Am Samstag, dem 26.05.2018, findet im Betahaus das Frauenbarcamp statt. FINK sprach mit den Organisatorinnen Kaja Otto und Simone Glöckler über die großen Ziele des Feminismus und warum Männer beim Barcamp draußen bleiben müssen.

FINK: Am Barcamp können nur Frauen, einschließlich aller Sternchen, teilnehmen. Warum schließt ihr cis Männer aus?

„Cis“ ist das lateinische Präfix für „auf dieser Seite, diesseits, binnen, innerhalb“. Als cis Mann oder cis Frau bezeichnet man jene, die sich mit dem Geschlecht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde, identifizieren.

Kaja Otto: Wir lieben Männer und wir freuen uns über jeden Mann, der unsere Ideen unterstützt. Uns ist klar, dass es am Ende des Tages nur gemeinsam geht. Aber sobald ein Mann dabei ist, werden viele Themen ausgespart. Manchen Frauen fällt es dann schwer, über Diskriminierung oder sexualisierte Gewalt zu sprechen.

Simone Glöckler: Natürlich kann man diese Themen auch zusammen besprechen, aber oft verteidigen Männer sich sofort. Das würden Frauen bestimmt auch tun. Aber die Intimität, sich zu öffnen und über die persönlichen Erfahrungen zu sprechen, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen, entsteht in gemischten Gruppen oft nicht.

Auch Männer können sich ein Barcamp organisieren

FINK: Aber vielleicht würden Männer auch gerne über diese Themen sprechen.

Otto: Mir begegnet diese Kritik sehr oft, und natürlich sind auch Männern schlimme Dinge widerfahren. Aber Leute, mietet euch das beta-Haus und macht ein Männerbarcamp. Wo ist das Problem? Warum muss ich mich als Frau schon wieder darum kümmern, dass die andere Seite auch ihr Format findet?

FINK: Warum organisiert ihr denn ein Barcamp für Frauen?

Otto: Als Trump zum US-Präsidenten gewählt worden ist, war mir klar, dass man etwas unternehmen muss. Etwas, das man schnell umzusetzen kann, was Sichtbarkeit schafft und auch für Menschen ohne Vorkenntnisse geeignet ist. Es ist uns besonders wichtig, dass das Barcamp ein Raum für Begegnungen ist. Akademischen Feminismus gibt es viel. Beim Barcamp treffen Frauen, die noch nie ein feministisches Buch gelesen haben, auf Frauen, die sich schon voll informiert haben.

FINK: Ihr ladet also jede zum Barcamp ein, auch ohne Vorkenntnisse. Aber was ist mit Frauen, die sich das Ticket für 18 € nicht leisten können?

Otto: Die können uns sehr gerne eine E-Mail schreiben und bekommen dann unentgeldlich ein Ticket. Das steht so auch in der Veranstaltungseinladung.

FINK: Wie sah das Publikum im ersten Jahr aus?

Glöckler: Es waren circa 115 Teilnehmerinnen dabei, die Jüngste war 14 Jahre alt und die Älteste 60.

Otto: Natürlich kann man immer noch bunter, noch durchmischter werden. Aber es waren schon sehr unterschiedliche Frauen da: Selbstständige, Angestellte, Mütter, Schülerinnen, kreativ Arbeitende und Frauen aus eher klassischen Jobs. Viele haben sich gefreut, mal Frauen kennenzulernen, denen man sonst vielleicht gar nicht begegnet.

Simone Glöckler und Katja Otto sind Mitorganisatorinnen des Frauen*Barcamps.
Simone Glöckler (links) und Katja Otto sind Mitorganisatorinnen des Frauen*Barcamps. Glöckler ist freie Mitarbeiterin beim NDR, Otto arbeitet als Female Empowerement Coach.

Das Programm gestalten die Teilnehmerinnen selbst

FINK: Die Workshops und Gesprächsrunden entstehen alle erst direkt beim Barcamp.

Glöckler: Genau. Wir füllen morgens ein leeres Whiteboard mit einem Stundenplan für den Tag. Da können Themen vorgeschlagen werden und die Gruppe entscheidet dann, welche Themen umgesetzt werden. Also ganz einfach: Wenn es noch andere Interessierte an dem Thema gibt, wird es gemacht. Letztes Mal war das Thema Altersarmut so beliebt, dass es sogar zwei Sessions dazu gab. Ich überlege dieses Mal, was zur Europawahl 2019 zu machen. Die Themen sind so vielfältig wie die Teilnehmerinnen.

FINK: Ihr schreibt auf eurer Website, dass ihr „für eine Welt ohne Sexismus, sexualisierte Gewalt und Rassismus“ seid – das ist ja ein riesiger Themenkomplex, sollte man sich nicht kleinere Ziele setzen?

Otto: Es gibt diesen schönen Spruch: „I‘m not free until all of my sisters are free“. Es muss so breit gefasst sein, denn ansonsten gehen wir nur den halben Weg. Erst wenn das alles nicht mehr existiert, sind wir in der Welt angekommen, in der wir eigentlich leben wollen. Wir verlieren uns in Diskussionen, für was genau wir denn jetzt sind. Wenn wir uns einfach alle darauf einigen würden, dass Feminismus Gleichberechtigung für alle Menschen ist, wären wir soviel stärker.

Vorheriger ArtikelAuf diesen Straßen gilt das neue Tempolimit
Nächster ArtikelMesserstecher von Barmbek gesteht
Pia Siber, Jahrgang 1992, hat schon einmal einem Huhn das Radfahren beigebracht. Geboren ist sie in Bremen, aufgewachsen aber auf dem Dorf. Ihre Schule ging pleite, aufs Abitur hat sie sich deshalb zu Hause vorbereitet. In Bremen hat sie Politikwissenschaft studiert, machte währenddessen PR für ein Wissenschaftskolleg und arbeitete für die „taz“, Radio Bremen und „Bento“. Ihr größtes Opfer: Nachdem sie einen Bulli ein halbes Jahr lang zum mobilen Heim ausgebaut hatte, entließ sie ihre Hündin Nala damit hinaus in die Welt – in menschlicher Begleitung. Jetzt wohnt sie in einer WG in Hamburgs Dorf: Altona. Vielleicht findet Pia hier endlich Zeit zum Akkordeonspielen oder zum Boxen. Priorität hat aber erstmal die Suche nach den besten Pommes der Stadt. Kürzel: ps
Amelie Rolfs, Jahrgang 1993, hat eine genaue Vorstellung vom perfekten Sonntag: Frühstück in einem der besten Cafés Hamburgs und anschließend auf dem Flohmarkt nach alten Schallplatten stöbern. Ihre Bachelorarbeit hat sie in Politikwissenschaften über feministische Instagrammerinnen geschrieben und zuvor beim Kindermagazin „Dein Spiegel“ gelernt, wie man Dinge einfach erklärt. Bei "stern.de" schrieb sie über Themen aus Frankreich und den USA. Außerdem organisierte sie beim NDR die Sendung „Wahlarena“ zur Bundestagswahl 2017 mit – und machte dabei natürlich ein Selfie mit Martin Schulz. Angela Merkel war zu gut abgeschirmt. Kürzel: ar