Im Jahr 2020 wurden in Hamburg 20,7 Prozent mehr Fahrräder gestohlen im Vergleich zum Vorjahr. Damit trotzt die Stadt dem bundesweiten Abwärtstrend.

Die Fahrrad-Industrie ist einer der Gewinner der Pandemie. Obwohl im Jahr 2020 mehr Menschen Fahrrad fuhren, wurden deutschlandweit weniger Räder gestohlen als 2019. Hamburg trotzt dem Trend: Hier wurden im vergangenen Jahr deutlich mehr – 20,7 Prozent – Räder entwendet.

Im vergangenen Jahr wurden bundesweit 260 956 Fahrräder als gestohlen angezeigt, das geht aus der Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage von Bundestagsabgeordneten Christopher Gohl (FDP) hervor. Somit sinkt die Zahl der Fahrraddiebstähle im Verglich zum Vorjahr. Da waren es 277 874 Fälle. Der Abwärtstrend der vergangenen Jahre setzt sich fort.

Diebe hatten mehr Gelegenheit

2020 wurden in Hamburg hingegen 2498 Fahrräder mehr entwendet. Waren es 2019 noch 12 079 angezeigte Diebstähle, wurden 2020 schon 14 577 Fahrräder als gestohlen gemeldet. Polizeipräsident Ralf Martin Meyer erklärte die Entwicklung mit vermehrten Tatgelegenheiten. Denn die Hamburger:innen fuhren 2020 33 Prozent häufiger mit dem Fahrrad, um Sport zu treiben oder den öffentlichen Nahverkehr zu meiden. Fahrräder seien auch aufgrund eines knapperen Angebots durch Liefer- und Produktionsengpässe besonders begehrt gewesen, teilte die Hamburger Polizei mit.

Die Diebstähle fanden fast alle im öffentlichen Raum statt. Aufgeklärt werden nur drei bis vier Prozent der Fälle. Deshalb appellierte LKA-Chef Mirko Streiber bereits im Februar bei der Vorstellung der Kriminalstatistik an die Besitzer:innen ihr Bike codieren zu lassen.

Fahrraddiebstahl, Kriminalität
Nur abgeschlossene Fahrräder sind versichert. Foto: Pixabay

Suche auf Ebay lohnt

Studentin Charlotte Peters war eine der 14 577 Personen, denen 2020 ihr Fahrrad gestohlen wurde. Das Rad war in einem Wohngebiet in Barmbek vor der Haustür angeschlossen gewesen. „Das Fahrrad hatte vor allem einen hohen emotionalen Wert für mich, weil es meiner verstorbenen Mutter gehört hat“, sagt Charlotte. Nach der Anzeige hörte sie lange nichts.

Dann fand sie ihr Fahrrad anhand sehr markanter Merkmale nach langer Suche auf Ebay wieder. Als auf ihre Anfrage keine Antwort kam, versuchte es ihr Onkel. Bei der Übergabe wartete dann aber nicht er, sondern die Poilzei in zivil. Charlotte erhielt ihr Rad zurück:“Ich hätte nicht gedacht, dass die Polizei so viel Zeit investiert für einen kleinen Fahrraddiebstahl.“ Anders als von den Ermittlern erhofft, waren die Diebe aber nicht Teil einer organisierten Bande.

Einzelne Räder teurer

Auch der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) verzeichnet für Hamburg einen Anstieg an gestohlen Rädern: 20 Prozent mehr Versicherungsfälle als im Vorjahr. Wie das Hamburger Abendblatt berichtet lag die Schadenssumme im vergangen Jahr bei knapp 8,2 Millionen Euro und somit 1,7 Millionen Euro höher als im Vorjahr. Das liegt auch daran, dass einzelne Räder wertvoller waren.

kab

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