Wirtz
"Die fünfte Dimension" ist wieder düsterer als ihr Vorgänger. Foto: Wirtzmusik

Mit „Die fünfte Dimension“ veröffentlicht Daniel Wirtz bereits sein fünftes Studioalbum. Im April 2018 kommt der Künstler auch nach Hamburg.

Lange Zeit war der Name Daniel Wirtz nur musikalischen Insidern ein Begriff. Seine ersten drei veröffentlichen Alben brachten dem ehemaligen Sub7even-Sänger zwar viel positives Feedback ein, den Durchbruch in Deutschland schaffte er damit jedoch nicht. Erst mit seiner Teilnahme am Musikformat „Sing meinen Song“ konnte sich der 42-jährige Wahl-Frankfurter mit seiner direkten Art einem breiten Publikum vorstellen. Wirtz spielte von nun an nicht mehr in kleinen Clubs, sondern füllte plötzlich Konzerthallen. Sein viertes Album „Auf Die Plätze, Fertig, Los!“ verkaufte sich trotz einiger Kommerzvorwürfe schließlich besser als all seine Vorgänger.

Nun legt Wirtz mit „Die fünfte Dimension“ nach. Unter dem Motto „back to the roots“ ist diesmal ein eher düsteres Album entstanden. Wie von den Voralben gewohnt, gibt es auch hier von Beginn an wieder einen gleichnamigen Titelsong. Dieser gibt auch gleich die Richtung vor: textlich frontal, ein mal ruhiger, mal lauter werdender Wirtz, viel Gefühl und vor allem Deutschrock. Wer sich bereits das vor kurzem veröffentlichte Best-Of ins Regal gestellt hat, kennt außerdem zwei Tracks („Wer wir waren“, „Seelen“).

Wirtz bleibt gewollt unpolitisch

Wie schon in der Vergangenheit kommt auch mit der neuen CD immer wieder die Frage nach der politischen Gesinnung des Musikers auf. Seine damalige Zusammenarbeit mit Stephan Weidner (Böhse Onkelz) oder Xavier Naidoo (Söhne Mannheims) rückten mit zunehmender Bekanntheit von Wirtz immer wieder in den Vordergrund. Die Frage nach dem politischen Zeitgeist begleitet dabei auch sein neues Album. Doch er gibt sich gewollt unpolitisch. In keinem seiner zwölf Songs lassen sich versteckte Botschaften oder Stellungnahmen zum Rechtsruck der Gesellschaft hinein interpretieren. Wer dennoch unerlässlich gräbt, wird in „Die Entdeckung der Langsamkeit“ einen eher konservativen Ansatz zur Digitalisierung finden. Bewusst pointiert besingt Wirtz hier den omnipräsenten Smartphone-Einsatz der Generation X-Z und kritisiert „das ständig erreichbar sein wollen“.

Doch für Politik ist Wirtz auch nicht bekannt. Seine Texte sollen berühren, nicht richten. Persönliche und emotionale Themen stehen wie gewohnt im Mittelpunkt. Mit „Weil ich dich mag“ besingt er so zum Beispiel die Geburt seines Sohnes und mit der Ballade „Ich bleibe hier“ spielt er auf das Festhalten an einer gescheiterten Beziehung an. Der kraftvollste und ehrlichste Song aus dem Wirtz-Kosmos ist aber die erste Single-Auskopplung. Mit „Gib mich nicht auf“ vermischt der Sänger eine ordentliche Portion Liebeskummer mit Wut und letzter Hoffnung auf ein Happy End zu einem stimmigen Gesamtkunstwerk. In einem sich langsam aufbauenden Track wiederholt Wirtz mit kräftiger Stimme immer wieder den Refrain und erzeugt dadurch ein tiefes Gefühl der inneren Beklemmung, welches sich in einem druckvollen Crescendo entlädt.

Auch wenn nicht jede seiner Metaphern auf Anhieb zünden kann, erzeugt der Interpretationsspielraum seiner Texte doch ein nachdenkliches, fast verständnisvolles Gefühl. „Die fünfte Dimension“ überrascht mit vielen Aha-Momenten, bei denen man sich ertappt, das eigene Ich im Text wiederzufinden. Damit ist der neue Longplayer eine rockige Pralinenschachtel zwischen Liebe und Schmerz, die diesmal wieder etwas düsterer als ihr Vorgänger geworden ist und dennoch unverkennbar Daniel Wirtz Handschrift trägt.

„Die fünfte Dimension“ von Daniel Wirtz erscheint am 17.11.17 bei Wirtzmusik/Tonpool. In Hamburg spielt der Künstler am 17.04.18 im Veranstaltungszentrum Große Freiheit 36.

„Gib mich nicht auf“ ist die erste Single-Auskopplung des neuen Albums: