In den USA herrscht Chaos. Der Meinung ist zumindest Regisseur James D. Stern. FINK.HAMBURG hat Stern beim Hamburger Filmfest getroffen und mit ihm über seinen Dokumentarfilm „American Chaos“ und die anstehenden Midterm-Wahlen in den USA gesprochen hat. 

Amerika 2018: Schon wieder Wahljahr. Am 06. November finden in den USA die Midterms statt, die Zwischenwahlen, in denen die Abgeordneten des Repräsentantenhauses und ein Teil des Senats zur Wahl stehen. Wer den Senat und das Haus kontrolliert, kann Gesetze voranbringen oder blockieren. Steckt Amerika zwei Jahre nach der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten noch immer im Chaos?

Denken wie die Republikaner

Regisseur James D. Stern, selbst Demokrat, hat nach Trumps Nominierung aus dem eigenen Unverständnis heraus beschlossen einem Rat aus eine Rede Barack Obamas zu folgen: „Man wird eine Person nie wirklich verstehen, außer man versucht, die Dinge aus ihrer Perspektive zu betrachten.“ Fünf Monate verbrachte er damit, die Wahl aus der Sicht der Republikaner zu beobachten und herauszufinden, warum so viele Trump unterstützen.

Stern besuchte eingewanderte Kubaner in Florida, Mienenarbeiter in West Virginia, dem ländlichen Amerika, und Rancher aus Arizona, die nahe der vieldiskutierten mexikanischen Grenze leben. Sterns Intention war nicht mit ihnen zu streiten, vielmehr möchte er verstehen und zuhören. Er wollte seinen Töchtern erklären können, was gerade in den USA passiert, sagt er im Film.

Je länger man Stern begleitet, desto verlorener scheint er im Netz der Republikaner. Die Aussagen werden drastischer und reichen bis hin zur Forderung der Todesstrafe für Hillary Clinton – wegen Verrats am amerikanischen Volk.

„Vielleicht bin ich ja der Verrückte“

Stern besuchte auch die Republican National Convention, der Parteitag der Republikaner, in Cleveland. Die Stadt ist abgeschottet, es gibt Rufe nach der von Trump angepriesenen Mauer, Besucher, die offen Waffen tragen, aber auch Sorgen: Eine Wählerin sei sich sicher, dass Obama das Kriegsrecht ausrufen werde, um die Wahl zu verhindern. Es folgt ein Zusammenschnitt von Trumps Rede vor einer großen US-Flagge mit einem bedrohlichen Echo, jubelnde Republikaner und mittendrin ein grübelnder James D. Stern. Er fühle sich wie damals auf einem Billy Joel Konzert, auf dem alle mitgesungen haben außer ihm, sagt er aus dem Off. Hier packt ihn das erste Mal der Gedanke, dass der unwählbar geglaubte Trump doch gewinnen könnte.

In „American Chaos“ führt Stern den Zuschauern die Sorgen und Ansichten der Republikaner vor Augen, die in Trump jemanden sehen, der das Land retten und ihre Probleme lösen könnte. Wer vorher überrascht war, dass Trump gewinnt, hat nun einen Eindruck davon, was viele Amerikaner wirklich dachten. Manchmal würde man sich wünschen, dass Stern eingreift, bei vielen Aussagen sitzt man als Zuschauer nur ungläubig oder kopfschüttelnd da. Aber er bleibt in der Zuhörerrolle und lässt die Aussagen für sich selbst sprechen.

American Chaos zu den Midterms

Auf die Midterms angesprochen ist sich Stern sicher, dass alle Republikaner wieder Trump wählen würden. Trotz viel Protest auf Seiten der Demokraten habe Trump all seine Wahlversprechen gehalten und profitiere von einer sehr stabilen Wirtschaft. Und seine Wähler sind treu und vor allem leidenschaftlich. Wie er im Film treffend sagt: „Passion trumps pragmatism.“ – Leidenschaft übertrifft jegliche Sachlichkeit.

Wer sich für den Film „American Chaos“ interessiert, kann sich hier den Trailer anschauen. Der Film erschien in den USA am 14. September 2018. Ein Datum für Deutschland ist noch nicht bekannt.

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Melina Deschke, geboren 1992, kommt aus dem Pott. In Hamburg hat sie sich schon 2013 verliebt, während einer Hospitanz bei der Gaming-Sendung „Reload“, die vom ARD-Digitalkanal „Einsplus“ ausgestrahlt wurde. Dort sammelte sie ihre ersten Erfahrungen im Videoschnitt. Bereits zuvor spielte sie bei einem Praktikum in der Redaktion von „Vorzocker“ beruflich Videospiele. In Düsseldorf studierte sie Kommunikationsdesign und fand heraus, dass sie lieber kommuniziert als designt. Für den Hochschulsender „Paradise Park“ berichtete sie von Kunst- und Kulturveranstaltungen. Im Falle einer Zombie-Apokalypse wird Melina zu den wenigen Überlebenden gehören: Für ihre Bachelorarbeit schaute sie mehr als 100 Zombie-Filme. Kürzel: meld
Melina Mork, Jahrgang 1996, isst trotz ihrer Leidenschaft fürs Ausschlafen am liebsten Frühstück, auch gerne mal um 16 Uhr. Mit sieben Jahren wollte sie Stadionsprecherin werden, aber als in der Schule die Länge ihrer Essays zunehmend eskalierte, beschloss sie, dass sie lieber Journalistin werden will. Nach dem Abitur zog sie für das Studium in Kulturjournalismus von Salzgitter nach Hamburg. Erste Praxiserfahrungen sammelte Melina beim „Netzpiloten Magazin“ und der „Szene Hamburg“. Wenn sie nicht gerade Video-Essays bingewatched, arbeitet sie beim YouTube-Channel „In Bed with“ mit. Dort lädt sie Musiker ein in verschiedenen Betten Hamburgs Akustik-Sessions zu spielen und fragt sie zu allem aus, was mit Schlafen und Träumen zu tun hat. Kürzel: mrk

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