Von Kleist das Zerbrochene Dorf
"Das zerbrochene Dorf" von Felix Maria Zeppenfeld. Foto: Lukas Schepers

Vom 10. bis zum 13. Juni zeigen Studierende, wie sie Theater-Klassiker von Heinrich von Kleist in die Moderne überführen. Vier seiner Werke werden im Malersaal des Schauspielhauses neu inszeniert.

Im Rahmen der Semesterprojekte der Theaterakademie kommt eine Gruppe junger Menschen zusammen, die sich dazu entschieden haben, ihr Leben dem Theater zu widmen. Sie sind angehende Regisseure, Dramaturgen, Schauspieler, Kostüm- oder Bühnenbildner und kommen von der Theaterakademie Hamburg, der Hochschule für Musik und Theater, der HAW und der HfBK.

Ein scheinbar verrücktes Mädchen, das ihrem Geliebten trotz aller Widrigkeiten folgt. Eine Amazonenkönigin, die aus Versehen ihren Geliebten tötet. Ein Richter, der heimlich über sein eigenes Verbrechen entscheiden soll. Ein Paar, das sich gegen die Kirche stellt und die Konsequenzen trägt. Diese vier Texte stammen aus der Feder des deutschen Dramatikers Heinrich von Kleist. Das Käthchen von Heilbronn, Penthesilea, Das Erdbeben in Chili und Der Zerbrochene Krug schrieb er zu Beginn des 19. Jahrhunderts, doch sie üben noch heute eine gewisse Magie aus – auch auf Studierende, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, den zeitlosen Stoff in der Gegenwart zu verankern.

Im Malersaal des Schauspielhauses werden die Werke von vier verschiedenen studentischen Ensembles neu arrangiert. Die Kostümdesign-Studentin Christina Geiger hat dabei mitgeholfen den „zerbrochenen Krug“ in das „zerbrochene Dorf“ zu wandeln. Dabei beginnt die Geschichte nicht in Huisum, sondern mit Zankereien im bilingualen Kindergarten. Dann ist man plötzlich beim Originaltext und erlebt in der einstündigen Vorführung einen ständigen Wechsel zwischen modernen Einflüssen und dem Originaltext. Dabei bildet sich trotzdem ein einheitliches Gesamtbild.

„Die Kostüme und das Bühnenbild werfen den Anschein einer heilen Welt über das Verderben im Menschen, das sich im Laufe des Stückes entfaltet“, erklärt Christina, während sie die Schnüre einer trachtenartigen Plastikhose mit Blumenmuster festzieht. Dieser Kontrast kann nur durch intensiven Austausch zwischen allen Beteiligten zustande kommen. „Ich muss mit einem Auge die Bühne und mit dem anderen das Kostümbild im Blick haben“, sagt sie, als der österreichische Bühnenbildner Felix Huber, der gerade sein Auslandssemester an der HfBK macht, in die Maske kommt.

Reinhard von der Thannen ist Christinas Dozent und begleitet das Projekt. Der Regisseur, Bühnen- und Kostümbildner spricht aus Erfahrung, wenn er betont: „Im Endeffekt zählt nur das Ensembleergebnis“. Ein Kostüm allein macht also noch lange kein gutes Stück. Und auch der beste Regisseur hat es ohne durchdachte Kostüme und ein ausgefeiltes Bühnenkonzept schwerer. Das kann Regisseur Felix Maria Zeppenfeld nur bestätigen, der Teil des dialogischen Arbeitsprozesses ist. Mit ihm inszenierte Christina bereits das Stück „Vatermord“ von Arnolt Bronnen.

Dass im Rahmen des Projekts viele junge Theatermacher aufeinandertreffen, ist eine großartige Starthilfe. „Als Kostümdesignerin würde ich mir schwere Sorgen um meine Zukunft machen, wenn es diese Projekte nicht gäbe, um erste Kontakte zu knüpfen“, erklärt sie. Auch ihr Dozent betont die Chancen, die eine solche Zusammenarbeit eröffnet. „Wir arbeiten mit Häusern wie der Opera Stabile, dem Thalia Theater oder dem Deutschen SchauSpielHaus zusammen. Wenn man dort als Student schon seine Werke zeigt, kann man schnell auf sich aufmerksam machen.“

Professor Reinhard von der Thannen
Professor Reinhard von der Thannen begleitet die Kostümdesign-Studierenden bei ihren Projekten. Foto: Lukas Schepers

Und die Inszenierungen wird dem Niveau der großen Häuser gerecht: „Die Studierendenprojekte unterscheiden sich in ihrer Arbeitsweise kaum von professionellen Produktionen“, erklärt von der Thannen. Davon kann man sich ab dem 10. Juni dann selbst überzeugen.

Weitere Infos zu den anderen Vorstellungen und den Terminen gibt es hier.