Die gelbe U3 ist eine der ältesten und unserer Meinung nach schönsten U-Bahnstrecken Deutschlands. Seit Februar 1912 fährt sie in Hamburg im Kreis. Eine Rundfahrt lohnt sich; insbesondere bei Nacht, wenn die Stadt schläft.

Im Gegensatz zu U-Bahnlinien in anderen Städten verläuft die U3-Strecke die meiste Zeit oberirdisch, vorbei an zahlreichen Sehenswürdigkeiten Hamburgs, wie zum Beispiel das Hamburger Rathaus oder der Michel. Nur neun von 25 Haltestellen der U3 befinden sich unter der Erde. Übrigens: Daraus ergab sich der Name „Hochbahn“. Mit der U3 war die Hansestadt die zweite deutsche Stadt – zehn Jahre später als Berlin – mit einer ersten Ring- beziehungsweise U-Bahn. Und wir finden: Hamburg hat die Schönere.

„Einsteigen, bitte. Die Türen schließen.“

Plan der U3 in Hamburg
Abbildung: Wikimedia Commons

(Un)nützes Wissen zur U3:
Seit 1964 ist die Hamburger U-Bahn rauchfrei. Raucher*innen konnten aber noch bis 1973 in der S-Bahn ungestört paffen.

Seit über 100 Jahren verbindet die U3 Eppendorf mit Barmbek, Uhlenhorst, St. Georg, Neustadt, St. Pauli und Eimsbüttel. Und natürlich andersherum, es kommt immer darauf an, in welche Richtung man einsteigt. Bis 2017 hatte die gelbe Linie noch Waggontüren, welche die Fahrgäste mithilfe mechanischer Türgriffe selbst öffnen und schließen konnten. Das führte allerdings oft dazu, dass die Türen bei kalten Temperaturen unnötig offenstanden. Nach 50 Jahren wurden die sogenannten „Silberlinge“ ausrangiert und größtenteils verschrottet. In den neuen DT5-Zügen funktionieren die Türen rein automatisch und sind somit auch klimafreundlicher.

Anderen europäischen Großstädten folgend, sind die neuen Züge für die Fahrgäste durchgängig. Das sei laut Hochbahn beispielsweise nach Großveranstaltungen sinnvoll, um die Menschenmassen besser im Zug zu verteilen. Die neuen Züge haben deutlich mehr Platz und sie sollen vorteilhafter für Rollstuhlfahrer*innen oder den Transport von Kinderwagen sein. Außerdem sind die neuen Züge leiser unterwegs, verbrauchen deutlich weniger Energie und sorgen mit Videokameras und einer modernen Sprinkleranlage für mehr Sicherheit.

Mit rund 1,2 Millionen Fahrgästen täglich ist die gelbe Linie viel befahren. Zu den Stoßzeiten sind die Waggons ziemlich voll – wer Glück hat, ergattert einen Sitzplatz. Die U3 fährt unter der Woche alle 5 bis 10 Minuten. Weil die U3 Tourist*innen und Hamburger*innen an viele Hotspots der Stadt bringt, gibt es meistens viel Trubel und Gedrängel. Deshalb genießt FINK.HAMBURG die Ruhe und Stille der späten Abendstunden, um die historische U-Bahnlinie abzulichten.

Am besten fährt es sich in der Nacht

Wer abends mit der U-Bahn fahren will, sollte sich vor allem mit dem Fahrplan vertraut machen. Denn auch in der Großstadt fahren unter der Woche die Bahnen nicht die ganze Nacht. Von den Tausenden Menschen, die tagsüber in der U3 sitzen und stehen, ist um halb neun nur noch wenig zu erahnen. Vereinzelte Personen stehen an der Station Schlump. Das mag an dem Montagabend liegen, an dem die Großstadtromantik eingefangen werden soll, ganz sicher auch an der Corona-Pandemie. Insgesamt nutzen deutlich weniger Menschen den Nahverkehr, um Kontakte zu minimieren. Richtig sicher fühlt man sich im öffentlichen Nahverkehr gerade nicht; insbesondere zu Stoßzeiten.

Die abendliche Stille an den Haltestellen ist angenehm, hat man sich erstmal an sie gewöhnt. Ungeachtet der Anzahl von Fahrgästen rollen die Bahnen von Station zu Station. Im fünf Minuten Takt kommen die Wagen zum Stillstand. Sie spucken vereinzelt Menschen in das mal angenehm warme, mal befremdlich kalte Licht der Haltestellen. Die wenigen Begegnungen mit anderen Menschen bleiben ereignislos. Im Gegensatz zu der täglichen Hektik im Verkehr, bringt die nächtliche Tour eine angenehme Ruhe mit sich; die sich bei wärmerem Wetter noch länger genießen ließe.

Nächtliche Großstadtromantik an den U3-Haltestellen

Eine Stadtrundfahrt mit der U3: „Aussteigen, bitte!“

Die U3 hält an zahlreichen Sehenswürdigkeiten Hamburgs und auch unbekannteren Orten, an denen es einiges zu entdecken gibt. Wer Hamburg noch nicht so gut kennt, sollte unbedingt eine Ringbahnfahrt unternehmen. Der Ausblick über den Hafen aus den Fenstern der U3 ist unschlagbar. Aufgrund der Corona-Pandemie sind einige der hier aufgelisteten Tipps aktuell nicht zugänglich. Aber FINK.HAMBURG ist zuversichtlich: Es kommen Zeiten, da können wir wieder sorgenfrei auf Flohmärkte.

Beitragsbilder: Jonathan Schanz und Marie Filine Abel

Vorheriger ArtikelSenat darf Notfallkredite nur zur Pandemiebewältigung nutzen
Nächster ArtikelUnstimmigkeiten bei der Impfstrategie
Marie Filine Abel, geboren 1992 in Hamburg, diskutiert leidenschaftlich gern: Mit einem Verschwörungstheoretiker im Flugzeug über Aliens, mit Margarete Stokowski via Instagram über die feministischen Implikationen jungfräulicher Cocktails, oder beim Kartenspiel am Küchentisch. Zwischen den Zeilen zu lesen hat sie während ihres Studiums der Kulturwissenschaften in Lüneburg gelernt. Sie hospitierte am Hamburger Schauspielhaus in der Regie und interviewte für das Stadtmagazin „Szene Hamburg“ Künstler, Krippensammler und Klimaaktivist*innen. Da war klar: Marie will als Journalistin Anderen Raum für ihre Geschichten geben. Eine sein, die den Mund aufmacht und auf Missstände hinweist - ganz so, wie sie es in ihrer Kindheit aus Musikkassetten von Hannes Wader oder Fredrik Vahle gelernt hat. Kürzel: mfa