Vorstellung der HAW-Apps
Am Berliner Tor präsentieren die Studierenden ihre Apps. Foto: Björn Rohwer

Reiseführer, Video-Dating und Schichtpläne für Schauspieler: Studierende der HAW haben in einem Semesterprojekt eigene Apps entwickelt. Was die HAW-Apps können und was jetzt mit ihnen passiert, verraten uns drei Gruppen im Interview.

Auch die HAW spielt im App-Business mit: Zwölf Gruppen Studierende der Bachelorstudiengänge Angewandte Informatik und Wirtschaftsinformatik entwickelten ein Semester lang ihre eigenen Apps.

Die HAW-Apps, die teilweise in Kooperation mit Unternehmen entwickelt wurden, stellten die Projektgruppen am Montag, den 25. Juni auf einer Messe an der HAW vor. Betreut wurden die Projekte von Prof. Dr. Stefan Sarstedt, Professor für Software-Engineering und Software-Architektur und Prof. Dr. Ulrike Steffens, Professorin für Informatik an der HAW. Dabei geht es in erster Linie darum, die Lerninhalte der Vorlesungen praktisch anzuwenden und so besser zu verstehen. „Ziel ist vordergründig nicht, umfangreiche und perfekt ausgefeilte Apps zu entwickeln, sondern die Lehrinhalte an praktischen Projekten zu üben“, so Sarstedt. „Man sieht total unterschiedliche Ideen, von Spielen bis zu wirtschaftlich verwertbaren Apps. Auch in der Umsetzung hatten die Studierenden viele Freiheiten. Die Idee von den Veranstaltungen ist, das Ganze zu begleiten und die Vorlesungsthemen dabei einfließen zu lassen und zu coachen.“

Auf der Messe am Campus Berliner Tor kamen auch Firmenkontakte und Headhunter und schauten sich die Apps der Nachwuchs-Programmierer an. Sarstedt ist mit den Ergebnissen sehr zufrieden und ermutigt die Studierenden nun, die Apps weiterzuentwickeln und zu veröffentlichen. FINK.HAMBURG traf drei Gruppen und ließ sich ihre Apps erklären.

Spots – Community-Reiseführer mit ein bisschen Geocaching

Was kann die App?

Mit „Spots“ können Nutzer ihre Stadt erkunden, ohne auf typische Touristentouren gehen zu müssen. Anders als bei einem klassischen Reiseführer, lebt unsere App von Insidertipps und Routen, die sich die User selbst ausdenken und dann anderen zur Verfügung stellen. „Spots“ erinnert etwas an das bekannte „Geocaching“, bei dem sich Nutzer auf eine GPS-Schnitzeljagd begeben, dessen Ziel es ist, versteckte Behälter mit einem Logbuch zu finden. Spots-Nutzer suchen jedoch keine kleinen Dosen. Stattdessen erhalten sie über die App interessante Informationen zum jeweiligen Ort oder müssen Aufgaben bewältigen, um den nächsten Routenpunkt freizuschalten. Thematisch sind Orten und Routen keine Grenzen gesetzt.

Noch ist unsere App nicht vollständig entwickelt. Deshalb gibt es bislang nur eine Demoroute und auch keine Nutzerprofile.

Wie kam es zu der Idee?

Zwei von uns sind erst vor Kurzem nach Hamburg gezogen. Wir wollten die Stadt auf authentische Weise kennenlernen und haben dann gemerkt, dass es dafür keine App-Angebote gab, die unseren Vorstellungen entsprachen. Das möchten wir mit „Spots“ ändern.

Welche Herausforderungen gab es?

Wir hatten vor allem mit unserem Zeitmanagement zu kämpfen. Das Projekt nahm und nimmt immer noch viel Zeit in Anspruch – andere Veranstaltungen in der Uni konnten wir aber auch nicht vernachlässigen. Außerdem kam jeder mit unterschiedlichen Fähigkeiten in das Projekt. Damit jeder effektiv einen Teil beitragen konnte, mussten wir uns als Team erstmal einspielen.

Was kommt noch?

Erstmal soll die App weiterentwickelt werden, bis sie alle geplanten Features enthält. Ob das in einem weiteren Hochschulprojekt geschehen wird oder privat, wissen wir noch nicht. Einen Partner für die App gibt es bislang leider nicht.

Ovid – Changing Love One Video At A Time

Was kann die App?

Ovid ist eine videobasierte Dating-App. Das Problem von bestehenden Dating-Apps ist, dass du alles faken kannst – wir glauben, dass das Format Video gut ist, um den echten Menschen zu zeigen. Besonders wichtig ist dafür, dass man die Fragen spontan bekommt. Du kannst Fragen nicht wie bei anderen Apps erstmal durchlesen und dich drauf vorbereiten. Sobald man Play drückt, wird die Frage angezeigt und man muss direkt antworten.

Aus solchen Videos besteht das Profil – später soll es dann einen Videochat geben. Aber das ist sozusagen das nächste Level, das wir noch einbinden müssen. Die Idee ist, dass man sagen kann, wenn man jemanden interessant findet. Dann trifft man sich im Videochat. Erstes Date, aber digital.

Wie kam es zu der Idee?

Wir haben geguckt, was es auf dem Markt gibt, bei dem wir ein bisschen frustriert sind. Ich finde, wenn man eine Dating-App benutzt hat, merkt man, dass ziemlich viel fake ist.

Welche Herausforderungen gab es?

Wir haben eine für uns vollkommen neue Programmiersprache benutzt – und wir mussten die Absprache erst einmal lernen. Wir sind ja keine Profis darin, ein ordentliches Projekt zu managen. Am Anfang gab es ziemlich viele Kommunikationsprobleme. Man hat dann etwas doppelt gemacht hat oder Dinge falsch verstanden. Mittlerweile klappt es aber auch mit der Projektorganisation.

Was kommt noch?

Es soll auf jeden Fall einen Prototypen geben. Wir als Team müssen aber das weitere Vorgehen natürlich an den Workload der kommenden Semester anpassen, aber wir stehen alle hinter der Idee und haben Lust, das Projekt noch weiterzuführen. Und wir sind offen für Menschen, die sich gerne beteiligen möchten.

Thalia.Cloud – Eine App für das Thalia Theater

Was kann die App?

Bisher ist es beim Thalia Theater so: Ein Mitarbeiter erstellt einen Plan für die Schauspieler, den druckt er dann entweder aus oder verschickt ihn in 12 einzelnen SMS. Schauspieler, die abends nicht arbeiten, rufen teilweise den Pförtner an, damit er für sie auf die ausgedruckten Pläne schaut. Mit unserer App sollen die Informationenen für die Schauspieler einfacher und schneller erstellt und kommuniziert werden.
Thalia.Cloud besteht aus drei Teilen, einer Cloud, einem Chat und unserer HAW–Anwendung. In der Cloud können Bilder und Videos sicher geteilt werden und man kann gleichzeitig Dokumente bearbeiten, im Chat können alle sicher miteinander kommunzieren. Unsere HAW-Anwendung bietet die Funktion, Dienstpläne zu erstellen und schnell zu teilen.

Wie kam es zu der Idee?

Einer aus unserer Gruppe hat von Schauspielern am Thalia von diesem Problem erfahren. Wir haben dann gemeinsam begonnen, nach Lösungen zu suchen.

Welche Herausforderungen gab es?

Für die Entwicklung unserer App war es total wichtig, viel mit den Mitarbeitern und Schauspielern zu kommunizieren. Wir haben stundenlang über Features und Notwendigkeiten diskutiert. Das hat ganz schön lange gedauert, hat sich aber gelohnt.

Was kommt noch?

Wir sind weiterhin im Gespräch mit dem Thalia Theater und hoffen, dass unsere App im Alltagsgeschäft dort implementiert werden wird.

Vorheriger ArtikelEin bisschen Portugal in Hamburg
Nächster ArtikelRegelstudienzeit: Kann man das schaffen?
Paula Loske-Burkhardt, Jahrgang 1995, dippt gerne italienische Pizza in Apfelmus. Bislang war PR ihr Spezialgebiet: Ihren Bachelor in Öffentlichkeitsarbeit und Unternehmenskommunikation machte sie an der FH Kiel. Während des Studiums hat sie bei einer Fluggesellschaft und in der Pressestelle der Hochschule gearbeitet. Der höchste Berg, den sie je bestiegen hat, ist über 4000 Meter hoch und steht auf Borneo, jedes Jahr wandert und klettert sie in den Alpen. Sie hat ein Jahr in Brasilien gelebt und reist auch sonst gern durch Lateinamerika. Unterwegs übernachtet sie auf den Couches von Fremden. In Griechenland hat sie drei Tage bei einer 90-Jährigen und deren Sohn gewohnt, obwohl sie sich mit beiden rein gar nicht verständigen konnte. Immerhin musste sie so nicht am Strand schlafen. pal
Björn Rohwer, Jahrgang 1993, liebt drei Dinge: Sport, Musik und Technik. Während er beim Sport lieber zuschaut, ist er bei der Musik mit vollem Einsatz dabei. Seit seinem sechsten Lebensjahr singt der studierte Musikwissenschaftler im Knabenchor, spielt Klavier, Saxophon und Klarinette. Zum Journalismus hat ihn seine dritte Leidenschaft gebracht: die Technik. Für verschiedene Gamingformate rezensiert er Videospiele, führt Interviews und verfasst Hintergrundberichte. In seinem 2014 erschienenen Buch „Unnützes Wissen für Gamer“ gibt er die Antwort darauf, warum Super Mario einen Schnauzbart trägt oder wieso Lara Croft eine große Oberweite hat. Das Buch hat er während eines Kreuzbandrisses geschrieben, den er sich beim Schulsport zuzog. Das Ende der Sportlerkarriere war der Anfang des Schreibens. Kürzel: bro
Hannah Lesch, Jahrgang 1994, überlebte bereits Wildwasser-Rafting mit Krokodilen in Namibia. Dort hat sie auch Bogenschießen gelernt. Nach dem Bachelor im Wissenschaftsjournalismus ging sie für ein Freiwilliges Soziales Jahr nach Afrika, um für die „Deutsche Welle Akademie“ Trainings für Medienschaffende anzubieten. Nebenbei organisierte sie ein Festival, bei dem in 48 Stunden Filme produziert wurden. Wissenschaftsjournalistin möchte sie werden, seit sie bei „Jugend forscht“ einen Preis gewonnen hat. Dafür kartierte sie Mauereidechsen. Und nein, mit Harald Lesch ist sie nicht verwandt. Ihren Namensvetter und ihr Idol würde sie trotzdem gerne mal treffen. Immerhin: Seine Gehaltsabrechnung wurde ihr beim Praktikum beim „Bayerischen Rundfunk“ aus Versehen zugestellt. Geöffnet hat sie diese aber nicht. Kürzel: hl
Als Fitnesstrainerin spornt Thoya Maria Urbach, Jahrgang 1994, mehrmals in der Woche bis zu 30 Leute zu Höchstleistungen an. Studiert hat sie Kulturwissenschaften in Lüneburg und Barcelona und dabei das Schreiben für sich entdeckt. Bei der „Brigitte“ hospitierte sie in der Onlineredaktion. Während eines Praktikums in der Unternehmenskommunikation bei Deutschlands größter Containerreederei faszinierte sie die Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen aus der ganzen Welt. Die Hamburgerin schippert in ihrer Freizeit gerne mit der Fähre über die Elbe, ist aber auch in anderen Städten unterwegs – etwa in St. Petersburg. Denn etwas Russisch kann sie auch. Kürzel: tmu