Neben den Glöckchen klingeln im Dezember vor allem die Kassen. Foto: Christoph Schmidt/dpa

Alle freuen sich auf Weihnachten. Das Fest der Liebe hat aber auch seine Schattenseiten: Verpackungsmüllberge, Weihnachtsbäume aus Plantagen und ein extremer Energieverbrauch werden im Besinnlichkeitsrausch gerne ignoriert.

Hier findet ihr nette Alternativen zum klassischen Weihnachtsbaum.

Es gibt natürlich auch kreative Ideen, um Geschenkpapier zu ersetzen.

Das Schönste an Weihnachten ist das Zusammensein mit Freunden und Familie. Das macht uns in dieser Zeit so glücklich. Doch das Glück wird nicht nur von der Gemeinschaft hervorgerufen, sondern auch von unglaublichen Massen an Geschenken. So hängt der Konsum ebenso mit dem Fest zusammen, wie der Glaube an Christi Geburt.

Dabei gab es eine Art Weihnachtsfest schon vor der Entstehung des Christentum. Der Brauch stammt aus dem alten Rom. Die Heiden feierten ursprünglich vom 17. bis zum 23. Dezember die Geburt ihres Sonnengottes. Während dieser Saturnalien legten sie Konflikte beiseite, beschenkten und betranken sich – wählten sogar einen rex bibendi, den König des Trinkens. Als Rom langsam zur christlichen Nation wurde, brachte Kaiser Konstantin die heidnischen Bräuche mit den christlichen zusammen.

Das Heidentum wurde schließlich vom Christentum unterwandert und die Geburt des Messias mit dem des Sonnengottes zusammengelegt. Und das, obwohl Jesus nachweisbar nicht im Winter, sondern wahrscheinlich im März geboren wurde. Dennoch feiert die Kirche den 24. Dezember als den Geburtstag Christi. Und die Wirtschaft profitiert.

Der Höhepunkt der Wegwerfkultur

Tatsächlich rückt der eigentliche Anlass des Festes mehr und mehr in den Hintergrund. Das mag auch daran liegen, dass vor allem viele Menschen in der Stadt sich von der Kirche abwenden oder einen anderen kulturellen Hintergrund haben. Die Mitgliedszahlen der christlichen Kirchen in Deutschland sind seit Jahren rückläufig. Trotzdem wird auch in nicht gläubigen Haushalten Weihnachten gefeiert – als Fest der Liebe, die auch in Form von Geschenken ausgedrückt wird.

Generell verfällt die Gesellschaft im Dezember in eine Art Konsumrausch – der fatale Auswirkungen hat:

In Deutschland werden an Weihnachten fast 30 Millionen Weihnachtsbäume verkauft. Ungefähr zehn Prozent der Tannen legen eine Strecke von Hunderten Kilometern zurück, weil sie aus dem Ausland importiert werden. Wie die vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung geförderte Initiative „Pflanzenforschung“ berichtet, kommen nur noch 20 Prozent der deutschen Tannen wirklich aus dem Wald. Der Rest kommt von großangelegten (ungefähr 25.000 Fußballfelder) Plantagen in Monokultur, die das Grundwasser mit Pestiziden und das Ökosystem mit Düngemitteln belasten. Nach wenigen Wochen liegen die 30 Millionen Bäume dann traurig auf der Straße, bereit für den Abtransport und die darauffolgende Verbrennung. Denn nur im Idealfall werden Tannenbäume nachher kompostiert oder als Feuerholz verwendet.

Wenn es ans Einpacken von Geschenken geht, wird auf die Optik geachtet, nicht auf die Umwelt. Es gibt keine offiziellen Statistiken zum bundesdeutschen Verbrauch von Verpackungsmaterial, aber ein Gedankenspiel macht die Dimensionen klar: Wenn jede in Deutschland gemeldete Person nur 100 Gramm Geschenkpapier an Weihnachten verbraucht, macht das rund 8000 Tonnen. Damit könnte man 7000 Fußballplätze bedecken.

Dass für die Herstellung von Papier Wälder abgeholzt werden, ist vielen klar. Dass die Papierindustrie zudem zu den fünftgrößten Energieverbrauchern der Welt gehört, eher nicht. Und wo wir schon einmal beim Thema sind: Der Stromverbrauch ist deutschlandweit im Dezember extrem hoch. Insgesamt verbrauchen die deutschen Haushalte alleine am 25. Dezember rund ein Drittel mehr Energie, als an gewöhnlichen Wintertagen.

Ihr Kinderlein kommet

Neben den Glöckchen klingeln im Dezember vor allem die Kassen: Allein für Spielwaren schätzt das Marktforschungsunternehmen GfK das Umsatzpotenzial im Weihnachtsgeschäft auf rund 1,9 Milliarden Euro. Die beliebtesten Produktgruppen im Onlinehandel bilden dabei Modeartikel, Spielwaren und Bücher.

Geschenke sind etwas Schönes, das steht außer Frage. Wenn sie zu Weihnachten jedoch mittlerweile einen so großen Stellenwert einnehmen, dann muss sich eine aufgeklärte Gesellschaft eigentlich damit beschäftigen, woher sie stammen. Die Ausbeutung von Billigarbeitern sowie Kinderarbeit bilden ein moralisch fragwürdiges Fundament für ein Fest der Nächstenliebe. Auch Lichterketten, Baumschmuck und Schneekugeln wurden womöglich in irgendeiner stickigen Fabrik in Südasien hergestellt.

Jedem Menschen sei gegönnt, in der Weihnachtszeit Besinnlichkeit zu genießen und während der Feiertage die eigenen Probleme auszublenden. Dennoch sollte man die Augen nicht vor den Dingen verschließen, die als unweigerliche Konsequenz Mitmenschen und Umwelt belasten. Und generell sollte man sich die Frage stellen, ob die Menschen nicht einfach das ganze Jahr über nett zueinander sein können, statt nur Ende Dezember. Diese Überschwänglichkeit, mit der wir uns beschenken, könnte in einem gesunden Maße über das Jahr verteilt werden. Das wäre doch viel schöner.