Ab diesem Jahr können Tattoos nicht mehr in Farbe gestochen werden. Ein EU-weites Verbot der bisher verwendeten Farbstoffe sorgt dafür, das Tätowierer:innen vorläufig nur noch in Schwarz und Grau tätowieren können.

Ein Beitrag von Simon Uhl und Felix Werner

Für Tätowiererin Kathrin „Triene“ Ehrenbogen wird 2022 ein sehr farbloses Jahr. Bisher hat sie Tattoos im Stil von Comics, Watercolor und anderen bunten Varianten gestochen. Das geht jetzt nicht mehr. Durch die neue Verordnung der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) werden die meisten Tattoofarben verboten. Dieses Tattoo-Farbverbot tritt ab dem 05. Januar in Kraft.

Grund für die neue Verordnung sind gefährliche Stoffe, die laut der ECHA in den Tattoofarben enthalten sein könnten. ECHA zufolge besteht die Möglichkeit, dass Hautallergien oder andere gesundheitliche Schäden wie genetische Mutationen und Krebs verursacht werden können. „Bei diesem Farbverbot geht es nicht um die Pigmente an sich“, erklärt Triene. „Es geht um die Konservierungsmittel und um die Bindemittel. Und weil die in allen Farben die gleichen sind, fällt alles weg.“

Ein zweites Verbot das gerade in Kraft tritt, setzt sich mit speziellen Grün- und Blautönen auseinander. Diese wurden eigentlich für Haarfärbemittel verboten, erklärt Trine. Das führt augrund der komplizierten Rechtslage um Tätowiermittel dazu, dass sie auch für das Stechen unter der Haut verboten werden.

Diese Verordnung trifft sowohl Tätowierer:innen als auch Kund:innen. Die einen können ihren Job nicht mehr wie bisher ausführen, die anderen haben halb fertige Projekte, die beendet werden sollen. Auch für Tätowierungen im medizinischen Bereich gibt es keine Ausnahmen.

Kein finales Tattoo-Farbverbot

Vorläufig fallen zwar sämtliche Tattoofarben weg, dennoch ist die Entscheidung nicht endgültig. Schon in der Veröffentlichung der ECHA heißt es: „Die Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Risiko-Profil und dem Schicksal der Pigmente, sobald sie injiziert wurden, sind zu groß, um im Moment eine sichere Risiko-Einschätzung abgeben zu können.“ Das bedeutet, die EU verbietet die Farben, weil man nicht weiß, ob sie gefährlich sind. Es soll auch weiter getestet werden, um zu einem finalen Ergebnis zu kommen. Sollte es sich also herausstellen, dass die Tattoofarben ungefährlich sind, könnten sie wieder verkauft werden.

All diese Farben müssen wegen des Tattoo-Farbverbot weggeschmisen werden
All diese Farben müssen wegen des Tattoo-Farbverbot weggeschmissen werden
Foto: Kathrin „Triene“ Ehrenbogen

Tätowierer:innen müssen abwarten

Wie die bereits von der Coronakrise angeschlagene Branche, ohne die Möglichkeit, farbige Tattoos anzubieten, überleben soll, ist unklar. Hilfen zur Überbrückung, bis die finale Bewertung der Farben erfolgt ist, soll es nach aktuellem Stand nicht geben.

Die Tätowierer:innen gegen das Verbot der Farben haben sich organisiert: Die Petition „Safe the Pigments“ hat beim Europäischen Parlament bereits über 17.000 Unterstützer:innen und soll speziell das blaue und das grüne Pigment vor einem Verbot retten. „Das Europapalament hatte noch nie eine Petition die erfolgreicher war“, erklärt Trine. Sie bleibt trotz aller schwierigkeiten guter Dinge: „Positiv bleiben, geduldig bleiben, Petition unterschreiben.“

Titelbild: Simon Uhl

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1997 bekam Google seinen Namen – so auch Simon Uhl. Eine weitere Gemeinsamkeit: die Informatik. Aber Google liebt Big Data, Simon setzt sich aktiv dagegen ein. Seine Bachelorarbeit schrieb der gebürtige Stuttgarter über Datenjournalismus und baute ein Google-Street-View für das Stuttgart im Jahr 1942. Die schwäbische Kehrwoche lässt der selbsternannte Chaosmensch lieber ausfallen. Er versichert, dass sein Chaos einer eigenen Ordnung folgt. Simon liebt internationale Filme und geht mehrmals in der Woche ins Kino – für Film- und Musikfestivals reist er überall hin. Seinen Namen konnte er auch schon einmal auf der Leinwand bewundern: Bei einer Fußball-Dokumentation, für die er Kamera und Schnitt gemacht sowie zahlreiche Interviews geführt hat. Sonst schreibt er für nischige Online-Magazine über In-Vitro-Fleisch, Start-ups oder Computer-Hardware. (Kürzel: uhl)

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