Eine Menge an Menschen steht vor einem großen Bildschirm, auf dem ein Fußball-Spiel gezeigt wird.
Symbolbild: Männer-WM Public Viewing. Foto: Murat Ak/pexels

Am Donnerstag findet das nächste WM-Spiel der deutschen Fußball-Männer statt. Um 22 Uhr. Die Hochbahn verlängert daher ihre Betriebszeit. Um bahnbrechende 20 Minuten. Ein Kommentar von Patricia Schnoor.

Einige U-Bahnen fahren in Hamburg am kommenden Donnerstagabend um etwa 20 Minuten länger. So können Fahrgäste nach dem Fußballspiel „Deutschland gegen Ecuador“ mit dem ÖPNV nach Hause kommen, so Saskia Huhsfeldt, Pressereferentin der Hochbahn. Das Spiel startet um 22 Uhr deutscher Zeit. Wer bei einem der Public Viewings Fußball schaut, muss so nach dem Abpfiff nicht im Sprint zur Bahn. Nett – aber bei einem WM-Spiel, das nah am Betriebsschluss der U-Bahn liegt, nicht genug. Ein Fußballabend hält sich an keinen Fahrplan.

Fußball hält sich an keinen Fahrplan

Nachspielzeit, vielleicht ein Elfmeterschießen, Gedränge nach dem Abpfiff: Die Liste an Gründen, die letzte Bahn nach dem Public Viewing zu verpassen, ist lang. Wenn Menschen ihre Jacken, Taschen und Freunde suchen, werden aus 20 Minuten auch mal 40. Jede Person, die oft in Gruppen unterwegs ist, kennt das. Dann macht der verlängerte Fahrplan der Hochbahn nur einen Unterschied, wenn man eine der Strecken erwischt, die erst kurz vor 1 Uhr Betriebsschluss hätte.

Nach Angaben der Hochbahn schränken nächtliche Bauarbeiten im U-Bahn-Netz den Spielraum ein. Deshalb könne sie den Betrieb nicht auf alle Strecken gleich ausdehnen. Verständlich, aber für Fans bleibt es trotzdem Rechnen unter Stress: Wie lange geht die Nachspielzeit noch? Und wie lange brauche ich, bevor ich die letzte U-Bahn verpasse?

Die Hochbahn rät vor der Fahrt in die HVV-App oder auf ihre Website zu schauen. Ob die passende Bahnstrecke zu der Zeit länger fährt, sei schon im Fahrplan eingetragen. Das klingt aber eher nach: Viel Glück, die Stoppuhr läuft.

Der Extra-Service – auch für das nächste Spiel?

Man muss der Hochbahn zugutehalten: Sie reagiert. Sie lässt die Fußball-Fans nicht komplett hängen. Sie prüfe nach eigener Aussage sogar, ob die Bahnen auch beim nächsten Deutschland-Spiel am Montag länger fahren können. Nicht einmal eine halbe Stunde an den Fahrplan zu hängen, lässt den Extra-Service aber etwas lachhaft wirken.

Wenn ein WM-Spiel planbar spät startet, braucht Hamburg mehr als einen kleinen Puffer. Die Stadt weiß, wann angepfiffen wird. Sie weiß, wo Menschen gemeinsam schauen. Und sie weiß, dass nicht alle direkt nach Abpfiff losrennen. Da fragt man sich, wie Olympia gelaufen wäre.

Für Donnerstag heißt es: 20 Minuten länger jubeln, aber nicht zu lange – und besser einmal zu früh in die App gucken, als  zu spät am Bahnsteig zu stehen.

Patricia Schnoor, geboren 2002 in Hamburg, war als Kind entweder beim Karate oder Reiten, liebt Horrorfilme und hat als Teenie alle Wände ihres Zimmers bemalt. Ursprünglich wollte sie Ärztin werden, doch dann kam BookTok dazwischen. Nach dem Abi begann sie dort Illustrationen und Buch-Reviews zu veröffentlichen. Keine zwei Jahre später bekam sie Illustrations-Aufträge von den Big Five der Publishing-Häuser sowie aus neun Ländern, darunter Malaysia und die USA. Parallel hat sie Medienwissenschaft mit dem Nebenfach Kommunikation und Journalistik an der Universität Hamburg studiert. In ihrer Bachelorarbeit widmete Patricia sich ihrer Leidenschaft BookTok auch wissenschaftlich. Karate macht sie heute nicht mehr, dafür haut jetzt ihre Berichterstattung um.
Kürzel: pal

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