Das fast vollständige Team des Kampfmittelräumdienst steht vor zwei roten Autos.
Das fast vollständige Team des Kampfmittelräumdienst bei der Jubiläumsfeier am 23. Juni. Foto: Mia Wietkamp

Seit 80 Jahren verlässt sich Hamburg auf den Kampfmittelräumdienst. Bald ehrt eine Ausstellung das Team hinter jeder Entschärfung in Hamburg.

„Auch mehr als acht Jahrzehnte nach dem Ende des zweiten Weltkrieges begegnen uns dessen Hinterlassenschaften.“ So leitete Jörg Sauermann, Amtsleiter der Feuerwehr Hamburg, die Feier zum 80-jährigen Bestehen des Kampfmittelräumdienstes (KRD) ein. In der Offiziersheimgesellschaft der Helmut-Schmidt-Universität (HSU) versammelten sich am 23. Juni aktuelle und ehemalige Mitarbeiter*innen, Freund*innen und Angehörige. Teil der Feierlichkeiten ist auch die detaillierte Ausstellung zum Kampfmittelräumdienst mit Infotafeln, Ausrüstung und echten Bomben. Sie wird Ende September in der Bibliothek der HSU gezeigt.

Der KRD kümmert sich um alle Kampfmittel, die in Hamburg gefunden werden. Dazu zählen Bombenblindgänger, Brandbomben und Granaten. Rund um die Uhr haben mindestens zwei Mitglieder des zehnköpfigen Teams Rufbereitschaft. Es wird allerdings nicht nur gewartet, bis das Telefon klingelt: Zu den Aufgaben der Einsatzgruppe zählen auch präventive Maßnahmen. Es werden beispielsweise Gebiete, in denen Blindgänger vermutet werden, systematisch mit Drohnen abgesucht. Um die Bomben zu entschärfen, benutzt das Team Geräte, die sie selbst mitentwickelt haben – wie einen ferngesteuerten Roboter.

Kein Einsatz ohne Risiko

Die Nummer des KRD ist die 040 / 42851 – 4455, bei dringenden Verdachtsfällen sind sie genau wie die Polizei unter der 110 erreichbar.

Das Team kommt fast täglich zum Einsatz, bei jedem Anruf rücken sie aus. Sobald es einen Bombenverdacht in Hamburg gibt, schaltet sich der KRD ein. 2005 trat die Kampfmittelverordnung Hamburg in Kraft, die Grundstückseigentümer*innen zu einer Untersuchung ihres Grundstücks vor Bauverfahren verpflichtet. Das Ziel: Kampfmittel beseitigen und entschärfen. Auch während der Jubiläumsfeier war ein Mitglied des Teams unterwegs, um einen Verdachtsfall zu prüfen.

Die Mitgliederer des KRD setzen sich bei jedem Einsatz lebensgefährlichen Risiken aus und sind sich dessen bewusst. Während der Jubiläumsfeier in der HSU wurde auch an den tödlichen Einsatz vor 16 Jahren gedacht. In Göttingen explodierte ein Blindgänger und drei Männer des niedersächsischen Kampfmittelbeseitigungsdienstes kamen dabei ums Leben. Die Arbeit des KRD bleibt notwendig und relevant. Deswegen wird zum 80-jährigen Jubiläum eine Ausstellung in der Bibliothek der HSU eröffnet. Die Ausstellung erzählt die Geschichte des Kampfmittelräumdienstes. Michaela Bachorz und Jörn Kalies, zwei Mitarbeiter*innen des KRD, bekamen besonder viel Lob wegen ihrer Arbeit für die Ausstellung.

Vom Bombenräumkommando zum Kampfmittelräumdienst

Nach der Kapitulation Hamburgs 1945 bleiben tonnenweise Waffen in der Stadt zurück. Nicht nur Blindgänger, sondern auch Munition der fliehenden deutschen Soldaten gehören dazu. Löschblatt, das Magazin der Feuerwehr Hamburg, schreibt, dass zurückgelassene Kampfmittel zuerst von der Feuerwehr beseitigt werden sollen, doch mehrere Einsätze enden tödlich. Im April 1946 wird in Hamburg das Bombenräumkommando gegründet, der Vorgänger des KRD.

Über die Jahre profitierte der KRD auch von internationaler Zusammenarbeit: Bereits 1997 wurde eine Expertenkommission in die Türkei ausgesandt, nachdem es dort eine verheerende Explosion in einer Munitionsfabrik gab. Jörg Sauermann sprach auch von einem Austausch mit ukrainischen Kolleg*innen und anderen internationalen Gruppen.

mia

Mia Wietkamp, Jahrgang 2001, hat gerne einen Plan. Dass sie nach dem Abitur nach Kanada wollte, war zum Beispiel geplant, dass sie dort ohne Vorerfahrung Kindern das Bogenschießen beibringen sollte, aber nicht. Zum Glück konnten das manche der Kinder ohnehin besser als sie. Mia hat es schon mit Lehramt, Schauspielerei und Theologie probiert, ihren Bachelor machte sie schließlich in Medien- und Kommunikationswissenschaft. Beim Campusradio in Bonn entdeckte Mia ihre Leidenschaft für den Journalismus - am meisten aber fürs Moderieren, gelegentlich auch mal vor 7000 Leuten. Wenn sie nicht gerade in einen Roman über
Hexen vertieft ist, findet man Mia am Sonntag in der Kirche.
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