In Hamburg findet weniger Public Viewing zur WM statt als sonst. FINK.HAMBURG sprach mit zwei Gastronomen. Der eine kann wegen Trump keine Spiele zeigen, der andere macht es aus wirtschaftlichen Gründen trotzdem.
Public Viewing zu den Fußballweltmeisterschaften (WM) der Männer heißt: gemeinsam bangen, weinen und jubeln. Anders als in der Vergangenheit gibt es dieses Jahr kein großes Public Viewing auf dem Heiligengeistfeld, aus wirtschaftlichen Gründen. Das könnte eine Chance für die Gastronomien in Hamburg sein, die vielen Fußballfans zusammenzubringen. Das Landhaus Walter im Stadtpark probiert genau das. Andere Gastronomien übertragen die diesjährige Männer-WM bewusst nicht, dazu gehört das Cafe Miller auf St. Pauli.
Im Landhaus Walter findet das „Public Viewing für Hamburg“ statt
Im Biergarten des Landhaus Walter im Stadtpark gibt es zur Männer-WM nach eigenen Angaben „Hamburgs größtes Open Air Public Viewing“. Zwei große LED-Leinwände, Speisen und Getränke – im Biergarten ist Platz für 5.000 Fußballfans, die die übertragenen Spiele kostenlos schauen können. FINK.HAMBURG hat mit Christian Halm, Sprecher des Landhaus Walter, über Kosten, Aufwand und Moral gesprochen.

FINK.HAMBURG: Warum habt ihr euch dazu entschieden Public Viewing zu veranstalten?
Halm: Wir haben erfahren, dass das Public Viewing auf dem Heiligengeistfeld ausfällt, welches immer viele Emotionen bei den Fans ausgelöst hat. Das wollen wir den Fans im Landhaus Walter dieses Jahr bieten. Das Landhaus Walter hat ein tolles Areal im Stadtpark, und die Behörden haben erlaubt, dass wir Public Viewings auch nach 22 Uhr machen dürfen.
Kommen denn so viele Gäste wie erwartet?
Halm: In den ersten Tagen war das nicht der Fall. Vor allem bei den teilweise nicht so spannenden Partien in der Vorrunde. Gerade bei Newcomer-Mannschaften, die das erste Mal dabei sind. Beim ersten Deutschlandspiel wiederum hatten wir einen Einlassstopp, weil die Maximalgrenze für unsere beiden Areale erreicht war. Deshalb mussten wir leider viele Fans, die vor der Tür standen, nach Hause bitten.
Wie viele Mitarbeiter mussten zusätzlich angestellt werden, um das Public Viewing am Laufen zu halten?
Halm: Wenn es ab dem Achtelfinale spannender wird, brauchen wir 50 bis 60 weitere Leute. Zuzüglich kommen noch 30 oder 40 Security-Kräfte. Und unsere eigenen Kräfte, um die Bars, die Versorgung, die Logistik und den Gastrobetrieb aufrechtzuerhalten. Hierfür brauchen wir noch 40 oder 50 Leute.
Wie viel musste im Voraus für die Infrastruktur ausgegeben werden?
Halm: Das Gute ist, dass wir die Bestuhlung schon hatten. Das ist unser Daily Business als größter norddeutscher Biergarten. Und was wir natürlich brauchten, sind die beiden LED-Leinwände und noch ein paar Zapfanlagen. Sowie weitere zehn bis zwölf Bars, die errichtet werden mussten und die Sanitäranlagen, die wir für die Menschenmenge brauchen. Deshalb kommt eine gute fünfstellige Summe zusammen für alles.
Und wie viel musstet Ihr für die Übertragung an sich ausgeben?
Halm: Die ist bei der Anzahl der Spiele, die wir zeigen, nicht gerade gering. Da ist man nicht mit ein- oder zweihundert Euro dabei. Und dann gibt es natürlich über Sky noch die FIFA-Lizenz, die man beantragen muss, und die dem Areal entsprechend hoch ist.

Also konkrete Zahlen habt ihr nicht?
Halm: Aktuell nein. Das ist noch zu früh.
Aber kann man generell davon ausgehen, dass der Umsatz durch das Public Viewing steigt?
Halm: Wir mussten ein paar Sitzgelegenheiten wegnehmen, um mehr Gäste reinlassen zu können. Dadurch stagniert oder sinkt der Pro-Kopf-Umsatz, da man den Komfort wegnimmt. Speisen und Getränke können nicht mehr abgestellt werden, und man muss das ganze Spiel lang stehen. Wir haben dadurch zwar mehr Möglichkeiten, Leute einzulassen und können mehr Hamburgern das Public Viewing ermöglichen. Aber es ist nicht garantiert, dass der Umsatz steigt.
Ein paar Gastronomien haben sich gegen Public Viewing entschieden, da die FIFA in der Kritik steht, wegen Korruptionsvorwürfen. Und auch wegen des Verhaltens des Gastgeberlandes USA, das etwa die Einreise der iranischen Mannschaft und des somalischen Schiedsrichters verweigerte. Stand es zur Debatte, aus diesen Gründen kein Public Viewing zu veranstalten?
Halm: Nein, das stand gar nicht zur Debatte, weil wir uns politisch zu gar nichts äußern, auch bei anderen Geschichten. Da sind wir neutral und werden keine Farbe bekennen oder Meinungsmache betreiben. Grundlegend ist das kein Thema, was uns betrifft. Wir müssen als gastronomischer Betrieb, der heutzutage auch zu kämpfen hat, schauen, wie wir Publikum anziehen. Gerade aufgrund der gestiegenen Preise, Energiekosten etc., was Folgen der ganzen politischen Lage sind. Deshalb stand es außer Frage, dass wir ein Public Viewing veranstalten.
Nach dem Ausscheiden der Fußball Nationalmannschaft der Männer, schreibt Christian Halm: Mit dem Ausscheiden der deutschen Mannschaft merkt man nun leider deutlich, dass die Begeisterung etwas nachlässt. Erst im Nachgang wird einem bewusst, wie wichtig die Deutschlandspiele für den gesamten Verlauf des Public Viewings waren. Ein oder zwei weitere Spiele der Nationalmannschaft hätten uns daher natürlich sehr gutgetan.
Cafe Miller hat sich „gegen die WM in Trump-Land entschieden“
Das Cafe Miller auf St. Pauli hat sich gegen das Übertragen der diesjährigen Männer-WM entschieden. Morgens bietet das Café veganes und vegetarisches Frühstück an, abends ist es ein beliebter Ort, um Fußball zu schauen. Vor allem für St. Pauli-Fans. FINK.HAMBURG hat mit Steffen Masur, Inhaber des Cafe Miller, über die Beweggründe, gegen das Übertragen der Männer-WM und dessen mögliche Folgen, gesprochen.

FINK.HAMBURG: Aus welchem Grund habt ihr euch gegen das Übertragen der Männer-WM entschieden?
Masur: Die FIFA gibt sich als ein gemeinnütziger Verein, aber letztendlich macht sie Milliardenumsätze. Für mich persönlich wurde mittlerweile eine Grenze erreicht. Stichwort: FIFA-Friedenspreis.
FIFA-Friedenspreis: „Fußball vereint die Welt“
„Mit dieser Auszeichnung sollen Personen geehrt werden, die sich besonders für die Wahrung des Friedens einsetzen und damit Menschen auf der ganzen Welt zusammenbringen.“, so die FIFA. Der FIFA-Friedenspreis soll jährlich verliehen werden und wurde im Dezember 2025 erstmals vergeben. US-Präsident Donald Trump bekam den ersten FIFA-Friedenspreis für „seinen unermüdlichen Einsatz für den Frieden“, so die FIFA. Kritik an der Verleihung des Preises gab es vor allem vom Norwegischen Fußballverband. Der Verband kritisiert, dass die FIFA durch die Verleihung des Preises keine politische Neutralität bewahrt, wie es eigentlich vorgesehen ist.
Rund um die jetzige WM bekommt man nur die Spitze des Eisbergs über die Vorgänge in den USA mit. Dass ICE-Agenten dort Menschen in Internierungslager stecken und Kinder von ihren Eltern trennen.
Das Ausmaß zeigt sich auf vielen Ebenen: Die Ticketpreise, die Einreisebestimmungen, der Umgang mit der iranischen Nationalmannschaft und der Umgang mit dem Schiedsrichter Omar Artan, der nicht einreisen durfte. Für mich persönlich ist das einfach zu viel. Die Politik der Trump-Regierung ist für mich einfach das Rechteste, was man sich vorstellen kann. Über diese Sachen kann ich nicht hinwegsehen und ein Public Viewing veranstalten. Die letzte Frauen-WM haben wir übertragen und das war auch eine nette Atmosphäre.
Die WM in Katar haben wir aber auch nicht übertragen, weil dort auf den Baustellen der Fußballstadien Menschen gestorben sind. Die Austragung der WM in Katar ist nur durch Korruption der FIFA entstanden. Damit war für uns eine Grenze erreicht.
Außerdem wird die WM in vier Jahren auf verschiedenen Kontinenten stattfinden. Nur, damit die WM in acht Jahren in Saudi-Arabien stattfinden kann. Das hat meiner Meinung nach nichts mehr mit einer freien Wahl zu tun. Und es steht nicht für das, was den Fußball eigentlich ausmacht. Eben, dass der Fußball Menschen verbindet und Freundschaften entstehen können. Das gilt international. Auch in den USA.
Aber die Frauen-WM habt ihr übertragen, die wurde doch auch von der FIFA ausgetragen.
Masur: Genau. Wir haben uns damals gegen das Übertragen der WM in Katar entschieden. Und jetzt gegen die WM in Trump-Land. Es ist einfach gerade zu viel passiert durch die Politik der USA. Damit möchte ich kein Geld verdienen.
Das heißt nicht, dass ich mich für immer gegen die FIFA ausgesprochen habe. Ich würde mir dennoch wünschen, dass der Deutsche Fußballbund mehr Druck auf die FIFA ausübt, damit die WM-Vergabe transparenter wird. Ich verstehe, dass viele Menschen die jetzige WM schauen und ihre Mannschaft anfeuern. Gerade, da dieses Jahr zum ersten Mal so viele Nationen dabei sind, wie noch nie. Die dadurch international mehr Präsenz bekommen.
Haben eure Gäste damit gerechnet, dass ihr die jetzige Männer-WM nicht übertragt?
Masur: Es gibt ein paar Gäste, die es schade finden. Da das Café Miller für sie wie ein Wohnzimmer ist. Von vielen habe ich aber gehört, dass sie es verstehen und es gut finden, dass man seinen Standpunkt klar macht. Negative Resonanz habe ich nicht für die Entscheidung bekommen.
Habt ihr wirtschaftlich gesehen Angst, dass euch Umsatz fehlen wird?
Masur: Man merkt es schon. Gerade, wenn Deutschland spielt, ist es ein bisschen ruhiger. Der Laden ist nicht leer, aber wahrscheinlich würde er voller sein, wenn wir die WM zeigen. Ich glaube jedoch nicht, dass Leute dadurch langfristig nicht mehr kommen. Hoffe ich jedenfalls. Man muss eben auch mal in den sauren Apfel beißen und nicht bei allem mitgehen.
Gibt es Public Viewing in anderen Kneipen in St. Pauli?
Masur: Es ist natürlich ein Wirtschaftsfaktor. Ich weiß von ein paar Läden, die sich zuerst überlegt haben, kein Public Viewing zu veranstalten. Und jetzt festgestellt haben, dass der Laden leer ist und es deshalb nun doch machen.
Zur WM oder EM fällt mir sowieso immer auf, dass wenn Leute abends draußen Fußball schauen, sie morgens nicht frühstücken gehen. Das macht sich auch bei uns bemerkbar. Die Leute haben eben nicht mehr so viel Geld in der Tasche.
Würdet ihr bei der WM mehr Umsatz machen als bei Bundesliga-Spielen, die ihr sonst zeigt?
Masur: Nein, bei einem St. Pauli-Spiel ist mehr los. Oder bei einem spannenden Bundesligaspiel, wie dem Meisterschaftstitel. Die WM- oder EM-Spiele sind nicht mit dem vergleichbar, was bei einem St.Pauli-Spiel los ist.
Olivia Schork, geboren 2000 in Frankfurt, heißt auch noch Carlota und Melba. Zum letzteren Namen inspirierte ihre Eltern eine Reise nach Kuba: Melba Hernandez war eine Revolutionärin aus dem inneren Kreis um Fidel Castro, die einst Kubas Frauengefängnisse leitete. Mit ihrer Namenspatronin teilt Olivia Freiheitsliebe und Mut: Schon mit zwölf Jahren trug sie einmal Attila, das Adlermaskottchen von Eintracht Frankfurt, auf ihrem Unterarm. Sie hat auch sonst so einiges ausprobiert: Cheerleading, Fußball, Surfen, Tennis, Hockey, Pilates, Yoga und Boxen. Zielgerichteter bewegte sie sich in Richtung Journalismus, beim Studium der Onlinekommunikation in Darmstadt und beim Hessischen Rundfunk, dort thematisch von Rap bis hin zu True Crime. Vielleicht schreibt sie für FINK bald mal etwas über das Hamburger Frauengefängnis. Kürzel: liv







