Die Hochbahn fährt in ihrer neuen Kampagne „Hypebahn“ mit einem aufwendig produzierten Video auf. Damit sollen sowohl junge als auch alte Menschen irritiert werden. Bei FINK.HAMBURG-Redakteur Henrik Bahlmann hat das funktioniert. Ein Kommentar.

Hans Peter „HP Baxxter“ Geerdes, brüllt Influencerin Sofia Tsakiridou in bestem Scooter-Englisch „I want to see you sweat“ entgegen. Ein Alpaka spuckt Fahrgäste an. Ein Fidget-Spinner explodiert im Orbit. Die ersten zehn Gedanken, wenn man sich die neue Hochbahn-Werbung zur „Hypebahn“-Kampagne anguckt, dürften sein: „Was zur Hölle?“ Und auch bei Lektüre der dazugehörigen Pressemitteilung fragt man sich: Was hat man sich bei der Hochbahn um Gottes Willen nur gedacht?

Die Marketing-Chefin der Hochbahn, Christina Becker, findet tatsächlich einen Bezug der „Hypebahn“-Kampagne zur täglichen Beförderung von 1,2 Millionen Menschen. „Die Hamburger wissen, dass sie auf uns setzen können, wenn es um die Mobilität in ihrer Stadt geht: Die Hochbahn macht das! Darauf sind wir stolz, aber überraschen können wir damit kaum“, sagt Becker. Man wolle „Ältere und Jüngere“ mit dem Clip „irritieren“, heißt es in der Pressemitteilung.

Überraschungen im Personennahverkehr?

Stellt sich die Frage, wie überraschend und irritierend ein tägliches Transportmittel sein sollte. Überraschungen im öffentlichen Personennahverkehr sind in der Regel Verspätungen und Zugausfälle – und darauf können die Hamburgerinnen und Hamburger mutmaßlich verzichten.

Das Werbevideo, das am Sonntag bei YouTube hochgeladen wurde, ist in verschiedene Haltestellen, sprich Kapitel aufgeteilt: „Nächster Halt Kätzchen“, „nächster Halt Alpaka“. Spätestens, als HP Baxxter allen Ernstes den Scooter-Hit „Hyper, Hyper“ anstimmt, den Refrain des Songs, wenn man ihn denn so nennen möchte, aber in „Hypebahn, Hypebahn“ abändert, fragt man sich: Warum zieht keiner der Protagonisten die Notbremse?

Scooter trifft Das Bo

Auch ein kurzer Einwurf des Hamburger Rappers Das Bo, der statt „Bass, Bass“ als Hochbahnfahrer „Bus, Bus“ rappt, macht die werb-ale Entgleisung nicht mehr besser.

Am Ende des Videos hakt ein Hochbahn-Mitarbeiter vergnügt die verschiedenen Werbe-Stationen ab – zuletzt: „Great Finale“. Dann kommen aber immer noch 22 Sekunden.

Man muss der Hochbahn zugute halten, dass sie es versucht hat, so viele Zielgruppen wie möglich auf einmal anzusprechen. Auch der finale Slogan, „Bei uns läuft alles nach Plan. Selbst die Werbung.“, ist gut gemeint. Aber trotzdem: Hey Hochbahn, das Jahr 2016 möchte seine Trends zurück. Das hier dürfte eine der größten Verspätungen in der Unternehmensgeschichte sein.

Vorheriger Artikel„A Merry Podcast“: Und was glaubst du so?
Nächster ArtikelDer Helfer, dem niemand hilft
Henrik "Harry" Bahlmann, Jahrgang 1994, ist seit zehn Jahren Praktikant im Installationsbetrieb seines Vaters. Mittlerweile kann er sogar gerade flexen. Wenn er irgendwo Fußball hört, ist er dabei. Als er aber ein halbes Jahr in Madrid studierte, schaffte er es nur zweimal ins Bernabéu-Stadion, obwohl er nur zehn Gehminuten entfernt wohnte. Für die Nordwest-Zeitung muss Henrik über Handball schreiben. Sportjournalismus hat er auch studiert, seinen Bachelor machte er an der Hochschule Macromedia in Hamburg. Möchte man ihn locken, gelingt das mit seiner liebsten Sonntagsbeschäftigung: Kaffee und Kuchen. Auch wenn er sich dabei etwas alt vorkommt. Sein größter Sieg: Einmal stand er in der Regionalliga im Tor – kassierte allerdings fünf Treffer. Kürzel: heb

Hinterlasse einen Kommentar

Please enter your comment!
Please enter your name here