Einmal Superkräfte haben – ganz ohne gescheitertes Laborexperiment oder Spinnenbiss. Beim Michel Kinder- und Jugendfilmfest bastelten Kids eigene Masken und Kostüme. Überraschend: Klassische Superkräfte waren bei ihnen nicht sehr beliebt.  

Inmitten von Papptellern, buntem Krepppapier und Wachsmalern sitzen neun Kinder zwischen sechs und zehn Jahren im Festivalzelt des Filmfest Hamburg. Ein achtjähriger Junge im Karohemd dreht aufgeregt vor den Tischen seine Runden und spekuliert im Selbstgespräch über seine Superheldenpläne: „Black Cat? Ja, das ist ein guter Name! Das wird gut aussehen so in schwarz und auch ein bisschen weiß“, überlegt er laut. Beim Superhelden-Workshop sollen die Kinder nämlich nicht nur auf Vorbilder wie Superman oder Flash zurückgreifen, sondern bewusst eigene Heldenversionen entwickeln. 

Hermann (8) probiert seine Black-Cat-Maske auf dem Superhelden-Workshop auf. Foto: Melina Mork
Hermann (8) probiert seine Black-Cat-Maske auf. Foto: Melina Mork

Die neue Superkraft: Farben riechen 

Die Ideen reichen von Black Cat über Theo Zeitumdreher bis hin zu einer neuen Version von Supergirl. Statt klassischer Superkräfte wünschen sich die Kinder ausgefallenere Begabungen: Ein Mädchen möchte die Kontrolle über Tag und Nacht haben, ein Junge gleichzeitig „zehnhundert Hot Dogs essen“ und Brauntöne riechen können – vielleicht um immer zu wissen, wo die nächste Tafel Schokolade wartet.

Tragische Superheldin 

Beim Superhelden-Workshop, unter anderem organisiert von den HAW Hamburg-Studentinnen Raja von der Osten-Sacken und Sina Öhlenschläger, geht es nicht nur darum, die Kreativität der Kids zu fördern, sondern auch um Offenheit und Verarbeitungsprozesse. Vor der Bastelstunde sah die Gruppe gemeinsam den Michel-Filmpreis-Gewinner „Supa Modo“. In dem Film geht es um die krebskranke Jo, die Superheldin sein möchte und nur noch zwei Monate zu leben hat.

Das ist natürlich keine leichte Kost für die jungen Filmfans. „Deshalb wollen wir, dass die Kinder trotz des schweren Films positiv denken“, sagt Sina Öhlenschläger. Ein Junge habe beispielsweise seine Gefühle in den Farben seiner Maske verarbeitet. „Das war schön zu sehen.“ Auch für Raja von der Osten-Sacken sind Workshops ein wichtiger Teil des Bildungsauftrags: „In unserem Bildungssystem geht es viel um Leistung und nicht um Selbstverwirklichung. So ein Workshop fördert die Fähigkeit, sich nicht an anderen, sondern nur an sich selbst zu messen.“