Agnès Jaoui als Hélène (vorne) und Jean-Pierre Bacri als Castro (hinten) im Film
Agnès Jaoui als Hélène (vorne) und Jean-Pierre Bacri als Castro (hinten) im Film "Champagner & Macarons: Ein unvergessliches Gartenfest". (Filmstill)

Französisches Kino in seiner Reinform – bissig, witzig und voll fein gezeichneter Charaktere. Der Film „Champagner & Macarons“ ist wie ein unvergessliches Gartenfest. Leider versteckt hinter einem schlechten Titel.

Castro ist ein alternder Fernsehstar. Oder eher ein alter Fernsehstar, immerhin ist er 65 Jahre alt. Das weiß der ehemalige Frauenheld, will es aber nicht wahrhaben. Niemand soll ihn als alt wahrnehmen, ist er doch Teil der kulturellen Elite, gefeierter Talkshowhost und Charmeur ohnegleichen. Auf einer Gartenparty seiner Ex-Schwägerin bröckelt diese Fassade: In einem Örtchen im Großraum Paris trifft die Prominenz auf Dorfbewohner. Zu spanischer Gitarrenmusik und Häppchen konfrontieren seine Ex-Frau, seine Tochter und ein überheblicher YouTube-Star den arroganten Castro mit seiner Eitelkeit.

Warum „Champagner & Macarons“ als Titel?

Der Film hat Dramatik. Er ist witzig. Die Dialoge sind schnell und bissig. Französisches Paradekino. Leider verrät der deutsche Titel nichts von den satirischen und kritischen Tönen. „Champagner & Macarons – ein unvergessliches Gartenfest“ klingt eher nach einem Film für Romantiker, die verträumt ihr Poster vom Eiffelturm bei Nacht betrachten. Aspekte wie die verletze Seele von Über-Fünfzigjährigen, unerwiderte Liebe und entthronte Könige gehen unter.

Der französische Titel passt besser: „Place publique“, also öffentlicher Raum. Castro ist besorgt um sein Image. Er hat Angst, dass sein Privatleben in die Öffentlichkeit gezerrt wird. Dass er in seiner Fernsehshow nichts anderes macht, als das Leben von Prominenten zu durchleuchten, erscheint ihm dabei nicht als paradox.

Charaktere aus dem echten Leben

Regisseurin Agnès Jaoui schrieb auch am Drehbuch des Films mit und spielt außerdem die Rolle von Castros Ex-Frau. Auch im wahren Leben sind Agnès Jaoui und Castro-Darsteller Jean-Pierre Bacri Ex-Partner. Trotzdem arbeiten sie gemeinsam an Filmen. Die beiden sind schon lange in der Branche tätig. 2000 war Agnès Jaoui für den Oscar nominiert. Kein Zweifel, dass sie bereits jeden der Charaktere auf dem Gartenfest im echten Leben getroffen haben und wissen, was der Promi-Zirkus mit Menschen macht.

Am 18. Oktober 2018 startet „Champagner & Macarons – Ein unvergessliches Gartenfest“ in den Hamburger Kinos.

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Amelie Rolfs, Jahrgang 1993, hat eine genaue Vorstellung vom perfekten Sonntag: Frühstück in einem der besten Cafés Hamburgs und anschließend auf dem Flohmarkt nach alten Schallplatten stöbern. Ihre Bachelorarbeit hat sie in Politikwissenschaften über feministische Instagrammerinnen geschrieben und zuvor beim Kindermagazin „Dein Spiegel“ gelernt, wie man Dinge einfach erklärt. Bei "stern.de" schrieb sie über Themen aus Frankreich und den USA. Außerdem organisierte sie beim NDR die Sendung „Wahlarena“ zur Bundestagswahl 2017 mit – und machte dabei natürlich ein Selfie mit Martin Schulz. Angela Merkel war zu gut abgeschirmt. Kürzel: ar