Künstlerische Auseinandersetzung mit der Kolonialgeschichte Deutschlands: Der Fotograf Marc Erwin Babej erinnert mit „Unser Afrika“ an den Völkermord der Herero und Nama.

Völkermord in Namibia

Etwa 80.000 Menschen wurden Anfang des 20. Jahrhunderts in Namibia umgebracht. Die deutsche Kolonialmacht schlug einen Aufstand der Herero und Nama nieder, massakrierte die Ureinwohner. Der Völkermord ist in den Geschichtsbüchern hierzulande kaum ein Thema. Die Ausstellung „Unser Afrika“ des deutsch-amerikanischen Fotografen Marc Erwin Babej beleuchtet nun dieses dunkle Kapitel, reflektiert es auf kritische Art und Weise. Auf den Schwarz-Weiß-Fotografien geht es jedoch nicht um die Opfer, sondern vor allem um die Täter: die Kolonialisten.

Schwarze Kolonialistinnen

Vier Säulen mit jeweils fünf Fotografien wurden in der Hamburger Rathausdiele aufgestellt. Die Säulen greifen verschiedene Themen der Kolonialisierung auf: die Eroberer, die Nachwirkungen, die Damen und Engelchen.

Damen und Engelchen
In der Reihe „Die Damen“ werden deutsche Frauen als Kulturträgerinnen gegen eine Rassenvermischung dargestellt. Die Säule „Engelchen“ thematisiert den Aufbruch des Kolonialsimus und die Utopie des Todestriebs.

Auf den inszenierten Fotografien von Marc Erwin Babej sind schwarze und weiße Frauen zu sehen. Sie wechseln in ihren Rollen: Mal sind sie Täterinnen, mal Opfer. Beispielsweise vermisst eine schwarze Frau in traditioneller Kleidung den Kopf einer weißen Frau, die ein modernes Feinrippunterhemd trägt.

Diese Motive haben historisch nie existiert. Der ungewohnte Perspektivwechsel funktioniert jedoch sehr gut. Die unterbelichteten Bilder kreieren eine düstere Atmosphäre. Die Fotos wurden in Namibia aufgenommen. Die vier jungen weißen Frauen, die für viele der Bilder posierten, sind mitgereiste Studentinnen.

Unter den Bildern hält der 48-jährige Fotograf die grausamen Intentionen der Kolonialisten in Texten fest. Hierfür zitiert er bedeutsame Politiker wie den ehemaligen US-amerikanischen Präsidenten Theodore Roosevelt und andere historische Personen wie den deutschen Publizisten Heinrich von Treitschke.

Hamburgs Kolonialgeschichte

Der Hamburger Senat hat im Juli 2014 eine Aufarbeitung der kolonialen Geschichte gefordert. Weitere Veranstaltungen wie der „Africa Day“ erinnern an die Kolonialgeschichte der Hansestadt.

Die Ausstellung wird noch bis zum 13. Juli in der Rathausdiele am Rathausmarkt 1 gezeigt. Der Eintritt ist frei.