Verletzte liegen schreiend am Boden, schwer bewaffnete Polizisten stürmen aus gepanzerten Fahrzeugen, ein Sprengsatz explodiert: In drei Szenarien übten mehr als 100 Hamburger Polizisten Anti-Terror-Einsätze.

Nach den Anschlägen von Paris und Brüssel hat Hamburg ein neues Anti-Terror-Konzept aufgestellt. Die Innenbehörde schaffte dafür im vergangen Jahr neue Ausrüstung für insgesamt 4,5 Millionen Euro an. Vergangene Woche wurde mit den neuen Sturmgewehren, Schutzwesten und Helmen geübt – erstmals im Zusammenspiel mit Spezialkräften. An der Anti-Terror-Übung auf dem Bundeswehrgelände in Osdorf waren Beamte aus 15 Dienststellen beteiligt, darunter auch Wasserschutzpolizisten und Beamte der Davidwache. Jeder Beamte muss wissen, was zu tun ist, sollte es in Hamburg einen Terroralarm geben. An die Hamburger soll eine klare Botschaft gesendet werden: „Die Polizei ist sehr gut vorbereitet“, sagt Polizeipräsident Ralf Martin Meyer.

„Weiter, komm weg da“

Geprobt wird in der Reichspräsident-Ebert-Kaserne im Stadtteil Osdorf. Schüsse hallen über das Bundeswehr-Gelände. Kurz darauf fahren für das erste Übungsszenario mehrere Polizeiautos vor, die Beamten steigen aus und legen ihre Schutzausrüstung an. Über Funk kommt die Durchsage, dass es Verletzte gibt.

Die Polizisten formieren sich in zwei Gruppen, Sturmgewehre im Anschlag. “Go!“, ruft der Einsatzleiter. Die Beamten bahnen sich ihren Weg in Richtung des Gebäudes, in dem sich der Täter aufhält. Ein Mann und eine Frau, beide schwer verletzt, liegen schreiend auf dem Boden vor dem Gebäude. Plötzlich flüchten fünf Zivilisten aus dem Eingang. Einer kniet sich zu der Verletzten. „Weiter, weiter – komm weg da“ brüllt ein Beamter und winkt in Richtung des geschützten Häuserecks. Kurz darauf stürmt auch der um sich schießende Täter aus dem Gebäude. Die Beamten feuern – mit Platzpatronen – und der Terrorist stürzt filmreif auf den Rasen. Erst als Verstärkung kommt, leisten mehrere Beamte Erste Hilfe.

Polizist mit Waffe
Polizist mit Waffe. Foto: Julian Kornacker

Mit Panzern die Detonationswirkung mindern

Wie ein terroristischer Akt möglichst vermieden werden kann, demonstriert eine Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE) der Bereitschaftspolizei in einer zweiten Szene. Mehrere gepanzerte Geländewagen, Mannschaftsbusse und zwei Schützenpanzer sind hinter- und nebeneinander aufgereiht. Eine verdächtige Person fährt in die Straßensperre und stoppt vor einem der Schützenpanzer. Schnell blockieren mehrere Polizisten die Räder des Fahrzeugs mit Bremskeilen. Über Lautsprecher halten die Beamten den mutmaßlichen Terroristen in Schach. „Hände an die Scheibe!“, „Schalten Sie mit der linken Hand ganz langsam den Motor aus!“ Der Verdächtige folgt den Befehlen, legt sich bäuchlings auf den Boden und lässt sich festnehmen. Laut Polizei sollten die neuen gepanzerten Wagen vor allem die Detonationswirkung etwaiger Sprengsätze mindern.

Polizei mit Sonderwagen und Schutzschild
Polizei mit Sonderwagen und Schutzschild. Foto: Julian Kornacker

Terror-Szenario mit Sprengsatz

Schließlich üben die Beamten in einer dritten und letzten Übungsszene die Bekämpfung drei bewaffneter Täter vor einem Gebäude. Die ersten Polizisten kommen am Einsatzort an und können versteckt hinter einer Häuserwand zwei Terroristen niederstrecken. Daraufhin fahren weitere Beamte des Mobilen Einsatzkommandos mit einem gepanzerten Geländewagen, Typ „Survivor“, vor. Als die schwer bewaffneten Polizisten aus den gepanzerten Fahrzeugen stürmen, geht neben ihnen ein Sprengsatz mit einer Stichflamme hoch. Im Schutz des Fahrzeugs nähern sich zwei Beamte dem am Boden liegenden Täter und fesseln ihn.

Polizei mit Täter
Polizist mit Täter. Foto: Julian Kornacker

„G20 ist eine besondere Situation“

„Das war keine Showveranstaltung“, sagt Innensenator Andy Grote (SPD) im Anschluss an die Anti-Terror-Übung. Auch die normalen Streifenbesatzungen müssten geschult werden. „Wir haben eine unverändert hohe, aber abstrakte terroristische Gefahr.“ Das gelte ganz unabhängig vom G20-Gipfel, der am 7. und 8. Juli in Hamburg stattfinden wird. Jegliche Großveranstaltungen wie der Haspa-Marathon oder der Hamburger Hafengeburtstag könnten mögliche Ziele sein.

Auch für G20 wird aufgerüstet. Gut zwei Monate vor dem Gipfeltreffen stellt die Polizei Gebäude unter Objektschutz, sichert Reviere mit Stacheldraht und intensiviert ihre Öffentlichkeitsarbeit. Zudem veröffentlichte die Polizei Hamburg eine Karte mit Details zu den Schutzzonen und Kontrollstellen während des G20-Treffens.

„G20 ist eine besondere Situation. Es ist ein Szenario, das uns ohne Vorwarnung von jetzt auf gleich treffen könnte. So wie es in anderen Ländern passiert ist“ sagte Joachim Ferk, Leiter der Bereitschaftspolizei. Zu gezielten G20-Übungen der Polizei wollte er sich aus taktischen Gründen nicht näher äußern.

Mit Material von dpa

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Ines Timm, Jahrgang 1989, hat schon einmal mitten in einem Gewitter einen Mastbruch überstanden. Die begeisterte Seglerin stammt aus einer Seefahrerfamilie, sie liebt das Meer, würde aber nie eine Kreuzfahrt machen. Geboren ist sie in Brunsbüttel, nach dem Abitur absolvierte sie in Flensburg eine Ausbildung zur Schifffahrtskauffrau. Danach studierte sie an der FH Flensburg BWL mit Schwerpunkt Marketing. Nach dem Bachelor arbeitete sie in unterschiedlichen Werbeagenturen, unter anderem bei Scholz & Friends, und betreute Kampagnen für namhafte Kunden wie Siemens oder das Bundesverkehrsministerium. Als ehrenamtliches Mitglied unterstützt sie mit ihrer Expertise in Öffentlichkeitsarbeit und Marketing den Kulturlotse Hamburg e.V.