Kunst und Kultur in Corona-Zeiten? Das Fotoprojekt „Soul Pauli“ macht’s möglich, denn ganz St.Pauli ist die Galerie – umsonst, draußen und corona-konform.

Auf St.Pauli – hier scheint alles ein wenig freier, verruchter und liberaler. Wie wäre es mit einem Rundgang durch das wohl schillerndste Viertel Hamburgs? Christian Heidemann lichtet mit seinem Fotoprojekt „Soul Pauli“ nicht nur die Fassaden populärer Gebäude rund um den Kiez ab, sondern liefert auch interessante Fakten und Geschichten. „Anfangs habe ich ’nur‘ Fassaden fotografiert, bis ich in Rosis Bar gelandet bin“, erzählt der Fotograf. Rosi habe ihm viel über ihre Bar, die zuvor von ihrem Vater betrieben wurde, und über die Musikszene der 1960er und 70er Jahre erzählt. Heidemann wurde klar: Er möchte nicht nur die Fassaden dokumentieren, sondern auch den Menschen dahinter begegnen.

„Es geht neben aller Buntheit auch um Veränderungen. Vieles verschwindet, Neues entsteht; manchmal spannend, manchmal kommerzieller Einheitsbrei. Daher will „Soul Pauli“ das Jetzt festhalten, aber auch einen Blick ins Früher werfen“, so Heidemann über sein Projekt. „Ein netter Nebeneffekt: Durch das Projekt lerne ich meine Nachbarschaft, sowie das Viertel, in dem ich lebe, noch einmal ganz anders und intensiver kennen.“

St. Pauli ist das Museum

Im Oktober 2020 wurde das Fotoprojekt „Soul Pauli“ im Sankt Pauli Museum ausgestellt, jetzt ist ganz St. Pauli das Museum. Seit Anfang Januar findet ihr an mehr als dreißig Orten rund um den Kiez Hinweisschilder, die euch mit Hilfe von QR-Codes, die Geschichten der Fassaden liefern. Die Ausstellung ist „Work in progress und wächst stetig weiter“, heißt es auf der Website. Für einen Rundgang orientiert ihr euch entweder an der digitalen Karte oder lauft einfach drauf los – auf der Suche nach den Geschichten hinter den Clubs, Bars, Cafés und Läden, die das Viertel prägen.

Wusstet ihr zum Beispiel, welches das älteste Gebäude auf dem Kiez ist, warum die Herbertstraße „Herbert“ heißt oder weshalb die Lichtstärke im Lido Club mindestens 1,3 Lux betragen musste? Das Fotoprojekt „Soul Pauli“ verrät es euch.

Kein Eintritt aber eine Spende

Ein Besuch der „Soul Pauli“-Ausstellung ist kostenlos. Doch der Fotograf ruft zu Spenden auf. „Da die Ausstellung draußen stattfindet, lag es für mich nahe, etwas für die Menschen zu tun, die auf der Straße leben, obdach-, beziehungsweise wohnungslos sind“, so Heidemann. Daher bittet er um Spenden für das Hamburger Straßenmagazin Hinz und Kunzt. Wie viel wäre euch der Besuch einer Ausstellung wert? 3 Euro, 5 Euro, 10 Euro? Spendet doch einfach den Eintritt.

Bildmaterial: Christian Heidemann

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Wo Paula-Lu Wiedeking, Jahrgang 1994, aufgewachsen ist, gibt es mehr Bäume als Menschen. In ihrem kleinen Dorf am Niederrhein musste sie drei Kilometer mit dem Fahrrad fahren, um eine Bushaltestelle zu erreichen. Ihr Fahrrad begleitete sie auch auf allen weiteren Stationen: zum Mode- und Textil-Studium in die Niederlande, zum Praktikum in eine Modefirma nach Berlin und dann nach Hamburg. Dort hat sie bei Otto in der Social-Media-Abteilung und im Online-Marketing gearbeitet. In ihrer Freizeit engagiert sie sich ehrenamtlich und hat beispielsweise Geflüchtete in Deutsch unterrichtet und bei Behördengängen begleitet. Ihre große Leidenschaft: das Zeichnen und Malen mit digitalen Tools. Wenn sie dem mal nicht nachgeht, findet man sie auf Flohmärkten oder im Café mit einem Hafer-Latte. Kürzel: pal

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