitserreger lauern. Um eine Überbevölkerung zu vermeiden, sollten Vögel außerdem nicht gefüttert werden. 
  • Bei Gewitter sofort das Gewässer verlassen.

Was tun, wenn jemand in Not ist?

Häufig können Notsituationen durch Achtsamkeit vermieden werden, jedoch nicht immer. Falls du einen Menschen in Not entdeckst, beachte folgende Hinweise:

  • Rufe laut um Hilfe und mache auf die Notsituation des Ertrinkenden aufmerksam. Setze so schnell wie möglich den Notruf und beachte die Anweisungen der Rettungskräfte.
  • Springe nicht einfach hinterher. Häufig verfallen Ertrinkende in Panik und klammern sich an jedes Objekt. Das kann Laien ebenfalls in Gefahr bringen.
  • Falls du ein schwimmfähiges Objekt bei dir hast, wirf es der ertrinkenden Person zu. So kann sie sich daran festhalten.
  • Achte auf Menschen, die eventuell nicht schwimmen können oder nur bedingte körperliche Fitness aufweisen.

dpa/mal/ikt/ebo

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Mit dem Abwasch von Tellern starten spannende Karrieren, so auch die von Michelle Albert, geboren 1996. In der „Krone“ zwischen Würzburg und ihrer Geburtsstadt Schweinfurt spülte sie vor dem Abitur regelmäßig Geschirr. Danach machte sie einen Bachelor in Medienkommunikation, Schwerpunkt Medienpsychologie, an der Uni Würzburg, mit einem Gastaufenthalt in Kolumbien. Erste redaktionelle Erfahrungen sammelte Michelle als Werbetexterin. Vor allem aber ist sie viel unterwegs: Sie schlief in einer Hängematte in Ruanda, sprang von der höchsten Bungeebrücke der Welt in Südafrika und beobachtete in Guatemala einen Vulkanausbruch. Auch ehrenamtlich fliegt sie viel, aber mit Kühlkoffer statt Backpack: Als Kurierin liefert sie weltweit Stammzellen für Krebspatienten aus. (Kürzel: mal)

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