Selbstporträt von Max Pechstein aus dem Jahre 1918
Selbstporträt von Max Pechstein aus dem Jahre 1918. Foto: Bucerius Kunst Forum

Obwohl Alexander Pechstein noch klein war, erinnert er sich noch gut an seinen Großvater Max. Er kennt die spannenden Details hinter den Bildern, die selbst dem geschulten Künstlerauge verborgen bleiben. Eine Multimediareportage.

Max Pechstein wurde 1881 in Zwickau geboren und starb 1955 in Berlin. Er schuf 1.300 Ölgemälde und 4.000 Zeichnungen und Aquarelle. Von 1906 bis 1912 war er Mitglied der epochemachenden Künstlervereinigung „Brücke“.

Die Ausstellung im Bucerius Kunst Forum läuft noch bis zum 3. September.

Max Pechstein war ein wandernder Künstler: Paris, Berlin und Dresden, Nidden an der Ostsee, Monterosso in Italien, Palau in der Südsee und die ostpommerschen Orte Leba und Rowe sind seine wichtigsten Stationen. Aber das bedeutete nicht immer musenreiche Stunden am Strand, sondern auch Flucht und Gefangenschaft. Der für zwei Jahre geplante Aufenthalt auf den mikronesischen Palauinseln beispielsweise wurde jäh durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs beendet. Pechstein geriet in japanische Kriegsgefangenschaft und flüchtete 1915 über Manila, Honolulu, San Francisco und New York, bis er wieder in Berlin ankam und sich für die Westfront nahe Lille meldete.

Fast hat man das Gefühl, als würde der Mann, der auf beinahe jedem Foto mit einer Pfeife im Mundwinkel zu sehen ist, bei jeder Reise eine neue Farbigkeit entdecken. In seinem typisch expressionistischen Stil transferiert er dann die Farben des exotischen Palau in das mondäne Leben seiner „pommerschen Paradiesen“. So entstand das mannigfaltige Oeuvre eines großen deutschen Künstlers, der vom NS-Regime als entartet verunglimpft wurde und dessen Bilder zu einem großen Teil durch einen verheerenden Brand im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden. Jetzt zeigt das Bucerius Kunst Forum zum ersten Mal in Hamburg eine Einzelschau des farbintensiven Malers.

Sein Enkel, Alexander Pechstein, kann sich noch gut an den berühmten Brücke-Künstler erinnern. Immerhin befasst er sich beinahe täglich mit den Gemälden, die sein Großvater hinterließ. Aber er kannte ihn auch als Mensch, weiß beispielsweise um die ewigen Diskussionen über die von Asche verbrannten Teppiche. „Max war ein Workaholic, wie man heute sagen würde. Er hatte immer Stifte dabei und hat sogar an seinem Hochzeitstag in die Unterlagen vom Standesamt gezeichnet“, leitet Alexander Pechstein eine Führung ein, die die Geschichte hinter den Bildern zum Vorschein bringen wird.

Max Pechstein Ausstellung Alexander Pechstein
Alexander Pechstein zwischen den Werken seines Großvaters. Foto: Lukas Schepers

Auf dem „Selbstbildnis mit Hut und Pfeife“ hat sich Max Pechstein mit seinem typischen accessoire PORTRÄTIERT

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Foto: Lukas Schepers

„Junge mit Spielzeug“ zeigt den Vater von Alexander Pechstein im Alter von drei Jahren

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Foto: Lukas Schepers

seine ex-frau Lotte hat für den „blauen tag“ und viele weitere gemälde modell gestanden

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Foto: Lukas Schepers

Das „Junge Mädchen“ hat eine leidvolle Vergangenheit hinter sich

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Foto: Lukas Schepers

Das „Fischerboot“, eines seiner hauptwerke, ist inspiriert von den Aufenthalten in Monterosso

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Foto: Lukas Schepers