Erzbischof Stefan Heße in Hamburg spricht sich gegen Rettung von Schulen aus.
Erzbischof Stefan Heße spricht sich gegen Verhandlungen mit der Hamburger Schulgenossenschaft aus. Foto: Erzbistum Hamburg/K. Erbe

Der Erzbischof Stefan Heße hat die Gespräche um die Rettung der 21 katholischen Schulen in Hamburg für beendet erklärt. Auch die Schulleitungen hatten sich am Donnerstag gegen weitere Verhandlungen ausgesprochen.

Das Erzbistum Hamburg plagen Haushaltssorgen. Deswegen wurde im Januar angekündigt, dass 21 katholische Schulen in der Hansestadt geschlossen werden sollen. Nach Protesten von Eltern und Schülern gab es zunächst eine überraschende Wendung: In einem Pilotprojekt sollten vier Schulen in Harburg gemeinsam mit der Initiative Hamburger Schulgenossenschaft (HSG) weitergeführt werden. Jetzt folgt die Enttäuschung. Erzbischof Stefan Heße hat nach einem Bericht der „FAZ“ intern mitgeteilt, dass die Gespräche zwischen Erzbistum und der Hamburger Initiative beendet wurden.

Eigentlich wurde erst Ende der kommenden Woche mit einer endgültigen Entscheidung gerechnet, wenn Aussagen aller Beteiligten vorliegen. Sechs Ausschüsse des Erzbistums hatten sich bereits mehrheitlich gegen eine Kooperation entschieden. „Unterm Strich haben die Gremien vor allem die Gefahr gesehen, dass der Sanierungskurs des Erzbistums gefährdet wird, weil durch die Kooperation mit der Schulgenossenschaft erhebliche finanzielle Belastungen auf das Erzbistum zukommen könnten“, so Bistumssprecher Manfred Nielen.

Das letzte Wort bleibt dennoch bei Erzbischof Heße. Dieser fühle sich allerdings an die Entscheidungen der Gremien gebunden, so Bistumssprecher Nielen. Eine endgültige öffentliche Aussage werde er treffen, wenn auch die Ergebnisse aus den schulischen Gremien vorlägen. Am Donnerstag hatten sich auch die Schulleiter sich gegen weitere Kooperationen mit der HSG ausgesprochen. Offen sind nun noch die Stimmen der Mitarbeiter-, Eltern- und Schülervertretungen.

Reaktionen auf ein absehbares Nein

Bis Anfang Juli wollten sich Erzbistum und Hamburger Schulgenossenschaft auf einen Plan zur Rettung der Schulen einigen. Vergangenen Sonntag hat die HSG einen Plan zur Rettung der Schulen vorgelegt. In diesem Plan waren Stellungnahmen aus wirtschaftlicher, rechtlicher und schulischer Perspektive zusammengestellt. Stark kritisiert wurde dieser Vorschlag von der zentralen Verwaltungseinheit des Erzbischofs, die den Vorschlag in einem 17-seitigen Schreiben als „nicht plausibel und nicht prüffähig“ bezeichnen. Sie warfen der Initiative „Trickserei“ vor und sprachen ein fast schon vernichtendes Urteil für das Vorhaben.

Marie-Theres Kastner, die Bundesvorsitzende der Katholischen Elternschaft Deutschlands (KED), kritisiert das vorzeitige Ende der Gespräche: „Verhandlungen sind dazu da, Kompromisse zu finden. Wer nicht über die Zukunft der katholischen Schulen verhandeln will, der will keine Zukunft für die katholische Kirche in Hamburg.“

Die HSG hatte sich nach den Aussagen von Erzbischof Heße bereits auf ein Ende der Verhandlungen eingestellt und ihre förmliche Gründung, die für heute angesetzt war, abgesagt. Auch eine Versammlung für interessierte Lehrer, Eltern und Schüler, die über den aktuellen Stand der Gespräche auf dem Laufenden gehalten werden, wurde abgesagt.

Ob es weitere Verhandlungen oder Gespräche geben wird, entscheidet sich Ende nächster Woche mit der finalen Aussage des Erzbischofs.

dpa/mrk