Hamburg, du hast ein Crêpes-Problem

Glosse

Crêpes in Hamburg: Ein schöner Crêpe aus Bonn.
So wie dieser aus Bonn muss ein richtiger Crêpe aussehen. Foto: Privat

Hamburg steckt in einer Krise – und zwar in einer kulinarischen, findet FINK.HAMBURG-Redakteurin Melissa Hertwig. Denn das, was die Gastronomie hier als Crêpes bezeichnet, bringt sie an den Rand der Verzweiflung. 

Auf dem Hamburger DOM oder Weihnachtsmärkten sind sie ein beliebter Klassiker: Crêpes. Das sind „kleine, dünne Pfannkuchen, die ursprünglich aus der Bretagne in Frankreich kommen.“ Diese Definition findet man innerhalb weniger Sekunden im Netz. Für mich sind sie eine Leidenschaft. Aber in Hamburg gibt es ein großes Problem: Das, was Gastronom:innen hier als Crêpes verkaufen, sind gar keine.

Crêpes in Hamburg: eine schlechte Idee

In meiner Heimat Bonn gibt es Crêpes an jeder Straßenecke. Und zwar so, wie sie sein müssen: So hauchdünn, dass die zarten Fäden der Nuss-Nougat-Creme wie Adern durch den Teig schimmern.

In Hamburg bekomme ich dagegen so was serviert:

Crepes in Hamburg dicker Crêpes
Crêpes in Hamburg sind leider viel zu dick. (Aber ja, sieht auch ganz lecker aus.) Foto: privat.

Immer wieder klatschen mir Hamburger Gastronom:innen viel zu dicke, plumpe Teigfladen vor die Nase. So etwas als Crêpe zu bezeichnen, traut sich nur eine Stadt, die Labskaus für eine kulinarisch gute Idee hält.

Was mir hier als Crêpes aufgetischt wird, sind einfach stinknormale Pfannkuchen. Die können sich alle selbst verschlafen am Sonntagmorgen braten. Die Kunst der Crêpes ist es aber, sie papierdünn herzustellen. Deshalb wird eine gut abgestimmte Menge rohen Teigs, der mit zerlassener Butter seine volle Geschmacksfülle erreicht, auf beheizten Platten liebevoll mit einem Teigrechen verteilt.

Erst dadurch entsteht der zarte Teigmantel, der beim Essen das köstliche Innere akzentuiert. Nur so blühen die Geschmacksknospen auf und die Gefühlswelt steht für einen Moment der Achtsamkeit in Ehrfurcht still.

Das ist es, was Crêpes zur französischen Hochkultur macht. Einer Hochkultur, die Hamburger Gastronom:innen offenbar verschmähen.

Zwiebelkuchen ist übrigens auch keine Pizza

Jedes Mal, wenn ich so einen Pfannkuchen aufgetischt bekomme, gräbt sich die Zornesfalte auf meiner Stirn ein bisschen tiefer ein. Nachdem ich meine wütende Ansprache beendet habe, bekomme ich von meiner Begleitung meist zu hören: „Freu dich doch, mehr Teig ist doch super. Die haben es gut mit dir gemeint.“

Super?! Das ist so, als würde ich Zwiebelkuchen backen und ihn Pizza nennen. Oder Sahne über Nudeln kippen und Carbonara dazu sagen. Dieser kulinarische Frevel ist nicht super, sondern schlichtweg falsch. Und ich freue mich darüber ganz sicher nicht.

Angeblich gibt es in Hamburg Ausnahmen. Zumindest sagt man mir das. Gegessen habe ich einen guten Crêpe hier noch nie, nicht am Stand am Straßenrand. Bisher zeichnet sich für mich deshalb leider keine Lösung der Hamburger Crêpes-Krise ab – außer die nächste Zugverbindung nach Bonn.

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Melissa Hertwig, 1997 in Bonn geboren, hat schon einmal mitten in der tansanischen Savanne ein brennendes Auto gelöscht. Hier in Deutschland ist sie auch mit dem Motorrad unterwegs. Weil sie als Teenagerin Fan von Samy Deluxe war, wollte Melissa schon lang nach Hamburg. Hier angekommen sammelte sie Erfahrungen im Journalismus mit Schwerpunkt SEO, unter anderem bei „Computer Bild Spiele“ und dem „Stern“. Am liebsten möchte Melissa aber Videoreportagen produzieren – sei es über ihr Bachelor-Fach Psychologie oder über ihre Leidenschaft, Videospiele. Auch da fährt sie gern herum: Zu Melissas absoluten Lieblingstiteln gehört „Lego Racers“. (Kürzel: meh)