Rettungsschiff
Das Rettungsschiff «Sea-Eye» im Hamburger Hafen: Die Regensburger Hilfsorganisation Sea-Eye will ihr außer Dienst gestelltes Rettungsschiff gleichen Namens in Hamburg ins Museum bringen. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

Das Flüchtlingsschiff „Sea-Eye“ rettete auf dem Mittelmeer tausenden Menschen das Leben. Nun soll der ehemalige DDR-Fischkutter dauerhaft in Hamburg anlegen.

Die Regensburger Hilfsorganisation Sea-Eye will ihr ausgedientes Rettungsschiff gleichen Namens in ein Hamburger Museum bringen. „Hamburg hat eine jahrhundertealte Migrationsgeschichte, aus Hamburg sind Millionen Deutsche emigriert“, sagte der Gründer der Organisation, Michael Buschheuer, am Sonntag auf dem Schiff gegenüber dpa. „Diese Geschichte wollen wir mit der unsrigen bereichern.“

Das Schiff war von März 2016 bis März 2018 vor der lybischen Küste im Einsatz. Laut Buschheuer wären 11.863 Menschen mithilfe von mehreren hundert ehrenamtlichen Helfer*innen vor dem Ertrinken gerettet worden.

Geflüchtete dürfen nicht an Land

Ein Weiterbetrieb sei nicht mehr sinnvoll, da der 26 Meter lange Kutter Flüchtlinge nicht für längere Zeit aufnehmen könne. Das Unterbringen von Flüchtlingen auf Zeit sei jedoch notwendig, da die europäischen Staaten kaum noch Gerettete an Land ließen.

Erst in der Nacht zum Samstag ist das Rettungsschiff einer weiteren deutschen Hilfsorganisation Sea-Watch mit 40 Migrant*innen an Board ohne Genehmigung in den Hafen der italienischen Insel Lampedusa eingelaufen. Das Schiff war mehr als zwei Wochen auf offener See unterwegs.

Deutscher Rettungsschiff-Kapitänin droht Haft

Der deutschen Kapitänin der Sea-Watch-3, Carola Rackete, drohe nun Haft. Der 31-jährigen Norddeutschen werden Beihilfe zur illegalen Einwanderung, Verletzung des Seerechts und Widerstand gegen die Staatsgewalt vorgeworfen, weil sie sich Anweisungen von Militärschiffen widersetzt haben soll.

Mehr als eine Million Euro an Spendengeldern gingen bereits für die Hilfsorganisation Sea-Watch ein. Die Fernsehmoderatoren Jan Böhmermann und Klaas Heufer-Umlauf sammelten mit ihrer Petition bis Montagmittag mehr als 735.000 Euro, auf einer italienischen Facebook-Seite kamen mehr als 420.000 Euro zusammen.


„Sea-Eye“-Kutter dokumentiert humanitäre Katastrophe

Der Geschäftsführer des Auswanderermuseums, Volker Reimers, zeigte sich interessiert an dem Rettungsschiff. „Es ist absolut naheliegend, dass das Schiff nach Hamburg kommt.“ Gespräche mit der Politik über das Projekt liefen bereits. Der Verein Sea-Eye erklärte: „Der rund 60 Jahre alte ehemalige Fischkutter dokumentiert wie kein anderes Schiff die humanitäre Katastrophe im Mittelmeer mit Zehntausenden Schiffbrüchigen und Ertrunkenen.“

isu/dpa

Titelfoto: Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

Vorheriger ArtikelA7: Verkehrsführung am Elbtunnel geändert
Nächster ArtikelHamburg, wie gut kannst du teilen? #4 Emmy
Isabel Surges, Jahrgang 1994, ist bilingual aufgewachsen. Von ihrem Vater hat sie nicht nur die spanische Sprache gelernt, sondern auch ihren venezolanischen Zweitnamen bekommen: Yahaira. In Venezuela war sie zwar noch nicht, dafür allerdings mit dem Rucksack in Australien und für ein Semester in Málaga. Einen Kulturschock erlebte die gebürtige Düsseldorferin aber erst durch ihren Umzug nach Köln. Dort studierte sie Medienkulturwissenschaften sowie Germanistik und experimentierte mit neuen Formatideen im Innovationslabor der Filmproduktionsfirma Ufa. Auf deren Partys spielte sie unter anderem mit Joe Gerner Tischtennis. Als Community Managerin in den Kommentarspalten des WDR lernte sie auch die raueren Seiten des digitalen Diskurses kennen. Zuletzt schrieb sie für die Kulturredaktion der Deutschen Welle – oder wie Yahaira sagen würde: La ola alemana. Kürzel: isu