Mehr Laptops, besseres WLAN: Schulsenator Rabe unterstreicht die Fortschritte, die bisher in der Digitalisierung von Schulen gemacht worden sind. Der Opposition geht das nicht weit genug.

Schon im März 2020 fingen Schulen an, ihren Unterricht online zu gestalten. Seitdem findet der Unterrricht haupsächlich online statt. Am Montag und Dienstag gab es an vielen Hamburger Schulen allerdings Probleme bei Videokonferenzen. Die Störungen seien auf Probleme des Schulplattform-Anbieters IServ zurückzuführen. Nach Angaben des Anbieters sind die Probleme aber inzwischen behoben.

Trotz aktueller technischer Schwierigkeiten bei Videokonferenzen zieht Schulsenator Ties Rabe (SPD) eine positive Bilanz der vergangenen Monate. Er sieht „dramatische Fortschritte“ bei der Digitalisierung der Hamburger Schulen. Seit Beginn der Pandemie seien die Anstrengungen erheblich gesteigert worden, sagte er am Dienstag im Rathaus in der Landespressekonferenz. Diese Anstrengungen kommen laut Opposition aber zu spät.

„Bei dem Ausbau von WLAN, der Beschaffung von Laptops und Tablets sowie der Installation und Nutzung von guten Lernprogrammen haben wir in den letzten neun Monaten die Zahlen mehr als verdreifacht. Das ist bundesweit sicher einmalig“, sagte Rabe. Statt 61 staatlichen Schulen seien jetzt 266 ordentlich mit WLAN ausgestattet. Man habe auch mehr Laptops und Tablets angeschafft. Mittlerweile stehen Schüler*innen 62.000 Laptops zur Verfügung. Zu Beginn der Pandemie seien es nur 17.000 Geräte gewesen.

Opposition: „Digitalen Kraftakt verschlafen“

Diese Maßnahmen wurden jedoch zu spät umgesetzt, heißt es aus Reihen der Opposition. Am Anfang habe es zu wenig Geräte gegeben und „jetzt fehlen die Fachkräfte, um diese zu installieren und auch zu warten“, kritisierte die schulpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, Birgit Stöver.

Für die Einrichtung und die Wartung der Geräte sind die Schulen selbst verantwortlich. Viele der genannten angeschafften Geräte von Schulsenator Rabe seien aber immer noch nicht einsatzbereit. „Insgesamt hat Rabe den nötigen digitalen Kraftakt nicht auf die Reihe bekommen und schlichtweg verschlafen“, sagte sie. Zudem sei es „reine Glückssache, ob das eigene Kind eine Schule besucht, die digital gut aufgestellt ist oder eben nicht“, so Stöver.

Weitere Kritik erntete Rabe von Schulexpertin Sabine Boeddinghaus aus der Linken. Hamburg hinke bei der digitalen Infrastruktur weit hinterher „und redet sich das dann auch noch schön“, so Boeddinghaus. Die FDP-Abgeordnete Anna von Treuenfels-Frowein warf Rabe vor, in nunmehr zehn Jahren als Schulsenator bei der Digitalisierung versagt zu haben. „Seit Beginn der Pandemie werden nun hektisch mehr Laptops bestellt – aber der Schulalltag zeigt, dass digitaler Unterricht trotzdem viel zu selten funktioniert“, sagte sie.

Noch Luft nach oben

Rabe räumte ein, dass trotz der Forschritte noch viel zu tun sei. Schwachpunkte seien unter anderem noch veraltete Server, die in einzelnen Schulen statt einer Cloud-basierten Lernsoftware zur Anwendung kämen, sowie Kapazitätsengpässe im Glasfasernetz der Stadt.

Angesichts der aktuellen Probleme bei Videokonferenzen kündigte Rabe an, die Technik für den Digital-Unterricht auszubauen. Sollten die Probleme auf dem IServ anhalten, müssten „als Notmaßnahme für eine begrenzte Zeit auch andere Dinge möglich werden“. Bisher lehnt Hamburg aber den Einsatz von Videokonferenz-Software großer kommerzieller Anbieter wie Zoom oder Microsoft Teams an den 371 staatlichen Schulen ab. Grund dafür seien Datenschutzbedenken.

erg/dpa

Titelbild: Unsplash