Hundefiguren, Hostessen-Outfits, Holzrahmen: Während in der Innnenstadt Einheitsware großer Ketten überwiegen, verkaufen Individualisten in ihren Trödelläden ausgewählte Produkte.

Trödel ist mehr als billiger Ramsch: Zwischen Porzellan, Klamotten und Möbeln finden sich so manche Schätze. FINK.HAMBURG-Redakteurin Antonie Schlenska hat fünf Hamburger Trödelgeschäfte besucht, die von Inhabern geführt werden. Die Läden spiegeln deren Persönlichkeit oft wieder.

Antikes aus der Schanze

Der Antik Handel in der Schanze gehört Robert Scheer. Seit 18 Jahren betreibt er das Geschäft. Davor war Robert Steinmetz und -bildhauer. In seinem Laden verkauft er vor allem Antiquitäten von Maria-Figuren bis zum Teak-Sideboard. Vorzugsweise Jugendstil-Sachen gefallen Robert. Das Besondere ist für ihn die Formgebung und die kurze Dauer der Zeitepoche. Einmal verkaufte er eine kleine Hundefigur aus Marmor. Die hätte er aber am liebsten selbst behalten: Er sammelt nämlich Hundefiguren.

Klimbim und Gewürze aus Ottensen

Zwischen Schuster- und Dönerladen befindet sich der Kaufmannsladen von Dragan Jankovecki. „Ich habe ein Klimbim-Geschäft mit Küchenutensilien“, erzählt er. Neben Schalen und Holzbrettern verkauft er vor allem Tee, Gewürze und Öle. Seit 19 Jahren ist er selbstständig. Erst verkaufte er seine Waren auf Wochen- und Weihnachtsmärkten, dann eröffnete er ein Geschäft im Eimsbüttler Heußweg. Jedoch lief der Laden dort nicht gut. Weil seine Kunden hauptsächlich aus Ottensen kamen, zog er – nach einiger Wartezeit – mit seinem Geschäft in die Bahrenfelder Straße. Sein liebstes Produkt ist Olivenöl. Sein Frühstück: Brot mit Olivenöl.

Sammlerstücke im Karoviertel

„Ich habe einen Gaga-Laden!“, erzählt Noah Jurecky. Mit coolen Klamotten möchte ich Leute glücklich machen. Seit 2001 verkauft Noah im Hot Dogs Secondhand- und Vintageklamotten. Das Karoviertel ist für ihn „das schönste Dorf innerhalb Hamburgs“. Bereits im Alter von 15 Jahren hielt er auf Flohmärkten nach coolen Klamotten Ausschau. Jetzt versorgt er die Bewohner*innen und Besucher*innen des Karoviertels mit Sammlerstücken, die teilweise stolze Preis erreichen. In seinem Laden stehen immer Süßigkeiten für die Kinder bereit und im Sommer gibt es Eis.

Ein Sammelsurium außergewöhnlicher Kunst

Nur ein paar Geschäfte vom Hot Dogs entfernt liegt das Senator Watrin von Inhaber Stephan Watrin. Neben alten Büchern, Stempeln und Landkarten verkauft er auch eigene Kunstwerke und organisiert Ausstellungen. Stephan Watrin war 30 Jahre lang Erzieher. Seit 2003 verkauft er in seinem Souterrain-Geschäft außergewöhnliche Dinge.

Mittendrin in Eimsbüttel

Ali Khan liebt historische Sachen. Vor allem alten Teppiche und Lampen. Ali kommt ursprünglich aus Afghanistan. Bevor er nach Deutschland kam, war er Professor für Geschichte und Geographie an der Universität Kabul. Seit 24 Jahren betreibt er nun mit seiner Frau zusammen den An- und Verkauf in Eimsbüttel. Er kennt die gesamte Nachbarschaft: Sie bringen ihm ihre alten Möbel, er verkauft sie dann weiter.
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Antonie Schlenska tänzelte sich von der Ballerina zur deutschen Hip-Hop-Meisterin. 1993 in Hannover geboren studierte sie Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation in Berlin. Seit ihrer Abschlussarbeit weiß sie alles über Podcasting. In der Vermarktungsabteilung bei Gruner und Jahr analysierte sie den deutschen Zeitschriftenmarkt. Außerdem machte sie in dem Verlag Stationen im Innovation Lab, bei der „Brigitte“ und bei „Geo“. Beim Geo-Magazin gestaltete sie die Fotostrecke eines Kriegsfotografen. Privat arbeitet sie am liebsten mit einer analogen Kamera und bemalt die überbelichteten Fotos mit Acrylfarben. Zu Hause an ihrem selbstgebauten Tisch isst sie gerne Mayo mit Kroketten, Käse mit Brot oder Pesto mit Nudeln. Die Kalorien tanzt sie sowieso wieder ab. Kürzel: acs