Einfamilienhäuser in Niendorf, Bürokomplexe in der Innenstadt und Großwohnsiedlungen in Billstedt: Wer mit der U2 durch Hamburg fährt, erfährt, wie vielseitig und unterschiedlich Hamburg hier ist. FINK.HAMBURG hat Daten und Fakten gesammelt – von der PKW-Dichte bis zum Wahlverhalten.

Die U2 in Zahlen:
Einweihung: 1973
Stationen: 25
Strecke: 24,53 Kilometer
Fahrzeit: 43 Minuten
Durchschnittsgeschwindigkeit: 34 km/h
Höchstgeschwindigkeit: 80 km/h

Wer in Niendorf-Nord in die U-Bahn steigt und die knapp 45 Minuten mit der U2 bis zur End- (oder Start-)haltestelle Mümmelmannsberg durchfährt, ist einmal durch die Stadt gefahren: 25 Stationen – vom Nordwesten bis in den Hamburger Osten. Auf dem Weg geht es durch drei Hamburger Bezirke und zehn Stadtteile, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Statistiken belegen die Gegensätze und die Gemeinsamkeiten der Stadtteile. FINK.HAMBURG zeigt sie euch.

Deutliche Unterschiede zeigen sich im Wahlverhalten der Anwohner*innen in den verschiedenen Stadtteilen bei der Bürgerschaftswahl 2020. Während die Linke im Stadtzentrum starke Ergebnisse erreicht, ist sie am Stadtrand eher schwach. Die CDU hat bei den Bürgerschaftswahlen das zweitschlechteste Ergebnis bei einer Landtagswahl seit Parteigründung erzielt – und konnte insbesondere in zentralen Stadteilen wie Eimsbüttel oder St. Pauli wenig Bürger*innen mobilisieren.

Besonders stark zeigen sich die Gegensätze im Stadtteil St. Pauli: Die Linke ist mit 28,8 Prozent der Stimmen hinter den Grünen die zweitstärkste Kraft. Die CDU hingegen kommt hier gerade einmal auf 3,1 Prozent – und schafft es damit nicht einmal über die Fünf-Prozent-Hürde. Je weiter man sich vom Stadtkern entfernt, desto stärker wird die CDU. Im Westen, in Niendorf, erzielt die CDU immerhin 13 Prozent, die Linke kommt hier nur auf 5,2 Prozent. Auch im Osten der Stadt, im Stadtteil Billstedt, ist die CDU stärker als die Linke.

Hamburg gilt als die inoffizielle Hauptstadt der Singles in Deutschland. Während am Stadtrand die Einpersonenhaushalte unter 50 Prozent liegen, sind im Zentrum der Hansestadt zwei von drei Haushalten Single-Haushalte. Mit 69 Prozent liegen St. Pauli und Neustadt gemeinsam an der Spitze. Das ist aber nicht der Höchstwert in Hamburg: 77 Prozent der Wohnungen im Stadtteil Kleiner Grasbrook und Steinwerder werden von einer Person bewohnt. In Lemsahl-Mellingstedt dagegen sind es laut Statistischem Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein nur 29 Prozent.

Auch beim Vergleich der Anteile von Jugendlichen (unter 18 Jahren) und älteren Menschen (über 65 Jahren) gibt es in den ausgewählten Stadtteilen in Hamburg Unterschiede. Der deutlichste Unterschied ist im Stadtteil Niendorf zu finden: Dort sind 26,2 Prozent der Menschen über 65 Jahre alt, nur 15,4 Prozent unter 18. Ein gegenteiliger Peak zeigt sich auf St. Pauli: 9,9 Prozent der Menschen, die hier wohnen sind über 65 Jahre alt und 13,4 Prozent Minderjährige.

In der Innenstadt sind sowohl die Anteile junger als auch alter Menschen gering. Vom deutlichen Unterschied in Niendorf abgesehen, ist in den restlichen Stadtteilen der Anteil der Minderjährigen ähnlich hoch wie der Anteil der älteren Menschen.

Tendenziell gilt aber insgesamt: Die Anteile älterer Menschen sind etwas höher als die jüngerer, was auch mit dem demografischen Wandel zusammenhängt: Bereits 2030 werden in Hamburg auf 100 erwerbstätige Personen 37 Senior*innen kommen. Laut Prognosen soll sich der Anteil der über 80-Jährigen von heute 5,1 Prozent auf 10,6 Prozent in 2060 erhöhen.

Bei der Arbeitslosenquote der Hamburger Stadtteile entlang der U2 fallen zwei Dinge direkt auf: Im Osten und auf Pauli ist die Arbeitslosenquote entlang der U2 am höchsten. Dabei ist die Arbeitslosenquote in Billstedt mit 7,5 Prozent noch minimal höher als auf St. Pauli mit 7,4 Prozent. Die Gesamtquote der Arbeitslosen lag in Hamburg im Dezember 2019 bei sechs Prozent. Diesen Wert übertreffen mit Borgefelde, Horn, St. Pauli und Billstedt nur vier Stadtteile.

Die medizinische Versorgung ist im Stadtzentrum besonders ausgeprägt. In Neustadt und St. Georg ist die Abdeckung von niedergelassenen Ärzte*innen und Apotheken pro 1000 Einwohner*innen am höchsten. In den umliegenden Stadtteilen und am Stadtrand sind die Zahlen der niedergelassenen Ärzte*innen vergleichsweise niedrig, mit Tiefpunkt in Borgfelde. Im bundesweiten Vergleich steht Hamburg mit einer Arztdichte von 2,70 pro 1000 Einwohner*innen (Stand 2017) an der Spitze, gefolgt von Berlin und Bremen.

Ein Grund für die niedrige Anzahl könnte auf die Vergangenheit von Borgfelde zurückgeführt werden. Durch die Zerstörung des Stadtteils im Zweiten Weltkrieg, reduzierte sich die Einwohner*innenzahl in Borgfelde drastisch. Auch heute noch zählt Borgfelde zu den einwohnerschwächsten Stadtteilen Hamburgs. Mit einer Größe von nur 0,9 Quadratkilometern ist Borgfelde auch der kleinste Stadtteil in der Hansestadt.

Die Apotheken-Dichte ist im Stadtkern zwar am höchsten, jedoch sind die Unterschiede zwischen den angrenzenden Stadtteilen und am Stadtrand weniger stark. Besonders deutlich wird durch die Grafik: Das medizinische Angebot ist am Stadtrand deutlich weniger ausgeprägt als im Stadtkern.

Die Anzahl der E-PKWs in Hamburg nimmt immer weiter zu, wie die Stadt kürzlich bekanntgab. Der nachhaltige und umweltschonende Kurs Hamburgs wird bereits seit 2013 mit der Kampagne „Hamburg macht E-Mobil“ gestärkt. Teil dieser Kampagne: Für E-PKWs fällt im gesamten Stadtgebiet für jeweils zwei Stunden keine Parkgebühr an. Darüber hinaus wird das Netz der Elektro-Ladestationen weiter ausgebaut. So soll Hamburger*innen der Schritt zum eigenen Elektrofahrzeug attraktiver gestaltet werden.
Die meisten PKWs ganz allgemein gibt es in Billstedt, die wenigstens in Borgfelde. Auffällig dabei: Die Zahl der Elektrofahrzeuge pro 1000 Einwohner ist nicht in dem Stadtteil am höchsten, in dem die meisten Fahrzeuge vorkommen. Mit 390 E-PKWs ist Neustadt der Stadtteil der Zukunftsmobilität in Hamburg – während in Horn nur sechs E-PKWs gemeldet sind.


Die hier dargestellten Daten stammen vom Statistischem Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein (Berichtsjahr 2019) und der Stadt Hamburg (Stand: 2020).
Inspiration für die Visualisierung waren die „M29 – Berlins Buslinie der großen Unterschiede“ der Berliner Morgenpost und „Inequality And New York’s Subway“ von
The New Yorker.

Titelbild: Datawrapper

Vorheriger ArtikelVier Verhaftungen und mehr als 100 Kilo Marihuana
Nächster ArtikelPräsidium des HSV zurückgetreten
Es gibt keine Zeile im Film „My Fair Lady“, die Aniko Schusterius, Jahrgang 1996, nicht fehlerfrei mitsprechen kann. Trotz dieses Talents, zehn Jahren Gesangsunterricht und ihres großen Interesses für Musicals hat sich die Berlinerin letztlich gegen eine Bühnen-Karriere entschieden. Nach dem Abitur arbeitete sie als Regie- und Produktionsassistentin in verschiedenen Kindertheatern. Dort musste sie unter anderem lernen, dass Luftballons auf einem Straßenfest eine hochkomplexe bürokratische Hürde darstellen können. Während ihres Bachelors in Theaterwissenschaften und Niederlandistik lebte sie ein halbes Jahr in Groningen. Dort fühlte sie sich wegen des entspannten Lifestyles wohl, und auch, weil sie mit ihren 1,82 Meter das erste Mal nicht auffiel. Für die „Berliner Zeitung“ veröffentlichte sie erste Kolumnen. Auch mit Radio kennt sie sich aus: An der „Frankfurter Hörfunkschule“ lernte sie texten und einsprechen. Vor dem Start an der HAW sammelte Aniko noch mehr Medien-Erfahrung durch Praktika bei „Radioeins“ und beim Fernsehkanal der „Welt“ in Berlin. Dort lauerte sie auch schon mal frühmorgens vor einem Hotel, um Gesundheitsminister Jens Spahn einen O-Ton zu entlocken. Kürzel: ans