Weggeworfene Lebensmittel aus Abfallcontainern einzusammeln, gilt in Deutschland aktuell als Diebstahl. Hamburgs Justizsenator will das nun ändern. Das Containern soll bundesweit legalisiert werden.

Jährlich werden Millionen Tonnen Lebensmittel in Deutschland weggeworfen. Menschen, die Essen aus dem Müll holen, werden bestraft. Denn das sogenannte Containern ist verboten. Dagegen will der Hamburger Justizsenator Till Steffen (Grüne) nun etwas unternehmen. Einen entsprechenden Antrag habe er für die bundesweite Konferenz der Justizminister*innen am 5. und 6. Juni in Lübeck-Travemünde vorbereitet, berichten die „Neue Osnabrücker Zeitung“ und das „Pinneberger Tageblatt“.

Es könne nicht sein, dass tonnenweise Lebensmittel weggeworfen und Menschen belangt würden, die sich gegen Lebensmittelverschwendung einsetzten, zitieren die Zeitungen aus Behördenkreisen. Aktuell gehört der Müll den Supermärkten. Die sogenannte Eigentumsaufgabe von weggeworfenem Essen solle nun aber geändert werden. Alternativ werde Steffen vorschlagen, Supermärkten das Wegwerfen von Lebensmitteln zu verbieten. Auch die Bundestagsfraktion der Linken hatte die Bundesregierung im April aufgefordert, einen entsprechenden Gesetzesentwurf vorzulegen.

Deutschland hinkt hinterher

Andere EU-Staaten gehen bereits aktiv gegen Lebensmittelverschwendung vor. In Frankreich sind Supermärkte mit einer Fläche von mehr als 400 Quadratmetern seit 2016 per Gesetz zur Partnerschaft mit einer Hilfsorganisation verpflichtet. Diese nimmt unverkaufte Lebensmittel ab. In Tschechien müssen Supermärkte unverkaufte Lebensmittel an Wohltätigkeitsorganisationen spenden.

Berechnungen der Universität Stuttgart zufolge, werden in Deutschland fast 13 Millionen Tonnen Lebensmittel pro Jahr weggeworfen. Laut der Umweltorganisation WWF seien es sogar 18 Millionen Tonnen.

Lest hier: Hamburger Projekt gegen Lebensmittelverschwendung

nim/dpa

Titelbild: Pixabay

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Reiterhof, Tech-Konzern, Streetfood-Märkte – Nina Maurer , Jahrgang 1994, treibt die Neugier. Als Kind fand sie ihr Glück auf dem Rücken der Pferde. Reitlehrerin wurde sie aber nicht: Nach einem Freiwilligen Sozialen Jahr in einer Schule für Kinder mit Behinderung studierte sie Ökotrophologie in Hamburg. Ihre Begeisterung für Essen und Kommunikation vereinte sie als Werkstudentin und Volontärin in einer PR-Agentur. Für Food-Marken durchforstete sie sämtliche Blogs Deutschlands. Seit 2018 arbeitet sie in der Unternehmenskommunikation des Tech-Konzerns NXP. Wenn sich Nina nicht gerade mit künstlicher Intelligenz beschäftigt, stöbert sie in der Hamburger Gastro-Szene nach rohem Fisch und Kurzkornreis. Auch zu Hause experimentiert sie gerne: ob Sushi, Curry oder Kürbissuppe – Hauptsache viel Ingwer. Kürzel: nim