Der Elbstrand in Övelgönne. Hier soll bald ein Radweg gebaut werden.
Der Elbstrand in Övelgönne. Hier soll bald ein Radweg gebaut werden. Foto: Mats Mumme

Am Elbstrand soll ein Radweg gebaut werden. Das Vorhaben polarisiert. Doch wer streitet hier eigentlich gegen wen? Und wie sehen die Pläne genau aus? Antworten auf die zehn wichtigsten Fragen zum Radweg am Elbstrand in unserem #FINKaboutit.

Mit der Rubrik #FINKaboutit beleuchtet die Redaktion von FINK.HAMBURG regelmäßig relevante Themengebiete. Und trägt dafür die wichtigsten Fakten, News und Hintergrundinformationen zusammen.

Am Elbstrand in Övelgönne soll ein Radweg gebaut werden. Ein Thema, das für Streit sorgt. Vor allem zwei Bürgerinitiativen liefern sich hierbei einen Schlagabtausch. Stimmen aus der Politik befürworten die Pläne. Wer ist eigentlich an der Diskussion beteiligt? Und wie sehen die konkreten Pläne aus? Hier die Fakten:

1. Was ist genau geplant?

Geplant ist ein bis zu sechs Meter breiter Radweg über den Elbstrand in Övelgönne. So soll die letzte Lücke des von Tschechien bis zur Nordsee verlaufenden Elberadwegs geschlossen werden. Der Elberadweg ist 1220 Kilometer lang. Der rund 900 Meter lange Wegabschnitt am Elbstrand ist die einzige Teilstrecke, auf der Radfahrer schieben müssen.

2. Von wem kommen die Pläne für den Fahrradweg?

Die Pläne für einen Radweg zwischen dem Museumshafen und dem Hans-Leip-Ufer am Schröders Park hatte die rot-grüne Bezirksregierung in Altona Anfang des Jahres vorgelegt.

3. Wer ist dafür?

Öffentlich für den Radweg haben sich seitens der Politik vor allem die Grünen stark gemacht. Auch die SPD befürwortet die Pläne, wobei Reinhard Zaage, Mitglied des SPD-Vorstands in Ottensen laut NDR auch Bedenken hat. Er stelle es sich schwierig vor, den Weg flutsicher zu bauen, sagte er in einem Interview.

Auf der Bürgerseite hat sich die Initiative „Elbstrandweg für alle“ formiert. Die Gruppe rund um Initiatorin Samina Mir setzt sich jedoch nicht für einen reinen Radweg, sondern einen sogenannten Strandweg ein. Dieser soll von Fußgängern und Radfahrern gemeinsam genutzt werden und so den Zugang zum Strand für alle ermöglichen.

Für den Radweg kämpft ebenfalls der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC). Dirk Lau vom ADFC sagte dem NDR: „Unserer Meinung nach wird dadurch nichts zerstört, sondern etwas aufgewertet.“

4. Welche Gründe sprechen für den Radweg?

Neben der Tatsache, dass der neue Fahrradweg die einzige Lücke auf dem Elberadweg in ganz Europa schließen würde, sehen die Befürworter folgende Gründe für einen Bau:

  1. Aktuell gibt es oberhalb des Strandes nur einen für den Radverkehr gesperrten Weg. Der an den ehemaligen Lotsenhäusern verlaufende Fußweg wird vor allem widerrechtlich von Radfahrern genutzt. So kommt es nicht selten zu gefährlichen Begegnungen zwischen Fußgängern und Radfahrern. Der Weg ist nämlich nur zwei Meter breit. Diese Situation soll durch den neuen Radweg entschärft werden.
  2. Besonders die Initiative „Elbstrandweg für alle“ hebt hervor, dass der Strand für alle zugänglich gemacht werden soll. Das heißt, neben Radfahrern auch für Rollstuhlfahrer, Inlineskater oder Eltern mit Kinderwagen.

5. Wer ist dagegen?

Gegen den neuen Radweg in Övelgönne sprechen sich auf der politischen Seite vor allem die CDU, die FDP und auch die Linke aus. CDU-Verkehrsexpertin Antonia Niecke sagte dem NDR: „Einen riesigen Betonsockel, der den Strand als attraktive Erholungszone teilt, können wir eigentlich so nicht befürworten.“ Auch Michael Kruse von der FDP-Fraktion äußerte sich klar: „Wir halten gar nichts von der Idee des Radwegs am Elbstrand.“

Auf Bürgerseite kämpft die Initiative „Elbstrand retten“ gegen die Umsetzung der Pläne. Christiane Petersen, eine der drei Initiatoren der Initiative, sagte gegenüber der MOPO: „Wir meinen, diese Überlegungen sollten endgültig fallen gelassen werden, und fordern stattdessen eine Verbesserung der Radweginfrastruktur im vorhandenen Straßen- und Wegenetz.“

6. Was haben die Gegner für Argumente?

Zusammengefasst gibt es gegen den neuen Fahrradweg am Elbstrand folgende Gründe:

  1. Das Hauptargument der meisten Radweg-Gegner: Ein Radweg würde der unter den Hamburgern und Touristen beliebten Atmosphäre am Elbstrand schaden. Durch den Bau eines sechs Meter breiten Radweges wäre der Strand in Zukunft nicht mehr so nutzbar wie heute.
  2. Bei Hochwasser überflutet das Wasser der Elbe regelmäßig den Strand und dringt bis zu den Mauern vor. Der Radweg wäre also regelmäßig nicht befahrbar. Die Überflutung des Weges würde darüber hinaus auch die Instandhaltungskosten erhöhen.
  3. Gegner sprechen sich stattdessen für den Ausbau des Radweges auf der parallel zum Strand verlaufenden Elbchaussee aus. Sprecher der Initiative „Elbstrand retten“ sagten gegenüber der MOPO, man fordere eine Verbesserung der Radweginfrastruktur im bereits vorhandenen Straßen- und Wegenetz.

7. Was würde der Radweg kosten und wer bezahlt das?

Das Altonaer Bezirksamt hat die Kosten lediglich grob geschätzt: Etwa 1,9 Millionen soll der Steuerzahler für die neue Velo-Route bezahlen. Hierzu sagte der FDP-Abgeordnete Lorenz Flemming dem NDR: „Vor fünf Jahren sollte der Radweg noch eine Million Euro kosten. Er ist nicht notwendig und würde Övelgönne verunstalten.“

8. Welche Aktionen wurden schon gestartet?

Die Initiative „Elbstrand retten“ hat innerhalb von vier Wochen 10.600 Unterschriften für ihr Bürgerbegehren gesammelt. Für das Zustandekommen eines Bürgerbegehrens waren 5937 Unterschriften von Wahlberechtigten aus dem Bezirk Altona nötig. Initiatorin Petersen hofft, „dass die Bezirksversammlung Altona das klare Signal erkennt und jegliche Planungen für einen Radweg einstellt“.

Eine Gegenaktion kam von der Initiative „Elbstrandweg für alle“: Am 1. Mai rollten die Mitglieder am Strand in Övelgönne einen 100 Meter langen Kunstrasen aus. Initiatorin Mir sagte dem „Hamburger Abendblatt“: „Die Fußgänger waren begeistert, der Weg wurde sofort gut angenommen. Jetzt können hier auch Leute mit einem Kinderwagen langgehen.“

9. Gibt es alternative Pläne?

Neben dem Ausbau des Radwegs auf der Elbchaussee gibt es noch weitere Vorschläge. Ein alternatives Konzept hat der zum Beispiel der Verkehrsclub Deutschland (VCD) vorgelegt. Der Landesverband Nord des Clubs hat dem Bezirk Altona Ende April ein Konzept präsentiert, dass eine alternative Wegführung vorsieht. Bei diesem Konzept soll ein Teil des Weges als Fußweg mit dem Zusatz „Radfahrer frei“ definiert werden. Für den Rest des Weges soll auf Schilder und Markierungen verzichtet werden. Der Club setzt darauf, dass die Verkehrsteilnehmer bei möglichst wenigen Vorschriften am ehesten aufeinander Acht geben werden.

10. Gab es die Diskussion nicht schon einmal?

Ja, bereits vor fünf Jahren machten sich Hamburgs Grüne für die Pläne eines Radwegs am Elbstrand stark. Das Vorhaben war damals am Widerstand der Bürger gescheitert. Nach den alten Plänen hätten auch Grundstückseigner für den Bau enteignet werden sollen. Die neuen Pläne der Bezirksregierung kommen ohne Enteignungen aus.

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Der perfekte Platz für einen Sonnenaufgang? Das ist für Sarah Kneipp, Jahrgang 1995, eine 140 Meter hohe Windkraftanlage, die sie natürlich selbst hinaufgeklettert ist. Auf Berge steigt sie aber auch gern. Außerdem könnte sie einem - als Unternehmen, aber bestimmt auch privat - selbst mitten in der Nacht ohne Probleme aus der Patsche helfen. Denn schnelle und richtige Entscheidungen treffen, das hat Sarah in der professionellen Beschäftigung mit Krisenkommunikation in den PR-Abteilungen mehrerer Unternehmen gelernt – darunter ein Hersteller von Windkraftanlagen. Wegen Benni, ihrem griechischen Straßenhund, ist sie seit einiger Zeit überdurchschnittlich viel vor der Tür und testet nebenbei das ein oder andere Sushi-Restaurant in Hamburg.

7 KOMMENTARE

    • Hallo Jana, vielen Dank für das tolle Feedback. Viele Grüße und weiterhin viel Freude mit fink.hamburg

  1. In Kürze die wichtigsten Punkte anschaulich dargestellt, top Artikel! So bekommt man auch mal mit, was lokal-politisch läuft.
    Meiner Meinung nach bleibt der Fahrradweg am Strand selber allerdings ein seltsames Vorhaben…

  2. Ein Fahrrad- Geh- Strandweg auf diesen wenigen 900 Metern ist
    offensichtlich eine sehr gute Sache: Eine Aufwertung die überfallig ist.
    So gut wie alle vernünftigen Gründe und Argumente sprechen dafür.
    Die Gegner dieser guten Sache haben m.E. überhaupt keine
    positive Vision zur Verbeserung der katastrophalen
    Verkehrssituation dort. Es erscheint mir wie blinde Blockade, die
    eine gute Entwicklung, überhaupt eine Planung, im Ansatz verhindern
    will. Ich weiß nicht warum. Kein Argument von der Seite
    hat wirklich Substanz. Ein Elbstrandweg ist gut !
    Die vielen Vorschläge und Ideen sprechen genau für eine Aufwertung.

  3. Ich bin leidenschaftlicher Radfahrer und diesen Elberadweg und sogar weiter bis nach Prag geradelt.
    Der von Tschechien bis zur Nordsee verlaufende Elberadweg läuft in den seltensten direkt an der Elbe. In diesem Sinn wäre es völlig normal, den Elberadweg via Elbchaussee oder Bernadottestraße zu definieren.
    Ich und meine Familie nutzen den Strand seit Jahren zur Erholung. Mein Sohn hat dort in Sand gespielt.
    Es ist ein einzigartiges schmales Strandidyll. Gerne schiebe ich die 900 Meter mein Rad Richtung Blankenese oder befahre oben parallele Straßen. Mit Befremden nehme ich wahr, dass genau)dort ein moderner Rad- und Fußweg gebaut werden soll, wo im Sommer die Menschen dicht an dicht liegen und sich sonnen. Sorry – ein Radweg passt da einfach nicht hin, auch nicht wenn technisch möglich!
    Ich radle doch auch nicht durch euren Vorgarten.

  4. Man kann auf so einem schmalen Streifen „STRAND“, der je nach Gezeiten auch mal ganz weg ist und zwar regelmäßig, nicht nur bei Sturmflut oder Hochwasser, mit gesundem Menschenverstand keinen breiten Multi-Funktionsweg bauen. Der Strand wäre hinüber, der Weg nach jeder normalen Flut total versandet und je nach Laune der Natur auch ziemlich oft total kaputt, denn der Weg wäre auf Sand gebaut.
    Will die Stadt Hamburg dafür wirklich die Instandhaltungskosten tragen und haftbar gemacht werden? Ein friedliches Miteinander bekommen die lautesten Befürworter der „Asphaltstrecke“ auf dem Strand schon jetzt nicht hin, weder auf dem bestehenden Fußweg oben, noch in der Diskussion um die Erhaltung des Strandes in seinem Ist-Zustand. Mal ist es der Elbe-Wander-Radweg, mal die Rollstuhlfahrer oder die Kinderwagen, die den Weg dringend benötigen und man wolle doch niemanden ausgrenzen. Dann will man das alles so nicht gesagt haben, ADFC macht erst Stimmung für einen Radweg, gibt Interviews und will sich jetzt plötzlich „neutral“ verhalten.

    Es sollte vielmehr der Fahrradverkehr auf vorhandenen Verkehrswegen gefördert werden, anstatt Naherholungsgebiete in Verkehrsflächen umzuwandeln.

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