Ihr möchtet ein innovatives Start-up in Hamburg gründen? Dann braucht ihr neben einer Idee und Durchhaltevermögen vor allem eins: finanzielle Förderung. In Hamburg gibt es unterschiedliche Gründungszuschüsse. Ein Überblick.

Viel Arbeit, hohe Kosten, keine Einnahmen: Bei der Gründung eines Start-ups muss man erst einmal ordentlich in Vorleistung gehen. Um ihre Ideen umsetzen zu können, sind fast alle angehenden GründerInnen auf Kredite oder Förderprogramme angewiesen.

Die Auswahl an Möglichkeiten in Hamburg ist groß, doch nur wenige Programme bieten einen Zuschuss ohne Rückzahlungspflicht. Oft sind sie dann an komplexe Bedingungen geknüpft, die nicht jeder erfüllen möchte oder kann.

In Hamburg bieten unter anderem die Hamburgische Investitions- und Förderungsbank Innovationsstarter GmbH (IFB) und das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie Zuschüsse für die Existenzgründung an.

Der Gründungsservice der HAW Hamburg stellte diese Angebote am 13. Mai in einer Infoveranstaltung vor. Wir waren da und fasse euch die wichtigsten Infos zusammen:

Förderprogramme der IFB

Die IFB bietet drei Förderprogramme an: InnoFounder, InnoRampUp und den Innovationsstarter Fonds. Keines muss zurückgezahlt werden. Der Haken: Die Zuschüsse sind zweckgebunden. Vor der Förderung muss ein neues Projekt definiert werden, das mit den Programmen finanziert wird. Dies kann zum Beispiel eine Marketingstrategie sein. Im Anschluss muss das Projekt mit einem Zeitplan und klar definierten Meilensteinen bei der Bewerbung eingereicht werden.

Jährlich erreichen Heiko Milde, dem Geschäftsführer der IFB, bis zu 380 Anfragen. Seit 2012 hat er 130 Start-ups gefördert. Darunter die App Familonet, mit der Familie und Freunde per GPS geortet werden können. Durch die Förderung des Unternehmens KSK Diagnostics wiederum können heute nahezu in Echtzeit medizinische Diagnosen gestellt werden. Und auch die Firma Retrobrain, die mit Computerspielen älteren Menschen hilft, mobil zu bleiben, wurde unterstützt.

„Wir suchen innovative Ideen. Sie müssen etwas anders machen“, sagt Milde. Auch das Team selbst ist wichtig: „Start-up-Gründung ist eine riesige Herausforderung und die meistert man im heterogenen Team besser“, sagt Milde. Ein Mix aus TechnikerIn, RepräsentantIin und FinanzexpertIn sei eine gute Voraussetzung für eine Förderung durch die IFB. Außerdem gilt: Der Wohn- beziehungsweise Firmensitz muss in Hamburg sein.

„Sie müssen etwas anders machen“

Mit einer Existenzgründung gehen große Unsicherheiten einher, erklärt Milde. Mindestens 500.000 Euro müsse man in ein Unternehmen hineinstecken, bis es wirtschaftsfähig sei. Dabei sei bis zuletzt unklar, ob ein Produkt angenommen wird. Eine gewisse Risikobereitschaft sowie Eigenkapital seitens der GrunderInnen sei daher gern gesehen.

Ihr könnt für die Bewerbung euer Pitch Deck (12-25 Folien) per Mail an die IFB senden. „Anleitungen für ein gutes Pitch Deck finden sich überall im Internet“, sagt Milde. Im Anschluss werdet ihr zu einem circa zweistündigen Pitch eingeladen. Ihr haltet eine kurze Präsentation und anschließend werden Fragen beantwortet. Bei positiver Rückmeldung stellt ihr den Antrag zur Förderung. Für diesen Prozess solltet ihr mindestens acht Wochen einplanen.

Gründungsservice der HAW Hamburg

Studierende, AbsolventInnen und wissenschaftliche MitarbeiterInnen können sich zusätzlich auf die Förderprogramme EXIST Gründerstipendium und EXIST Forschungstransfer bewerben. Dabei ist zu bedenken, dass der Antrag für diese Programme über eine Hochschule gestellt und die Projekte von ProfessorInnen betreut werden müssen.

Für die HAW Hamburg ist hierfür Angela Borchert vom Gründungsservice zuständig. „Die Förderung ist extrem lukrativ, aber sie ist auch nicht leicht zu bekommen“, sagt Borchert. Die Voraussetzung für beide Programme ist, dass die offizielle Gründung noch nicht erfolgt ist, das Start-up also noch nicht beim Finanzamt oder Handelsregister angemeldet wurde.

Auch diese Förderungen sind an Bedingungen geknüpft. So dürfen Gründerteams zum Beispiel nicht aus mehr als drei Personen bestehen. Sie müssen ein Seminar und Coaching besuchen und einen festen Zeitplan einhalten.

Für die Bewerbung um das EXIST Gründerstipendium und den EXIST Forschungstransfer könnt ihr euch direkt per Mail an Angela Borchert vom Gründungsservice der HAW Hamburg wenden. Sie unterstützt euch bei der Bewerbung und beantwortet eure Fragen. Bitte beachtet hier die Fristen für die Bewerbung um den EXIST Forschungstransfer.

Ihr habt andere Fragen rund um die Gründung eines Unternehmens? Beim Gründungsservice der HAW Hamburg am Berliner Tor könnt ihr einen Termin vereinbaren.

Weitere Finanzierungsmöglichkeiten und Informationen findet ihr auf der Plattform Beyourpilot.

Hier findet ihr Berichte von Personen, die ein Start-up in Hamburg gegründet haben:

Harriet Dohmeyer hat mit 23 Jahren einen Verlag gegründet.

Melanie Schütze hat in Hamburg das Frauennetzwerk Alsterloge gegründet.

Titebild: Pixabay

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Reiterhof, Tech-Konzern, Streetfood-Märkte – Nina Maurer , Jahrgang 1994, treibt die Neugier. Als Kind fand sie ihr Glück auf dem Rücken der Pferde. Reitlehrerin wurde sie aber nicht: Nach einem Freiwilligen Sozialen Jahr in einer Schule für Kinder mit Behinderung studierte sie Ökotrophologie in Hamburg. Ihre Begeisterung für Essen und Kommunikation vereinte sie als Werkstudentin und Volontärin in einer PR-Agentur. Für Food-Marken durchforstete sie sämtliche Blogs Deutschlands. Seit 2018 arbeitet sie in der Unternehmenskommunikation des Tech-Konzerns NXP. Wenn sich Nina nicht gerade mit künstlicher Intelligenz beschäftigt, stöbert sie in der Hamburger Gastro-Szene nach rohem Fisch und Kurzkornreis. Auch zu Hause experimentiert sie gerne: ob Sushi, Curry oder Kürbissuppe – Hauptsache viel Ingwer. Kürzel: nim