Rund 40 Mitarbeiter*innen der „Hamburger Morgenpost“ haben am Dienstag gegen die Verkaufspläne der Zeitung demonstriert. Auch Hamburgs Erster Bürgermeister stärkte der Belegschaft den Rücken.

Die gedruckte Ausgabe der „Hamburger Morgenpost“ (Mopo) könnte es bald nicht mehr geben. Nach einem Bericht des NDR demonstrierten am Dienstag rund 40 Mitarbeiter*innen und Gewerkschaftsvertreter*innen vor dem Verlagsgebäude der Tageszeitung für den Erhalt des Mediums.

Die DuMont-Mediengruppe, zu der die „Mopo“ gehört, plant seit längerem einen Verkauf. Internen Berichten zufolge laufen derzeit Verhandlungen mit der Funke-Mediengruppe, die aber nur an einer Übernahme des Online-Auftritts der Mopo interessiert sei.

„Wir haben ein Jahr lang die digitale Transformation mitgetragen, immer mit der Hoffnung, auf diese Weise die Arbeitsplätze zu erhalten. Jetzt kommt raus, wir sollen verkauft werden ohne Redaktion“, kritisiert die Betriebsratsvorsitzende Nina Gessner gegenüber dem NDR.

DuMont stößt großen Teil der Tageszeitungssparte ab

Von einem Verkauf wären mindestens 60 Verlagsmitarbeiter betroffen. Bereits Anfang der Woche hatten die „Mopo“-Beschäftigten deshalb einen Brandbrief an DuMont-Geschäftsführer Christoph Bauer geschrieben.

Im vergangenen Frühjahr war bekannt geworden, dass DuMont einen Verkauf seiner Regionalzeitungen in Hamburg und Berlin prüft. Seine Kölner Zeitungsgruppe wollte der Konzern dagegen behalten.

Im September 2019 übernahm das Unternehmerpaar Silke und Holger Friedrich den Berliner Verlag mit der „Berliner Zeitung“ und dem „Berliner Kurier“. Über einen Verkauf der „Mitteldeutschen Zeitung“ in Sachsen-Anhalt einigte sich der Kölner Konzern in der vergangenen Woche mit der Bauer Media Group.

Auflagenzahlen der „Mopo“ stark gesunken

Eine Entscheidung über die Zukunft der „Mopo“ hatte Christoph Bauer für diesen Januar angekündigt. Unter anderem war über eine Mitgift an die Bauer Media Group spekuliert worden. Die Mopo-Geschäftsführerin Susan Molzow hatte ebenfalls Interesse bekundet.

Ein Verkauf könnte aber schwierig werden, da die Mopo in den Vorjahren, ähnlich wie andere Tageszeitungstitel, massiv an Auflage eingebüßt hat – rund 27 Prozent in zwei Jahren.

Die Lage des Hamburger Medienmarktes beurteilt Stefan Endter, Geschäftsführer des Deutschen Journalisten-Verbandes in Hamburg, generell kritisch. „Die Situation für Redakteure verschlechtert sich zusehends“, so der Jurist.

Hamburger Medien: Vielfalt geht verloren

Nicht nur die Honorare für Freiberufler seien seit Jahren rückläufig. Der Springer-Konzern hatte kürzlich angekündigt, Stellen abbauen zu wollen und „Die Welt“ in Hamburg eingestellt. Burda hatte zum Jahreswechsel 2018/19 die Print-Redaktionen der Titel „Fit for Fun“ und „TV-Spielfilm“ ausgelagert.

„Wenn jetzt noch die „Mopo“ verschwindet, wäre das ein Verlust der Medienvielfalt in Hamburg“, sagt Stefan Endter. Ähnlich sieht es auch Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD). Auf Twitter stärkte er der Belegschaft den Rücken: „Ich wünsche mir, dass die Hamburger Morgenpost – unsere Mopo – als eigenständige Zeitung erhalten bleibt und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter noch viele Jahre ihren Beitrag leisten können für eine vielfältige Medienlandschaft in ihrer Heimatstadt Hamburg“.

sju

Titelfoto: Lukas Dose

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Sandra Jütte, Jahrgang 1985, hat schon beim Imperium gearbeitet. Aber keine Sorge: In diesem Fall ist das eine Schauspielagentur in Berlin. Für ihr Studium der Wirtschaftskommunikation zog sie von Niedersachsen in die Bundeshauptstadt, bevor sie für ein Reisemagazin die Straßen Kapstadts erkundete. Dem Lokaljournalismus blieb sie während ihres Volontariats bei der "Märkischen Oderzeitung" in Brandenburg treu. Die Themen waren dort sogar spannender: Sandra schrieb unter anderem über einen entführten Dackel, den Sexshop im 5000-Seelen-Dorf und dreifachen Mord. In ihrer Zukunft sieht sie sich im Online- oder Fernsehjournalismus, denn sie will mehr als nur Print. Schokolade zum Beispiel. Kürzel: sju