Fotograf Kevin McElvaney. Foto: Lisa-Marie Eichhorn
Fotograf Kevin McElvaney. Foto: Lisa-Marie Eichhorn

Kevin McElvaney war bei der Protestaktion von Greenpeace am Freitagabend als Fotograf auf einem Aktivistenboot dabei. Doch weil in der Schanze die Lage eskalierte, blieb die friedliche Aktion fast unbemerkt.

Als wir Kevin McElvaney am Samstagmittag in seiner Wohnung in Uhlenhorst treffen, wirkt er müde und erschöpft. Der Fotograf bietet uns Wasser in recycelten Flensburger-Flaschen an. In der offenen Wohnküche setzen wir uns an den großen Holztisch. „Ich hab vor ein paar Tagen den Anruf von Greenpeace bekommen, ob ich bei dem Protest auf dem Wasser in einem Aktivistenboot dabei sein will“, erzählt er. „Eigentlich wollte ich auf das ‚Feel Festival‘.“ Aber die Chance bei dieser Aktion mitten drin zu sein, habe ihn gereizt. Weil er als Fotojournalist von der Seenotrettung Geflüchteter im Mittelmeer berichtet hatte, war Greenpeace auf ihn aufmerksam geworden.

Schon am vergangenen Sonntag hatte Greenpeace auf der Elbe einen Kohlefrachter mit mehreren Booten umkreist und bemalt. Die Protestaktion richtete sich gegen die Energiegewinnung aus Kohle. Beim G20-Protest am Freitag waren dann erneut 16 Schlauchboote, eine Barkasse und das Segelboot „Beluga“ auf dem Wasser. Diese schipperten eine sieben Meter große Trump- und eine Freiheitsstatue über die Elbe, die vor der Elbphilharmonie auf einem Ponton aufgerichtet wurden – während die Staatschefs darin zum Konzert eintrudelten. Die beiden Kunstwerke wurden vom Düsseldorfer Karnevals-Wagenbauer Jacques Tilly hergestellt, um gegen den angekündigten Ausstieg der USA aus dem Klimaschutzabkommen von Paris zu demonstrieren.

Polizei gibt den Daumen nach oben

Die Aktion sei von Greenpeace auch als Test gedacht gewesen, um zu sehen, wie weit die Demokratie gehen darf und wie weit das Demonstrationsrecht gewahrt wird. Insgesamt hätten die Organisatoren nicht damit gerechnet, dass man so weit kommen würde. Aus der Perspektive von Greenpeace seien alle Ziele erreicht worden. „Wir konnten in Ruhe die Skulpturen aufstellen und sogar noch drehen, sodass sie direkt zur Elbphilharmonie und gegeneinander gerichtet waren“, sagt Kevin. „Rein theoretisch könnte Trump die Statuen also wirklich gesehen haben – nicht nur in der Presse“

„Es war alles sehr greenpeacing“, sagt Kevin. Dazu habe auch die Polizei ihren Teil beigetragen. „Zwar wurden kurz Wasserwerfer eingesetzt, es gab Bootjagden und Aktivisten wurden festgenommen. Aber selbst als Greenpeace-Leute schwimmend in die Sicherheitszone eindrangen, blieb die Situation friedlich. Die Polizei habe sogar einmal den Daumen nach oben gezeigt. Ob sie damit meinten „Alles cool“ oder „Wir finden die Aktion toll“, weiß Kevin nicht.

Friedlicher Protest vs. Sensation

Er selber findet die Botschaft „planetearthfirst“ von Greenpeace gut. „Wenn man jetzt die Krawallleute aus der Schanze von gestern interviewen würde, wäre die Message wahrscheinlich flacher.“ Kevin hat keinen Bock auf Krawall und neben anderen Pressefotografen zu zeigen, wie jemand einen Stein wirft. Daraus könne man keine Geschichte machen. Auch die gesunde Motivation des Greenpeace Protest findet er im Gegensatz zu der der Gewaltbereiten von gestern richtig. „Dein innerer Kompass ist ja nicht gesund, wenn du sagst, ‚Scheiß G20 beutet Afrikaner aus‘ – aber deinem Nachbarn, nur weil er reich ist, ein kaputtes Auto wünscht.“

Die Aufmerksamkeit für die Aktion sei aber zu klein gewesen: „Ich finde es unbefriedigend, dass, wenn man heute alle Leute fragt, was war gestern los, sich jeder nur an den schwarzen Block und die Lage in der Schanze erinnern kann.“ Dass friedlicher Protest immer uninteressanter ist, sei schade. Aber auch er als Fotograf stehe immer in dem Zwiespalt, dass er eigentlich Zeuge der extremen Momente sein will.

Greenpeace sei für so etwas aber nicht zu haben: „Auch als ich vorgeschlagen habe, dass man zum Spaß noch eine Sicherheitskette vor der Elbphilharmonie durchflexen könnte, meinten die direkt: ‚Nein, wir machen nichts kaputt‘.“ Es gab keinen starken Schockmoment. Alle seien so weit gegangen, wie sie mussten, um ihre Botschaft zu transportieren. Nicht einen Schritt weiter. Und die Polizei habe gemacht, was sie machen musste. „Alle haben fair gehandelt. Das Konfliktpotential war da – aber am Ende war alles cool.“