Ari Pulkkinen hat zahlreiche Kompositionen für Videospiele geschrieben und ist Gründer von Aritunes, einer finnischen Musikproduktionsfirma. Im Rahmen des „Klingt gut!“-Symposiums erklärte er, wie man erfolgreich in der Gaming-Branche arbeitet.

FINK.HAMBURG: Die Musik von Videospielen ist vielen Leuten bekannt. Allerdings wissen sie oft nicht, wer sie komponiert hat. Stört dich das?

Ari Pulkkinen: Auf der Straße bin ich noch nicht bekannt und das ist auch gut so. Ich wollte nie ein weltberühmter Star werden. Die Gaming-Branche weiß aber mittlerweile, wer ich bin und die Leute sprechen mich an. Das hilft mir, ein großes Netzwerk aufzubauen.

Dein Lebenslauf wird häufig darauf reduziert, dass du den Soundtrack zum Smartphone-Game „Angry Birds“ geschrieben hast. Macht dich das „angry“?

Ari Pulkkinen sitzt konzentriert vor seinem Laptop.
Ari Pulkkinen zeigt seine Kompositionen. Foto: Ted Koob

Ich hatte eine Zeit lang eine „Angry-Birds-Depression“, da ging es mir nicht so gut. Aus diesem Loch habe ich mich aber befreit. Mittlerweile finde ich es schön, dass Eltern mich ansprechen und mir sagen, dass ihre Kinder beginnen möchten, ein Instrument zu spielen. Kinder wollen nicht unbedingt mit Bach anfangen. Wenn der Soundtrack die Menschen dazu inspiriert, sich der Musik zuzuwenden, ist das eine Genugtuung für mich.

Außerdem hat das renommierte London Philharmonic Orchester (LPO) die Titelmusik bereits vertont. Hat dich das gefreut?

Ich war begeistert und habe ohne Zögern zugesagt, als die Anfrage kam (lacht). Ich hätte nicht nein sagen können.

Wie verlief die Zusammenarbeit?

Bei der Anfrage wollte das Management wissen, ob die Musik fürs Orchester arrangiert werden kann. Besondere Anweisungen habe ich dem Arrangeur aber nicht gegeben. Ich habe geantwortet: Ihr seid das LPO, ihr könnt machen, was ihr wollt. Es wird fantastisch klingen.

Wie unterscheidet sich das Komponieren für Videospiele vom herkömmlichen Komponieren?

Bei Videospielen muss man sich in die Atmosphäre hineinfühlen. Außerdem sollte die Musik zur Kulisse und zum Gameplay passen. Trotzdem versuche ich immer, meine eigene Kreativität einzubringen und mich nicht an ein starres Schema zu halten. Manchmal kann ich Lyrics einbauen. Ich versuche pro Spiel auch immer einen Titel zu komponieren, der Mainstream ist. Ziel ist es, einen Hit in den Charts zu landen.

Was ist die größte Schwierigkeit, wenn du ein neues Projekt beginnst?

Das Konzept des Spieles so zu verstehen, dass meine Musik dazu passt. Die Leute der Spieleindustrie wissen aber mittlerweile, wie sie mir ihr Projekt erklären sollen. Damit ich mit meiner Arbeit beginnen kann, brauche ich Beispiele, in welche Richtung die Vorstellung der Entwickler geht. Wenn ich 70 Prozent der Informationen über das Spiel bekomme, kann ich mir eine Zusammenarbeit vorstellen.

Das heißt, du hast von Beginn an eine klare Vorstellung, wie die Musik sein soll?

Ari Pulkkinen vermittelt sein Wissen mit Leidenschaft.
Ari Pulkkinen weiß meistens von Beginn an, wie die Musik klingen soll. Foto: Ted Koob

Wenn ich das Konzept verstanden habe, mache ich eine erste Demo-Version. Bei größeren Projekten kannst du aber nicht immer sofort den Titelsong komponieren, weil du vielleicht nicht alle Elemente des Spiels kennst. Aber ich weiß von Beginn an, welches Element ich unbedingt in die Musik einbringen will.

Zum Beispiel?

Es kann ein spezifischer Ingame-Titel sein, also ein bestimmter Musiktitel in dem Spiel. Es können aber auch Elemente sein, die die Atmosphäre beschreiben. Auch kurze Schnipsel eines bestimmten Soundeffekts können die Musik eines Spiels prägen.

Bist du frei beim Komponieren oder geben die Entwickler des Spiels genau vor, was sie haben möchten?

Die Demo erstell ich komplett nach meinen Vorstellungen, erst dann gibt mir der Creative Director Feedback. Meistens muss ich dann nur Kleinigkeiten verändern. Trotzdem sind diese Informationen wichtig: Sie helfen mir, noch einmal die Grundstimmung und -atmosphäre zu verstehen. Den kompletten Soundtrack beende ich erst nach dem Feedback.

Wo findest du deine Inspiration?

Ich habe eine Blockhütte an einem See in Finnland, dort verbringe ich meine Sommer. Ich komponiere generell nur bei schlechtem Wetter. Bei gutem Wetter genieße ich den Sommer in der Natur. Außerdem reise ich gerne und lerne neue Kulturen kennen. Ansonsten geben mir auch meine beiden Söhne viel Kraft. Ihre Energie überträgt sich auf meine Arbeitsweise.

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Ted Koob, Jahrgang 1991, ist ein Kind Europas: Mit acht Jahren nahm der Luxemburger am Gesangswettbewerb „Zecchino d’Oro“ im italienischen TV teil. Außerdem spricht er luxemburgisch, deutsch, französisch, englisch und italienisch und hat in Belgien Musik studiert. Ted ist nicht nur ein Sprach-, sondern auch ein musikalisches Talent (Geige, Schlagzeug, Klavier). Deswegen arbeitete er nach dem Studium zunächst als Musiklehrer, entdeckte dann aber den Journalismus für sich. Ein zweites Bachelorstudium in Journalistik sowie Praxiserfahrung beim „Luxemburger Tageblatt“, dem ZDF und „11 Freunde“ bestärkten ihn im Berufswunsch. Nach der Arbeit lässt er den Tag gerne auf dem Rasen ausklingen und kickt in einer Hobby-Mannschaft. tek