Lisa Hamid in einem weißen T-Shirt von Superelevant, Foto: Paula Loske-
Lisa Hamid in einem T-Shirt von Superelevant, Foto: Paula Loske-Burkhardt

Fünf Studierende haben die Marke Superelevant für nachhaltige Streetstyle-Mode gegründet. Besonders wichtig ist ihnen, transparent zu produzieren. Ihr Weg führt sie dabei nach Portugal, Hamburg und Indonesien. Lisa Hamid erzählt ihre Geschichte.

Nur elf Prozent der Deutschen zwischen 14 und 34 Jahren achten auf faire Herstellung, wenn sie Kleidung kaufen. Das hat das Insititut appinio 2018 bei einer Befragung von 1.000 Millenials zu ihrem Umgang mit Mode herausgefunden. Fast allen hingegen ist es wichtig, wie Kleidung aussieht und wie viel sie kostet. Genau dort setzt das Startup an: Fünf Studierende entwerfen Mode im angesagten Streetwear-Design, die unter fairen Bedingungen produziert werden. Eine von ihnen ist die 21-jährige Lisa Hamid.

Lisa Hamid trägt selber gar keine Beutel, erzählt sie. Umso wichtiger war ihr beim Design des Gymbags, dass er bequem und stabil ist.
Lisa Hamid trägt selber gar keine Beutel, erzählt sie. Umso wichtiger war ihr beim Design des Gymbags, dass er bequem und stabil ist. Foto: Paula Loske-Burkhardt

FINK.HAMBURG: Wie hat alles angefangen?

Lisa Hamid: Vor zwei Jahren habe ich begonnen selber zu nähen. Mir hat daran gefallen, dass ich so klar nachvollziehen konnte, wo das Produkt herkommt und wer es gemacht hat. Mit Freunden sind wir damals auf die Idee gekommen, dass es toll wäre, ein eigenes Mode-Unternehmen zu gründen, das faire Mode für junge Menschen anbietet. Teil unserer Idee war von Anfang an, dass wir auch die Transparenz gewährleisten, die wir bei anderen Marken vermissen.

Wer steckt hinter der Marke?

Wir haben damals zu fünft gegründet – jeder von uns übernimmt andere Aufgaben: Inga und ich studieren an der HAW Hamburg Marketing und Technische Betriebswirtschaftslehre. Inga kümmert sich um rechtliche Angelegenheiten und die Buchhaltung. Ich bin im Moment der Allrounder und springe überall ein. Das heißt zum Beispiel, dass ich im Moment auch die Produkte mache: Ich erstelle unsere Rohlinge, die wir dann an die Näherei als Vorlage weitergeben. Auch die anderen studieren noch in Hamburg und kümmern sich neben der Uni um unser Marketing oder arbeiten an neuen Designs.

Auf eurer Website betont ihr immer wieder, wie wichtig euch eure Philosophie ist. Ihr wollt ehrlich sowie transparent sein und dabei qualitativ hochwertige, fair produzierte und bezahlbare Mode machen. Wie könnt ihr das umsetzen?

Momentan läuft unsere Crowdfunding-Kampagne – um unsere Philosophie stärker ausbauen zu können, brauchen wir mehr Kapital. Durch das Geld aus der Crowdfunding-Kampagne wollen wir sicherstellen, dass wir unsere Grundsätze erfüllen können. Mit mehr Kapital könnten wir unsere Stoffe direkt vom Zulieferer kaufen. Wir versuchen, so nah wie möglich an den Ursprung der Stoffe zu kommen. Das geht aber nur ab bestimmten Mengen. Bisher wissen wir nur, wo unsere Produkte hergestellt werden und können die Herkunft der Stoffe durch Siegel und Zertifizierungen einschätzen.

Neben Gymbags bringt das Label bald auch T-Shirts heraus. Den Gründern ist es wichtig, im Hinblick auf Kosten und Herstellung transparent zu sein. Grafik: Superelevant

Wo und wie werden eure Produkte aktuell hergestellt?

Unsere Beutel produzieren wir in einer kleinen Näherei in Hamburg. Der Korkstoff für den Boden kommt aus Portugal. Die Hoodies und Shirts werden in Indonesien genäht und produziert, weil auch die Baumwolle aus Asien kommt. Wir verfolgen generell das Konzept, dass wir unsere Sachen entweder da herstellen, wo der Rohstoff herkommt oder in Hamburg, wo wir sitzen. Mit der Crowdfunding-Kampagne wollen wir die ersten T-Shirts und Hoodies machen. Wir arbeiten in Indonesien nicht mit einer großen Firma zusammen, sondern mit einer kleinen Schneiderei, der wir auch eine langfristige Zusammenarbeit gewährleisten wollen. Ich bin selber in Indonesien aufgewachsen und habe dadurch Kontakte vor Ort. Geplant ist, dass wir künftig regelmäßig dorthin reisen, um sicherzustellen, dass unsere Standards eingehalten werden.

Welchen Herausforderungen begegnet ihr?

Da gibt es ganz viele. In der Theorie haben wir im Department Wirtschaft mal gelernt, wie es ist, wenn man ein Unternehmen gründet oder irgendwo arbeitet. Aber als studentisches Startup ist dann doch alles ganz anders, als geplant oder erwartet. Wir brauchen alle noch einen Job neben dem Projekt. Das laugt einen ganz schön aus. An besonders stressigen Tagen fragt man sich schon: Wieso haben wir uns das ausgesucht? Auf der anderen Seite gibt es aber auch immer wieder Momente, in denen Menschen auf uns zukommen uns sagen, dass sie es total cool finden, dass wir den Mut haben, das so jung zu machen. Oder, dass sie sich in das Design unserer Sachen verliebt haben.

Fair Fashion liegt im Trend. Angefangen habt ihr mit Beuteln, jetzt kommen auch T-Shirts und Hoodies dazu. Wie soll es weitergehen?

Es wäre ein Traum, wenn man irgendwann ein ganzes Outfit von Superelevant kaufen kann. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Deswegen konzentrieren wir uns jetzt erstmal auf die richtige Richtung.

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Hannah Lesch, Jahrgang 1994, überlebte bereits Wildwasser-Rafting mit Krokodilen in Namibia. Dort hat sie auch Bogenschießen gelernt. Nach dem Bachelor im Wissenschaftsjournalismus ging sie für ein Freiwilliges Soziales Jahr nach Afrika, um für die „Deutsche Welle Akademie“ Trainings für Medienschaffende anzubieten. Nebenbei organisierte sie ein Festival, bei dem in 48 Stunden Filme produziert wurden. Wissenschaftsjournalistin möchte sie werden, seit sie bei „Jugend forscht“ einen Preis gewonnen hat. Dafür kartierte sie Mauereidechsen. Und nein, mit Harald Lesch ist sie nicht verwandt. Ihren Namensvetter und ihr Idol würde sie trotzdem gerne mal treffen. Immerhin: Seine Gehaltsabrechnung wurde ihr beim Praktikum beim „Bayerischen Rundfunk“ aus Versehen zugestellt. Geöffnet hat sie diese aber nicht. Kürzel: hl