Kaso und seine Band bringen kurdische Kultur, Flamenco Gitarre und R&B zusammen – und machen daraus Funk. Weder das Publikum noch Kaso halten an diesem Abend die Füße still – es gibt sogar Nachhilfe im Bouncen. 

Titelbild: Maria Gassner

Die Bühne im Häkken ist am Abend des 6. Dezembers ganz in rotes Licht getaucht. Etwa 50 Menschen warten auf Kaso & The A-Teem. Es ist eines ihrer ersten Konzerte. Am 11. Dezember ist die erste EP der Band erschienen.

Die Band besteht aus Keyboarder, Bassisten, Schlagzeuger und einem Gitarristen – und dem Frontmann und Sänger Kaso, mit bürgerlichem Namen Kaso Nausad Madhosh. Der Sound wird noch mal nachgeschärft. Kaso, ist noch nicht auf der Bühne zu sehen. Das Mikrokabel verrät, dass er sich im Raum hinter der Bühne versteckt.

Der Gitarrist schlägt die ersten Töne an. Kaso rennt auf die Bühne: dicke, silberne Gliederkette, Kreolen, einen orangenen Overall und weiße Nike Sneaker.

Signature-Sound von Kaso & The A-Teem: soulig ruhig bis laut und funky

So einzigartig wie Kasos Style ist auch der Sound der jungen Band. Kaso war zuvor Solo-Musiker und bastelte Beats und Musik selbst zusammen. Bis sein Mitbewohner (und heutiger Keyboarder) ihm riet, mit einer Live-Band zu spielen. 2021 fand die Band zusammen. Beim gemeinsamen Jammen entstand die Idee, die Flamenco Gitarre einzubauen. Jetzt gehört sie zum Signature-Sound der Band.

Bei Kaso & The A-Teem verschmelzen die Anteile, die jedes Bandmitglied einbringt, im Crossover-Funk: Flamenco Gitarre, souliger Gesang, energetische Choreografie.

Ruhigere Songs mit der Flamenco Gitarre wie der soulige Song „I Take my Time“ funktionieren genauso gut wie zackigere Impro-Funk-Einlagen, bei denen es eher um die Interaktion mit dem Publikum geht. In den Texten geht es oft um Identität: darum, man selbst und echt zu sein. So auch im Lovesong „Reflection“, wo Kaso davon singt, dass er seine Maske fallen lassen und er selbst sein kann.

Ein einziges Cover gibt es an diesem Abend. Es ist auch der einzige deutsche Song: „Drama“ vom Rapper BRKN. Dieser sei für ihn eine riesige Inspiration, erklärt der Sänger dem Publikum. „Ich hab genug Probleme”, singt er zunächst ruhig. Er wird nur von der Flamenco-Gitarre begleitet, die eine ruhige Atmosphäre schafft und dem Text Raum gibt. „Ich hab genug Probleme”. Kaso singt immer lauter, bis er den Satz irgendwann ins Publikum schreit. Auch hier wird Kasos Gesangsausbildung deutlich: Mühelos trifft er alle Töne, auch die Hohen. Am Ende des Songs wird das Licht gedimmt. Es wird still, Kaso hockt sich auf den Boden der Bühne und hält sich den Kopf, bis die Flamenco Gitarre aufhört zu spielen.

Kurdische Volkstänze auf Funk? Das geht!

Auch Kasos kurdischer Hintergrund hat einen Platz in der Musik – und seiner Performance. Sei es beim Tanzen oder in seinen Songs, wo er immer wieder den kurdischen Ruf Halhala (kurdisch: هەلهەلە) einbaut, auch in „Breaking Apart“.

Kaso & The A-Teem - Breaking Apart (Official Video)

Der Ruf komme in vielen orientalischen Kulturen vor, erzählt Kaso. Dieser spezielle Ruf sei jedoch typisch kurdisch und eigentlich kurdischen Frauen vorbehalten. Er nutzt ihn, um zu empowern und die Stimmung pushen: „Seid mal bisschen multikulturell, Digga!”

Kaso selbst ist an verschiedenen Orten in Deutschland aufgewachsen. Seit 2017 lebt und studiert er Hamburg. Verwurzelt ist er aber in der Musik und im Tanz. Beides hat ihn an allen Orte begleitet. Mit Gesangsunterricht und Tanzcontests.

Kaso von Kaso & The A-Teem tanzt mit dem Publikum
Kaso tanzt mit dem Publikum Hand in Hand. Foto: Joana Kimmich

Und so kommt es, dass Kaso plötzlich den Zuschauer*innen einen klassischen kurdischen Volkstanz – „the most kurdish thing” – beibringt. Ein paar Schritte nach links, dann wieder rechts, vor und wieder zurück. Dabei fassen sich alle an den Händen. Zuschauen reicht ihm nicht, er springt von der Bühne in die Menge und tanzt mit. Keine*r hält die Beine still an diesem Abend.

Kaso & The A-Teem beweist sich als wahre Live-Band

Zu Beginn des Konzertes musste das Publikum noch warm werden mit Kaso und mit der funkigen Musik, die nicht ganz so eingängig – dafür abwechslungsreich und ausgefallen ist. Schon beim zweiten Song bringt der Frontmann das Publikum aber zum Klatschen, Tanzen und Springen. Er ist nicht nur ein guter Sänger – sondern auch ein guter Entertainer. Kaso weiß, wie er das Publikum mitzieht.

Kaso von Kaso & The A-Teem steht auf der Bühne. Er tanzt und steht auf den Zehenspitzen. Er ist in blaues Licht getaucht. Hinter ihm ist der Giztarrist zu sehen.
Kaso steht beim Konzert kaum eine Sekunde still. Foto: Maria Gassner

Das Konzert folgt nicht einer Setlist, die Band und allen voran Kaso  improvisieren hauptsächlich. „You gonna help me out?“ Das Publikum wird Teil der Show. Nicht viele Bands schaffen es, die Konzertbesucher*innen so zum Mitmachen, Bouncen und Springen zu animieren wie Kaso & The A-Teem.

Das funktioniert so gut, weil Band und Sänger eingespielt sind und als Team funktionieren. Dazu passt auch der Bandname: The A-Teem – eine Anspielung auf die US-Action-Serie „The A-Team” aus den 1980er Jahren, die Kaso früher gern mit seinem Vater angeschaut hat.

Feiern in Überlänge mit Kaso & The A-Teem

Der letzte Song des Abends endet mit einem wilden Moshpit. Als der letzte Song vorbei ist, fordert das Publikum noch eine Zugabe. Die Bass Drum steigt ein und es geht noch einmal eine Runde weiter. Kaso beendet das Konzert mit einem politischen Statement: „Jin, Jiyan, Azadî” und weist auf die Lage der Menschen in Iran hin.

Zwei Stunden hat das Konzert gedauert, angekündigt war eine. Nicht alle sind mitgegangen, das Publikum hat sich zum Ende hin etwas dezimiert. Der harte Kern aber bleibt bis zum Schluss und feiert. 

Ein Interview mit Kaso findest du bald auf FINK.HAMBURG. Die neue EP „Breaking Apart“ ist am 11. Dezember erschienen. Wer sich bei Konzerten gerne mitreißen und überraschen lässt, sollte sich den nächsten Live-Auftritt von Kaso & The A-Teem ansehen. Wann das nächste Konzert ansteht, gibt Kaso auf seinem Instagram-Kanal bekannt.

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Ohne Kaffee kommt Joana Kimmich, 1995, morgens nicht aus dem Bett. Filter, Siebträger oder French Press – sie hat sogar einen Espressokocher auf der Wade tätowiert. Das Klischee „Medienmensch mit Kaffee und Kippe“ erfüllt sie trotzdem nicht. Die Zigaretten hat Joana gegen das Joggen eingetauscht. Das macht zwar in der Hamburger Innenstadt weniger Spaß als in ihrer Heimat am Fuße der schwäbischen Alb, trotzdem hat sich der Umzug gelohnt: Im Norden studierte sie Sozialökonomie mit Schwerpunkt Recht und entdeckte ihr Interesse für Paragraphen. In ihrer Bachelorarbeit überprüfte sie, ob die Impfpriorisierung verfassungskonform ist und veröffentlichte das Ergebnis sogar in einer Fachzeitschrift. Neben dem Studium organisierte sie Medienevents bei Airbus und war als Reporterin für Rock Antenne unterwegs. Kürzel: jim