Trotz ihrer Erfolge sind Schwarze Menschen in Deutschland bislang selten sichtbar. Dayan Kodua möchte das ändern. FINK.HAMBURG hat mit der Schauspielerin über ihre Buchprojekte, ihre Ziele und Wünsche gesprochen.

„Wo sind unsere Schwarzen Vorbilder?“ Schon als Jugendliche hat sich die Wahl-Hamburgerin Dayan Kodua diese Frage gestellt. Im Alter von zehn Jahren zog sie mit ihren Eltern von Ghana nach Kiel. Dass es erfolgreiche Menschen mit ihrer Hautfarbe gibt, hat Kodua aber erst nach dem Abitur bei einem Aufenthalt in Amerika so richtig wahrgenommen.

Buch My Black Skin
Buchcover von „My Black Skin – Schwarz. Erfolgreich. Deutsch.“ Foto: Thomas Leidig

Schwarze Menschen gehen auch in Deutschland den unterschiedlichsten Berufen nach, was oft übersehen wird. Alltäglich werden Schwarze mit verletzenden Vorurteilen konfrontiert, wie jüngst ein Fall aus Hamburg zeigt, bei dem ein Schwarzer Lehrer für einen Einbrecher gehalten wurde.

Ein Grund dafür sind unter anderem auch die Medien. Hier werden Black, Indigenous und People of Color (kurz BIPoC, siehe Infokasten) mitunter klischeehaft dargestellt oder es wird unter Nutzung rassistischer Ausdrücke über sie gesprochen. Selten werden die Diversität und die Erfolge der marginalisierten Gruppen sichtbar gemacht. Mit ihrem Bildband „My Black Skin – Schwarz. Erfolgreich. Deutsch.“ will Herausgeberin und Initiatorin des Buches Kodua das ändern. Der erste Band ist 2014 erschienen, nun soll es einen zweiten Teil geben.

Der Begriff „Schwarz“ wird groß geschrieben. Ebenso wie bei „weiß“, was häufig klein und kursiv geschrieben wird, ist nicht der Hautton einer Person gemeint. Es handelt sich bei „Schwarz“ um eine Selbstbezeichnung, die die politische und gesellschaftliche Positionierung einer Person beschreibt. Schwarze Menschen verbindet unter anderem ihre Rassismuserfahrung. Weiße Menschen hingegen gelten als privilegiert, sie sind nicht von Rassismus betroffen. Mit den Bezeichnungen „Schwarz“ und „weiß“ will die Antirassismus-Bewegung rassistischer Sprache entgegenwirken.

25 afrodeutsche Persönlichkeiten in einem Buch

Von einem Arzt über eine Professorin bis hin zum Nachrichtensprecher oder Sternekoch: In dem ersten Bildband zeigen 25 afrodeutsche Protagonist*innen, dass man unabhängig von der Hautfarbe alles erreichen kann. Sie sind ihren Weg gegangen – trotz offener Anfeindungen in ihrer Heimat Deutschland.

Professorin Rose Baaba Folson
Protagonistin und Professorin Rose Baaba Folson. Foto: Thomas Leidig

Im Fokus des Bildbandes stehen die Fotografien des Hamburger Fotografen Thomas Leidig. Ergänzt werden sie durch einfühlsame Texte der Autorin Susanne Dorn, in denen der jeweilige Lebensweg beschrieben ist.

„So ein Buch ist Aufklärungsarbeit“

Nach dem Erfolg des ersten Bildbandes arbeitet Kodua nun an dem zweiten Teil, in dem sie weitere Schwarze Vorbilder zeigen möchte. „My Black Skin – Heldenreise“ soll er heißen und voraussichtlich im Herbst 2021 erscheinen.

Im Interview mit FINK-Redakteurin Linda spricht Kodua über den Weg zu ihren Buchprojekten, ihre Ziele und Wünsche.

Diversität bedeutet nicht das Umfärben von Figuren

Für ihren ersten Bildband musste Kodua ein Jahr lang nach einem Verlag suchen, der ein Buch mit 25 afrodeutschen Protagonist*innen verlegt. Vielleicht sähe das heute anders aus. „Ich habe das Gefühl, dass Diversität jetzt in ist. Alle wollen Diversität“, sagt sie.

„viele haben jetzt angefangen, kinderbücher zu schreiben und die Figuren werden schwarz gefärbt.“

Das klingt zunächst nicht schlecht. Kodua merkt aber am Beispiel von Kinderbüchern an: „Viele haben jetzt angefangen, Kinderbücher zu schreiben und die Figuren werden schwarz gefärbt. Das finde ich zwar gut, aber nicht immer sehr authentisch. Man macht es, weil die Welt das sehen möchte.“ Wenn in Kinderbüchern beispielsweise die Geschichte eines Schwarzen Kindes erzählt wird, sollten auch wirkliche Erfahrungen Schwarzer Menschen in den Entstehungsprozess miteinfließen. Nur so wird die Geschichte authentisch, findet Kodua.

Was heißt BIPoC? BIPoC steht für Black (dt. Schwarz), Indigenous (dt. Indigen), People of Color. Die Begriffe sind politische Selbstbezeichnungen verschiedener Gruppen, die strukturellen Rassismus erfahren. Sie sind aus einem Widerstand entstanden und stehen für den Kampf gegen Unterdrückung und für mehr Gleichberechtigung.

2019 hat Kodua ihren eigenen Verlag gegründet. Hier erschien auch ihr erstes Buch, das Kinderbuch „Odo“. Mit dem Verlag möchte sie nicht nur eigene Bücher veröffentlichen, sondern auch anderen Menschen mit ihrer Hautfarbe die Chance geben, deren Geschichten mit der Welt zu teilen.

Titelbild: Katharina Lux

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Wenn sie etwas sagt, hören Schauspieler*innen ganz genau zu: Linda Proske, Jahrgang 1995, rettet im Theaterverein regelmäßig als Souffleuse den Abend. Herausforderungen nimmt sie an: Eigentlich trainierte sie auf einen Halbmarathon, da waren die Startplätze allerdings vergeben. Daher lief sie gleich den Hamburger Marathon. Für ihren Bachelor in Kommunikationswissenschaft zog sie von Rostock an der schönen Ostsee quer durch Deutschland in den Kessel nach Stuttgart. Mit einem Praktikum bei ProSiebenSat.1 erfüllte sich für Linda ein Kindheitstraum. Dort textete sie für „Galileo“ die Werbetrailer. Im Studio traf sie Bully Herbig, der grüßte sie zwar nicht, Thore Schölermann aber schon. Zurück im Norden schrieb sie Werbetexte für Kühne, „die mit den Gewürzgurken“. Die Unterscheidung zwischen Salat- und Gewürzgurken ist ihr daher besonders wichtig. Ihr Lieblingsdrink ist naheliegend: Gin Tonic. Kürzel: lip