Die Triennale der Photographie gehört zu den größten und bekanntesten Fotoausstellungen in Deutschland. In diesem Jahr stellen auch sechs HAW-Studierende dort ihre Arbeiten aus. FINK.HAMBURG hat eine von ihnen getroffen.

Eigentlich sollte es nur eine Studienarbeit werden – jetzt sehen sie Tausende von Menschen: Teresa Pistorius und Marie Hoffmann gehören zu den sechs Studierenden der HAW, die ihre Fotoprojekte auf der Triennale der Photographie präsentieren dürfen. Was als Hochschulprojekt zum Thema „Behausungen“ begann, ist nun monatelang im Museum ausgestellt. Ein Gespräch mit Marie Hoffmann über Teamarbeit beim Fotografieren, die Macht von Licht und Überraschungsmomente bei Ausstellungseröffnungen.

FINK.HAMBURG: Die Triennale der Photographie ist eine der bekanntesten Ausstellungen für Fotografie in Deutschland – und ihr seid mit eurem Projekt „350 Lumen“ mit dabei. Was war das für ein Gefühl, als ihr eure Bilder zum ersten Mal im Museum gesehen habt?

Marie Hoffmann: Ich habe mir da im Vorhinein nicht so viele Gedanken drüber gemacht. Ich wusste schon, was die Triennale ist. Aber sie findet nur alle drei Jahre statt – beim letzten Mal war ich gerade nach Hamburg gezogen und habe sie nicht so richtig mitbekommen. Diesmal habe ich erst bei der Eröffnung richtig gemerkt, was das für ein riesiges Event ist. Da waren viel mehr Leute und es gab viel mehr Reden als auf irgendeiner Absolventenausstellung. Das ist komplett neu für uns. Sonst macht man halt mal eine Ausstellung nur über das Wochenende – jetzt hängen unsere Bilder einfach mal drei Monate aus und das auch nicht irgendwo, sondern in einem öffentlichen Museum. Das ist eine große Chance.

Teresa Pistorius (l.), Marie Hoffmann (r.)
Foto: Privat

Das Team: Marie Hoffmann ( r.), 27, hat die Leidenschaft fürs Fotografieren erst im Studium entwickelt. Zusammen mit ihrer Projektpartnerin Teresa Pistorius (l.) , 26, hat sie gerade ihren Bachelor an der HAW mit Schwerpunkt auf Fotografie abgeschlossen. Die von Stefan Rahner und Nico Baumgarten kuratierte Gruppenausstellung „Home“, in deren Rahmen das Projekt der beiden Fotografinnen ausgestellt ist, ist noch bis zum 26. August in den Pavillons der Triennale sowie im Altonaer Museum zu sehen. Die Triennale der Photographie läuft in Teilen noch bis Ende September.

Eine Chance für gleich zwei junge Fotografinnen, denn ihr habt euer Projekt im Team umgesetzt. Wie fotografiert man zu zweit – auf den Auslöser drücken kann schließlich immer nur eine von euch?

Wir wussten auch nicht so richtig, was auf uns zukommt. Wir haben eigentlich recht unterschiedliche Stile. Was wir als Einziges teilen, ist unser großes Bedürfnis, beim Fotografieren zu inszenieren. Ich konzentriere mich vor allem Architekturfotografie, Tess macht viel mehr Selbstporträts und thematisiert die Natur. Wir haben dann beide zusammen die Bilder eingerichtet und uns viel abgewechselt. Wir waren ziemlich überrascht, dass es so gut geklappt hat. In unserer Arbeit kann man, glaube ich, gut eine Schnittstelle erkennen zwischen unseren verschiedenen Sichtweisen und der Art und Weise, wie wir arbeiten.

Auf euren Bildern sieht man unter anderem ein Baumhaus, einen Katzenkorb und ein Aquarium – ein ziemlich weit gefasste Definition eures Oberthemas „Behausungen“. Warum habt ihr diese Motive gewählt?

Wir haben uns überlegt, was der Begriff „Behausung“ eigentlich alles umfasst. Wir wollten nicht nur beim Menschen bleiben, sondern haben uns verschiedene Behausungen überlegt und deswegen auch Behausungen von Tieren und Pflanzen mit einbezogen – wie zum Beispiel das Gewächshaus. Dieser alltägliche Begriff von Behausung wird so aus dem Alltag herausgehoben und von uns inszeniert, dass er etwas Mystisches hat. Als Betrachter überlegt man dann: Was wohnt da drin? Wohnt da überhaupt etwas drin? Und ist das eher ein Ort der Zuflucht oder stellt er etwas Bedrohliches dar?

Zur Inszenierung gehört vor allem das Licht, das bei euren Bildern eine große Rolle spielt. Wie habt ihr das gemacht?

Wir haben jedes Objekt einzeln ausgeleuchtet, was mal schwieriger, mal leichter war. Besonders schwierig war das Aquarium, denn eine von uns musste immer hinter oder in dem Objekt sein, um es auszuleuchten. Eine von uns saß hinter der Kommode. Das war eigentlich kaum machbar, weil da so wenig Platz war, man musste sich richtig reinquetschen. Der Katzenkorb war auch nicht so einfach. Um ihn zu beleuchten, lag eine von uns unter dem Sofa und hat eine Lampe bewegt. Das war so unbequem, da war es dann gut, dass wir zu zweit waren und uns  abwechseln konnten.

Eure Arbeit wird unter dem Motto „Home“ ausgestellt. Das von euch verwendete Licht ist sehr grell, wirkt überhaupt nicht „heimelig“. Habt ihr euch bewusst dafür entschieden?

Es war uns wichtig, dass das Licht neutral ist, also weiß wirkt. Hätte das Licht einen roten oder blauen Stich gehabt, hätte man darin vielleicht etwas anderes sehen können. Wir haben unsere Objekte mit dem gleichen Licht ausgeleuchtet, einer Taschenlampe, die relativ stark ist: Die Lampe hat 350 Lumen [Messeinheit für Lichtstärke, Anm. d. Redaktion] – daher auch der Titel unseres Projekts.

„Das Licht löscht das Innere der Objekte aus“

Das neutral gewählte Licht lässt die Bilder mystisch erscheinen…

Ja, das haben wir bewusst so gemacht. Das Licht ist komplett weiß und löscht das Innere der Objekte fast aus. So lässt die ganze Serie dem Betrachter viel Raum für Interpretation. Es ist ihm selbst überlassen was er sieht oder sehen will.

Die Kooperation: Insgesamt sind Arbeiten von sechs HAW-Studierenden ausgestellt, die im Rahmen von Fotografie-Kursen zum Thema „Haus/Behausung/Obdach“ bei Vincent Kohlbecher und Linn Schröder entstanden sind. Schon vor Beginn der Kurse war klar, dass die Phototriennale-Kuratoren Stefan Rahner und Nico Baumgarten die fertigen Semesterprojekte sichten werden. Die ausstellenden Studierenden sind: Antonio Adam, Signe Heldt, Hasibe Lessmann, Evan Berg, Teresa Pistorius und Marie Hoffmann.

Wie lang hat es gedauert, bis ihr ein Foto im Kasten hattet?

Ganz unterschiedlich. Beim Baumhaus haben wir sogar zwei Tage hintereinander fotografiert, weil es auf dem Land liegt. Wir haben unterschätzt, dass die Dunkelheit dort so schnell und umfassend hereinbricht, so viel stärker als in der Stadt. Da haben wir dann auch am längsten ausleuchten müssen – knapp zwölf Minuten! In den Fotos steckt auch viel Arbeit, die man nicht sieht.

Was zum Beispiel?

Wir haben das Beleuchten bei jedem Foto extra geübt. Wir haben also extra angefangen, bevor es dunkel wird, damit man ein Gefühl dafür bekommt, wo man überall hinleuchten muss. Bei den ersten Fotos testet man viel aus und überlegt sich, wo wie viel Licht Sinn macht. Und dann probiert man es einfach. Manchmal hält man zu lange bei Ecken drauf, die man gar nicht so hell beleuchten möchte, manchmal lässt man Ecken aus. Deswegen ist es mit einmal auf den Auslöser drücken leider nicht getan. Wir haben zum Teil bis drei in der Nacht gearbeitet.

Ist das Projekt mit der Triennale vorbei?

Nein, auf keinen Fall. Die Tierbehausungen, die wir bislang fotografiert haben, sind von Menschen fürs Tier erbaute Behausungen. Wir wollen aber noch natürliche Behausungen von Tieren hinzufügen. Deswegen haben wir erst letztens wieder fotografiert. Wir haben einen hohlen Baum gefunden und abgelichtet. Ein Schneckenhaus steht auch noch auf dem Plan. Und ein Wohnwagen und ein Hausboot würden wir auch gerne noch fotografieren. Es gibt noch so viel mehr Ideen. Wir haben gerade erst angefangen.

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Astrid Benölken, Jahrgang 1993, hat als Kind sogar die Erziehungsratgeber ihrer Eltern gelesen, wenn ihr die Lektüre ausging. Zu ihren Lieblingsbüchern zählen Klassiker von Goethe, aber auch neue Werke, wie die des Nobelpreisträgers Ishiguro. Für ihr Ressortjournalismus-Studium mit Schwerpunkt Kultur zog Astrid aus dem kleinen Ort Seppenrade im Münsterland ins bayerische Ansbach. Nach dem Studium reiste sie mit dem Rucksack durch Südamerika, Osteuropa und Indien. Als Journalistin hat sie schon für die „Westfälischen Nachrichten“, „Faz.net“, den „Bayerischen Rundfunk“ und die „Süddeutsche Zeitung“ gearbeitet – am liebsten zu Kulturthemen.

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