16.05.2026, Hamburg: Fußball, Männer: Bundesliga, FC St. Pauli - VfL Wolfsburg, 34. Spieltag, Millerntor-Stadion.
Am letzten Spieltag: Pyrka (links, FC St. Pauli) und Mæhle (VfL Wolfsburg) kämpfen um den Ball. Foto: Christian Charisius/dpa

Nach der vermeintlichen Rettung in die Relegation folgt Wolfsburg St. Pauli in die Zweite Liga. Einer der Abstiege war eine Zitterpartie, der andere erwartbar. Auch die finanziellen Auswirkungen unterscheiden sich stark.

Ein Volleyschuss von Jesper Lindstrøm fliegt wenige Zentimeter über das Tor des SC Paderborn. Lauter Jubel hallt durch das Stadion in Nordrhein-Westfalen. Das Trainerteam und die Auswechselspieler des bis dahin Zweitligisten sind aufgesprungen und fordern lautstark den Abpfiff. Die bangen Blicke der Wolfsburger Fans wandern zur Anzeigetafel. Spielminute: 120 + 3. Spielstand: 2:1 für Paderborn. Wäre der Schuss von Lindstrøm nur minimal tiefer geflogen, hätte er seine Mannschaft ins Elfmeterschießen gerettet. Stattdessen ertönt der Schlusspfiff, der keine Zweifel mehr zulässt: Zum ersten Mal in der Geschichte des Vereins steigt der VfL Wolfsburg in die Zweite Bundesliga ab.

Relegationsplatz am letzten Spieltag gesichert

Rund eine Woche vor dem Relegationsspiel durfte die Mannschaft von Trainer Dieter Hecking noch jubeln. Im Millerntorstadion sicherten sich die Wölfe mit einem 3:1-Sieg gegen den FC St. Pauli den 16. Tabellenplatz – die letzte Chance auf den Klassenerhalt. Eine Möglichkeit, die sich der VfL erst erkämpfen musste. Noch am 29. Spieltag stand der Verein mit vier Punkten Abstand auf einem direkten Abstiegsplatz. Mit dem dritten Trainer innerhalb einer Saison erspielte Wolfsburg sich danach noch acht Punkte in fünf Spielen. Und durfte bis Montagabend auf den Klassenerhalt hoffen.

Das FC St. Pauli Stadion, drei Fahnen wehen im Wind
Das FC St. Pauli Stadion. Foto: Luise Beyer

Beim FC St. Pauli hatten sich viele Fans hingegen seit Monaten auf den Abschied aus der Bundesliga vorbereitet. Nach neun Partien ohne Sieg kam auch das zehnte erfolglose Spiel und der damit einhergehende Abstieg wenig überraschend. Ein letzter Kampf blieb aus: keine großen Kaderumstellungen, kein Trainerwechsel, kein Aufschwung.

Wolfsburg stand unter höherem finanziellen Druck als St. Pauli

Ein Abstieg bedeutet immer finanzielle Verluste für einen Verein: weniger TV-Gelder, geringere Werbeeinnahmen und Umbrüche im Spieler-Kader. Trotzdem war der Druck, einen Abstieg zu vermeiden, bei Wolfsburg höher als bei St. Pauli. Denn es ist für den VfL Wolfsburg der erste Bundesliga-Abstieg in der Vereinshistorie. Für St. Pauli ist es bereits der sechste Abstieg aus der höchsten Spielklasse.

Außerdem gehört die VfL Wolfsburg Fußball GmBH zu der Volkswagen AG (VW) und wird durch diese jährlich mit hohen Summen finanziert. Da die Markenpräsenz in der Zweiten Bundesliga niedriger ist als in der Ersten, hatte VW ein hohes Interesse am Klassenerhalt. Das erhöhte den Druck auf den Verein. Besonders, da sich der Konzern aktuell ohnehin in einer finanziell schwierigen Lage befindet.

Der Kaderwert von 234,6 Millionen Euro – der achtwertvollste Kader in der Bundesliga – wird in der zweiten Liga nicht mehr möglich sein. Im Vergleich liegt der Kaderwert des FC St. Pauli mit 69,65 Millionen Euro deutlich unter dem Wert anderer Erstligisten, ausgenommen ist der Wert des dritten Absteigers 1. FC Heidenheim mit 64,95 Millionen Euro.

Ein Kader mit höherem Wert spricht in der Regel für ein höheres spielerisches Niveau. Daher steigen die Erwartungen an die sportliche Leistung. Je geringer das Budget eines Vereins ist, desto niedriger ist auch die Fallhöhe beim Abstieg. Auf einem Club wie St. Pauli, der erst zwei Jahre in der Bundesliga spielte, lastete weniger Druck und mit einem Abstieg muss immer gerechnet werden. Das erklärte auch ein Pressesprecher der Kiezkicker gegenüber FINK.HAMBURG: “Der FC St. Pauli hat ein großes Interesse an einer stabilen finanziellen Planung, bei der immer auch der Fall der Teilnahme an der Zweiten Liga berücksichtigt wird.”

Fans des FC St. Pauli hatten wenig Hoffnung auf ein “Wunder”

Die Mitarbeiterin Sylwia steht in der Domschänke am Tresen
Sylwia steht am Tresen der Domschänke. Foto: Luise Beyer

Auch die Anhänger*innen des FC St. Paulis konnten sich aufgrund der schwachen Leistungen bereits seit Monaten auf den Abstieg vorbereiten. In der “Domschänke”, direkt gegenüber vom Millerntor Stadion, kehren seit mehreren Jahrzehnten Fans des FC St. Pauli vor während und nach den Spielen ein. Sylwia Jasinska arbeitet dort seit 13 Jahren. Sie ist selbst St. Pauli Fan und deswegen traurig über den Abstieg, hatte aber zum Ende der Saison nicht mehr viel Hoffnung auf den Klassenerhalt. Finanzielle Auswirkungen für die Domschänke erwartet sie nicht. Nur während des Abstiegsspiels seien einige Fans früher aus dem Stadion gegangen. Aber Sylwia Jasinska ist überzeugt: “Das sind sehr treue Fans, egal ob St. Pauli gewonnen oder verloren hat, die feiern eigentlich immer.”

Juli Husmann, geboren im Juli 2003, ist nach einer berühmten Schriftstellerin benannt und tatsächlich gerne ”unter Leuten”. Sie stammt aus dem Hamburger Treppenviertel und möchte auch beruflich aufsteigen. In Lüneburg studierte sie Digital Media und Wirtschaftspsychologie, ihr eigentliches Thema aber war schon vorher klar: Juli spielt Hockey, am Wochenende steht sie gern auf der Nordtribüne des Volksparkstadions. Gearbeitet hat sie schon für Sport1, Sky und den Sportteil der Mopo, für “Dein Spiegel” entwarf sie ein WM-Quiz. Beim Streamingdienst Dyn kommentiert sie Frauen-Hockey-Bundesligaspiele. Ihre eigene Profikarriere sieht sie heute eher auf der Pressetribüne als auf dem Feld. Kürzel: hus

Luise Mia Beyer, Jahrgang 2002, liebt ihren Geburtsort St. Pauli, war aber schon viel unterwegs. Als Pfadfinderin wanderte sie quer durch Europa, mit einem Holzboot reiste sie in Indonesien von Insel zu Insel, in ständiger Angst vor einer Havarie. In Norddeutschland betreute sie Kinderschauspieler*innen auf einem Filmset und in Hamburg lieferte sie im Smart Pizza aus. Ihren Spaß am Skifahren und Surfen verband sie an der Leuphana mit Social Media: Sie produzierte Reels über Hochschulsportreisen. Nach dem Bachelor in Kulturwissenschaften machte sie ein Praktikum im Bereich Kultur- und Wissenschaftskommunikation bei Holtzbrinck Berlin. Beim Goethe-Institut in San Francisco betreute Luise die digitale Kommunikation und wohnte drei Monate im Turm der Feuerwache aus "The Princess Diaries". Jetzt, endlich, lebt sie wieder auf dem
Kiez. Kürzel: isi

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