Ob guter Vorsatz, Langeweile oder schlicht der unerschütterliche Glaube an das Gute im Menschen: Ein digitales Ehrenamt könnte genau das sein, was deinem (Lockdown-)Leben fehlt. Wir geben Tipps, wie du eins findest.

Helfen macht glücklich, denn Verbundenheit mit Anderen ist ein menschliches Grundbedürfnis. Das gilt besonders in schweren Zeiten – zum Beispiel während einer globalen Pandemie. Aber wie können wir einander trotz Corona-Regeln nahe sein und gemeinsam Gutes tun? Auf diese Frage gibt es mehr Antworten, als du vielleicht glaubst. FINK.HAMBURG stellt fünf Möglichkeiten vor, wie du dich von zu Hause aus sozial engagieren kannst.

1) Aufmerksamkeit schenken

Beispiel für ein digitales Ehrenamt: Aufmerksamkeit schenken. Foto: Freepik
Ob freundliche Worte, ein Gedicht, oder selbstgeschossene Fotos – dein (digitaler) Brief kann einsame Menschen aufmuntern. Foto: Freepik

Viele Menschen haben während der Pandemie mit Einsamkeit zu kämpfen. Das bestätigt ein aktuelles Gutachten des Sozialverbands Deutschland (SoVD). Jede*r fünfte Deutsche fühlt sich demnach nicht mehr zugehörig, besonders häufig betrifft das Einkommensschwache und Pflegebedürftige.

Doch es gibt auch Ansätze, dieser Einsamkeit etwas entgegenzusetzen: Im Rahmen der Aktion „Briefe gegen Einsamkeit“ der Caritas kannst du Senior*innen eine Freude machen, indem du ihnen einen Brief schreibst. Das kannst du entweder klassisch auf Papier oder digital tun. Du schickst deinen Brief dann an das Team der Youngcaritas, dahinter verbirgt sich die Plattform der Caritasverbände für das soziale Engagement junger Menschen. Das Team gibt diesen wiederum an Einrichtungen für Senior*innen weiter.

2) Wissen teilen

Beispiel für ein digitales Ehrenamt: Wissen teilen. Foto: Freepik
Wer sein Wissen mit bedürftigen Schüler*innen teilt, schenkt ihnen gleichzeitig Aufmerksamkeit. Foto: Freepik

Laut SoVD leiden Kinder und Jugendliche besonders unter den Kontaktbeschränkungen. Auch das Lernen im „Homeschooling“ kann besonders für diejenigen schwer sein, die schon vor der Corona-Krise benachteiligt waren und zu Hause nicht die nötige Hilfe bekommen. An dieser Stelle will gemeinnützige Online-Nachhilfe ansetzen. Als Reaktion auf die Pandemie entstand zum Beispiel die Plattform Stayschool. FINK.HAMBURG-Redakteurin Caterina Klaeden hat im Sommer 2020 ein Interview mit den Gründer*innen geführt.

Auf der Internetseite von Stayschool kannst du dich als ehrenamtliche*r Nachhilfelehrer*in registrieren. Dabei gibst du an, für welche Klassenstufen, bei welchen Themen und in welchen Sprachen du helfen kannst. Nachdem das Stayschool-Team deine Angaben überprüft hat, wirst du mit passenden Schüler*innen vernetzt. Bei Herausforderungen im Lernprozess oder in Konfliktsituationen kannst du dich jederzeit an das Team wenden und bekommst professionelle Hilfe.

3) Wissen schaffen

Beispiel für ein digitales Ehrenamt: Wissen schaffen. Foto: Freepik
Beobachtungen Einzelner können zu wichtigen Erkenntnissen für die Gemeinschaft führen. Foto: Freepik

Schon mal was von „Citizen Science“ gehört? Damit sind Forschungsprojekte gemeint, für die Bürger*innen  Informationen sammeln oder Aufgaben erledigen, um gemeinsam neues Wissen zu schaffen.

Über die Plattform Buergerschaffenwissen.de kannst du ganz einfach ein für dich passendes Projekt entdecken und oft sofort einsteigen. Unter der Kategorie „Zuhause mitforschen“ finden sich aktuell zum Beispiel Forschungsprojekte über Geheimnisse des Universums, das Verhalten von Schimpansen, Kunstgeschichte und die sozialen Medien.

4) Für Gutes stimmen

Beispiel für ein digitales Ehrenamt: Für Gutes stimmen. Foto: Freepik
Online-Petitionen: Eintreten für etwas, das dir wichtig ist. Foto: Freepik

Wahrscheinlich hast du eine genaue Vorstellung davon, in was für einer Gesellschaft du leben möchtest. Aber lässt du das die Außenwelt und Politiker*innen auch wissen? Gelegenheit dazu bieten zum Beispiel Online-Petitionen. Hier kannst du selbst eine Petition für etwas starten, das dir wichtig ist. Alternativ kannst du in wenigen Klicks Petitionen unterstützen, die du für wertvoll hältst.

Über die entsprechende Internetseite des Deutschen Bundestags gehen digitale Petitionen direkt an den Petitionsausschuss. Aktuell bekommt zum Beispiel die Forderung nach einer Gesundheitsreform zum Schutz von Pflegebedürftigen viel Zuspruch. International ist außerdem die Plattform Change.org beliebt. Erfolge von Petitionen, die über Change.org veröffentlicht wurden, sind laut der Plattform zum Beispiel das Verbot der „Homo-Heilung“ bei Minderjährigen sowie die Senkung der sogenannten Tamponsteuer.

5) Über den Lockdown hinausdenken

Beispiel für ein digitales Ehrenamt: Über den Lockdown hinaus denken. Foto: Freepik
Viele ehrenamtliche Teams müssen aktuell digital arbeiten, statt Seite an Seite zu stehen. Foto: Freepik

Der Lockdown macht aus so manchem klassischen Ehrenamt ein digitales Ehrenamt. Genau wie Privatpersonen mussten auch soziale Organisationen und Vereine ihre Tätigkeit größtenteils spontan digitalisieren. Wenn es also eine Aktion gibt, die du schon länger ehrenamtlich unterstützen möchtest, frag doch einfach mal nach, welche Online-Möglichkeiten es dafür gibt.

Unter Engagement-Hamburg.de findest du vielfältige Ehrenamts-Gesuche von gemeinnützigen Organisationen und Vereinen. Die Website ist ein Angebot des Vereins „Bürger helfen Bürgern“. In der erweiterten Suche kannst du konkret angeben, auf welche Weise du welchen Zweck unterstützen möchtest und wie viel Zeit du dafür hast. Das Beste daran: Wenn die Pandemie endlich überstanden ist, kannst du deine neuen Teamkolleg*innen persönlich kennenlernen und dein digitales Ehrenamt vielleicht in ein analoges verwandeln.

Tu Gutes, das dir guttut!

Anderen zu helfen, kann sich gut anfühlen und Hoffnung in den tristen Corona-Alltag bringen. Das ist aber sicher nicht für jede*n oder zu jeder Zeit so. Ein digitales Ehrenamt sollte nicht belasten, sondern Freude machen. Der Lockdown ist kein Wettbewerb im Bananenbrot-Backen, Sport-Machen oder Sozial-Engagieren. Wenn du es schaffst, es dir selbst gut gehen zu lassen, hast du schon viel erreicht. Brauchst du dabei Unterstützung? Dann findest du hier entsprechende Angebote.


Titelbild: Freepik

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Am liebsten genießt Pia Röpke, geboren 1993 in Hamburg, die Ruhe und meditiert. Nach der Ausbildung zur Medienkauffrau beim Spiegel schlug sie ein Jobangebot dort aus und entschied sich stattdessen für die Universität. Beim Thema blieb sie aber: In Lüneburg studierte sie Digital Media, in Hongkong Creative Media. Dort entdeckte sie Achtsamkeit, Yoga und Spiritualität für sich. Das half ihr dabei, sich zu entspannen, wenn die gierige Millionenstadt zu stressig wurde. Seitdem ist sie überzeugt, dass Selbstreflexion nicht nur für sie heilsam ist, sondern auch für den Rest der Welt wichtig wäre, um die Digitalisierung sinnvoll zu gestalten. Um Digitales und Fundraising kümmert Pia sich für die Organisation Kanduyi Children e.V., die Kindern in Kenia Bildung ermöglicht. Kürzel: pia