Wie viele Kola-Weizen muss ich trinken, um meinen Handy-Akku aufzuladen? Was hat Frankenstein mit Elektroautos zu tun? Wieso ist einem Eisbär immer warm? Acht WissenschaftlerInnen gaben beim Research Ride Antworten auf diese Fragen.

Einsteigen bitte! Am Freitag startete die U3 am Schlump zum Research Ride. Im umgebauten U-Bahn-Waggon hingen zwei große Bildschirme und Lautsprecher. Auch anders als sonst: Jeder Fahrgast bekam eine Limo in die Hand gedrückt und beobachtete die Science Slammer, die hinten im Abteil saßen und darauf warteten, dem Publikum ihre wissenschaftlichen Thesen näherzubringen.

Das Format war Teil der zehnten Hamburger Klimawoche. Während der 45 Minuten langen Fahrt auf der Ringstrecke stellten angehende und etablierte WissenschaftlerInnen ihre Forschungsergebnisse zu skurril anmutenden Fragen vor. Die Themen Nachhaltigkeit und Klima standen dabei im Vordergrund.

Maxi Frei während ihres Vortrags in der U3.
Maxi Frei beim Research Ride. Foto: Björn Rohwer

Mit Kola-Weizen das Handy aufladen?

Zuerst griff Maxi Frei aus Freiburg zum Mikrofon und sprach über „Das Diät-Gerät“. Ihr übergewichtiger Kollege inspirierte die Microsystemtechnickerin zur Erforschung von Biobrennstoffzellen. Er trinke unheimlich gerne Kola-Weizen, wolle aber abnehmen. Die Kalorien, die er mit dem Kola-Weizen aus dem Zucker aufnimmt, wolle er aber nicht durch Sport verbrennen, sondern lieber mit der Energie aus den Getränken sein Handy aufladen.

Maxi Frei baute daraufhin einen Platinschwamm, mit dem man die Energie extrahieren und zum Aufladen von Pauls Handy verwenden könne. Allerdings müsste der dicke Paul, wie die Forscherin den Kollegen nennt, für einen komplett aufgeladenen Akku unzählige Kola-Weizen trinken und würde dadurch auch nicht wirklich abnehmen.

Ganz sinnlos war die Arbeit am Diät-Geträt allerdings nicht: Der Platinschwamm wird zukünftig ein Teil von Herzschrittmachern sein. Durch die Umwandlung von Zucker in elektrische Energie müssen die Geräte nicht mehr in einer OP entfernt und ausgetauscht werden. Dank des Platinschwamms laden sich die Batterien selbst wieder auf.

„In zwei Worten zusammengefasst: Sehr nützlich!“

Research Ride. Foto: Björn Rohwer
Punktevergabe beim Research Ride. Foto: Björn Rohwer

Neben Maxi Frei traten sieben weitere Slammer an. Die Zuschauer vergaben Punkte, die am Ende darüber entscheiden, wer gewinnt. Eine Favoritin war Anastasia August mit ihrem Beitrag „Wärme speichern wie ein Bär“. Unterhaltsam und anschaulich erklärte die promovierte Mathematikerin, wie wir nachhaltig und umweltfreundlich Wärme speichern können – und sprach über Eisbären.

Die Tiere seien nicht wirklich weiß, sondern haben eine schwarze Haut, die die Wärme der Sonnenstrahlen speichere. Durch das weiße Fell werde die thermische Energie, die der Eisbär im Laufe des Tages abstrahle, immer wieder zurückgeleitet. So bleibe er selbst in der Artiks den ganzen Tag schön warm.

Dieses System lasse sich auf die Wärmedämmung von Häusern übertragen. Anastasia August sagte also zurecht am Ende ihres Vortrags: „Ich fasse das Ganze mal in zwei Worten zusammen: Sehr nützlich!“

Nachhaltigkeit und Klimawandel im Blick

Die kurzweiligen Vorträge der Wissenschaftler beschäftigten sich im Kern mit einer ernsten Frage: Wie können wir die Welt besser machen? Die meisten Slammer fanden darauf eine originelle und kreative Antwort – und vor allem ziemlich ungewöhnliche Energiequellen.

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Nadine von Piechowski, Jahrgang 1992, studiert in dem Gebäude, in dem sie geboren wurde: die Finkenau 35, früher eine Geburtsklinik, heute die HAW Hamburg. Bislang hat sie nur nördlich der Elbe gelebt: In Kiel und Kopenhagen studierte sie Geschichte und Archäologie. Nadines ursprünglicher Plan: ein weiblicher Indiana Jones werden. Hut und Peitsche hat sie als Ausrüstung zum Abschluss schon geschenkt bekommen. Trotzdem will sie lieber in den Journalismus. Nadine absolvierte diverse Praktika, etwa in der Pressestelle des Bundes für Natur und Umweltschutz und bei „Radio Hamburg“ in der Redaktion. Beim Helms-Museum in Harburg lektorierte sie einen Ausstellungskatalog. Sie schreibt unter anderem für den Blog „Typisch Hamburch“. In ihrer Freizeit spielt sie Handball und versucht, mit ihrem bienenfreundlichen Balkon die Welt zu retten. Kürzel: nvp