Der Rahlstedter Schüler Tom Radtke wollte für die Linke Hamburg im Februar in die Bürgerschaft einziehen. Der Traum ist geplatzt: In einem Facebook-Post hatte er am Montag den Holocaust mit der Klimakrise verglichen.

Tom Radtke ist 18 Jahre alt und will bei der Wahl im Februar für die Linke Hamburg in die Bürgerschaft einziehen. „Die Nazis gehören auch zu den größten Klimasünder*innen, da ihr Vernichtungskrieg und ihre Panzer riesige Mengen an CO2 produziert haben“, schrieb er am Montag, dem Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, auf Facebook. „Viele Politiker sagen, dass sich das nicht wiederholen darf. Aber was tun sie gegen den Klima-Holocaust, der in diesem Moment Millionen Menschen und Tiere tötet?“

Radtke reagiert uneinsichtig

Auf eine dpa-Anfrage an Radtkes Mailadresse kam unter anderem diese Antwort: „Was habe ich denn falsches gesagt? Ich bin 18 Jahre alt und aktuell wird Menschen meiner Generation die Zukunft weggenommen.“ Telefonisch war er am Dienstag nicht zu erreichen.

Radtke stellt sich auf der Linken-Website zur Bürgerschaftswahl – Landeslistenplatz 20 – unter dem Slogan „Wir brauchen Veränderung“ vor. Er beschäftigt sich offensichtlich vor allem mit Klima- und Umweltschutz sowie Netzpolitik.

Linke Hamburg trifft das im Wahlkampf

Die Fraktionschefin der Hamburger Linksfraktion, Cansu Özdemir, reagierte einen Tag nach der Äußerung Radtkes, mit einem Post am Dienstagvormittag auf Twitter.

Dienstagmittag suchte die Linke Hamburg den Kontakt zu Radtke. Die Partei steckt mitten im Wahlkampf. Seinen Post löschte er erst am Mittwochvormittag gegen 10 Uhr. „Wir verurteilen die unsägliche Relativierung und Instrumentalisierung des Holocausts“, erklärten die Linken-Landerssprecher David Stoop und Olga Fritzsche in einer Pressemitteilung am Dienstag.

Die Erinnerung an den Holocaust und der Kampf gegen jegliche Entschuldigung, Instrumentalisierung oder Relativierung sei Voraussetzungen linker Politik, schreiben die beiden Sprecher weiter. „Antifaschismus ist unverzichtbarer Grundkonsens der Partei Die Linke. Wer diesen Konsens nicht mitträgt, ist in unserer Partei falsch.“

Radtkes Name immer noch auf der Liste

Die Konsequenz für den Schüler: „Nach zahlreichen Kontaktversuchen und ausführlicher Beratung beenden wir an dieser Stelle unsere Zusammenarbeit mit Tom R.“, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Der Jungpolitiker wurde aufgefordert, von seiner Kandidatur auf der Landesliste für die Wahl zur Hamburgischen Bürgerschaft am 23. Februar  zurückzutreten.

Die Linken-Landessprecher hatten die Zusammenarbeit mit Radtke für beendet erklärt. Diese Haltung ist am Mittwochabend vom Landesvorstand bestätigt worden, sagte Linken-Landesgeschäftsführer Martin Witmaack am Donnerstag. Am Vormittag steht der Name Tom Radtke jedoch immer noch auf der Homepage der Partei auf Listenplatz 20.

Radtke will in der Partei bleiben

Radtke habe laut Landesgeschäftsführung die Kritik an seinem Vergleich zwischen Holocaust und Klimakrise zur Kenntnis genommen. Er habe auf dem Treffen des Landesvorstands am Mittwoch gesagt, dass er in der Partei bleiben wolle. Dass der Post auf seinem Facebook-Profil von ihm stammte, habe der Schüler nicht bestritten.

Dazu, ob er von der Landesliste zurücktreten werde, hat Radtke sich noch nicht geäußert, sagte Wittmaack. „Es war das erste Mal, dass wir überhaupt mit ihm ein Gespräch Auge in Auge führen konnten.“ Über das weitere Vorgehen werde der geschäftsführende Landesvorstand nach weiteren Gesprächen entscheiden.

Die Reaktion der Klimaaktivistin

Tom Radtke hatte seinen Text, in dem er Holocaust und Klimakrise verglich, mit einem Foto von Greta Thunberg und Luisa Neubauer, Hamburger Aktivistin von Fridays For Future, gepostet. „Greta Thunberg hat in Davos richtig gesagt, dass seit Beginn der Klimaproteste nicht genug getan wurde. Wir müssen die Klimaerwärmung jetzt stoppen damit sich ein Holocaust nicht wiederholt“, schrieb Radtke dazu in demselben Post. Luisa Neubauer reagierte auf Twitter.

Auf seiner Webseite präsentiert sich Radtke mit dem Logo von Fridays For Future. Der Hamburger Verband von Fridays For Future distanzierte sich von Radtkes Äußerungen auf Twitter.

Wir haben den Artikel nach neuesten Informationen am 30. Januar aktualisiert.

dpa/tob
Foto: dpa

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Für Tobias Bug, Jahrgang 1993, kann ein Fußballspiel nur dann ein Erfolg werden, wenn er den linken Schuh zuerst anzieht. Seinen eher unsportlichen Bachelorabschluss hat er an der TU München in Wirtschafsingenieurwesen gemacht. Nicht nur den ersten akademischen Erfolg verbindet er mit der bayerischen Hauptstadt: Beim Oktoberfest wurde er unschuldig für drei Stunden in Haft genommen. Journalistisch hat Tobias unter anderem bei der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ im Politik- und im Wirtschaftsressort gearbeitet. Beim Reisen lässt er sich gerne die Geschichten anderer Menschen erzählen, in Norwegen hat er eineinhalb Jahre gelebt. Am glücklichsten ist er, wenn er schreibt oder am DJ-Pult House auflegt. (tob)