Für viele Hamburger Bühnen geht endlich wieder der Vorhang auf. Sieben Monate lang durften Theater keine Gäste empfangen. Geprobt wurde aber trotzdem. Jetzt wartet ein Sommer voller spannender Inszenierungen.

Von Lukas Barth, Lilly Brosowsky, Manuel Kunst, Anna Nguyen und Julia Rupf

Die Theater sind zurück: Wer Kunst auf den schönen Bühnen Hamburgs erleben will, kann sich jetzt wieder außergewöhnliche Inszenierungen ansehen und sowohl Norddeutsche Romantik erleben als auch bei einem schauspielerischem Festival dabei sein. Oder als Publikum Teil der Inszenierung werden. Nur nicht zu lange zögern beim Ticketkauf:  Veranstaltungen im Innenraum finden aktuell nur mit maximal 100 Personen statt. Es wird aber auch im Freien Auftritte mit mehr Plätzen geben.

Klabauter Theater: „Mythen der Zweckmäßigkeit“

Ab dem 17. Juni ist das Klabauter Theater wieder zurück und zeigt eine Performance zum Thema Mythen und Digitalität. Das Stück heißt „Mythen der Zweckmäßigkeit – Digitally Enhanced Performances“ und hinterfragt die Logik der antiken Mythen in der heutigen Zeit. Insbesondere geht es um die Themen Ausgrenzung, Identität, Diversität, Liebe und Freundschaft. Das Publikum kann sich auf digitale Mittel wie Hologramme, Live-Kamera oder Körper-Scans freuen. Zu sehen ist die eindrucksvolle Performance von Theaterleiterin Karin Nissen-Rizsvani, Medienkünstler Ilja Mirsky, Bühnenkünstlerin Yi-Jou Chuang und dem Klabauter Theater Ensemble vom 17. bis 19. Juli sowie vom 03. bis 06. November.

17. bis 19. Juni und 03. bis 06. November: Klabauter Theater, Jungestraße 7a, 20535 Hamburg, mehr Infos hier

Schauspielhaus Hamburg: „Backstage Festival“


​Der Jugendclub des Deutschen Schauspielhauses knüpft dieses Jahr mit dem achten „Backstage Festival“ in Folge an. Am 17. Juni um 19 Uhr startet die Veranstaltungsreihe mit dem Stück „Pinocchio ist Punk“. Insgesamt neun Aufführungen hat der Jugendclub vorbereitet. Das „Backstage Festival“ kann man bis zum 24. Juni besuchen oder per Livestream mitverfolgen.

17. bis 24. Juni, MaalerSaal Schauschpielhaus, Kirchenallee 39, 20099 Hamburg, mehr Infos hier

Lichthof Theater: „Vyre“

Beim Theater nicht nur vor der Bühne sitzen, sondern beim Geschehen mitmischen? Das geht bei der neuesten Inszenierung des Lichthof Theaters. Bei „Vyre“ erkundet das Publikum gemeinsam mit den Schauspielenden ein Biohacking-Labor in Hamburg. Es geht dabei um künstliche Intelligenz, das Internet und die Zukunft des Menschen inmitten der Digitalisierung. Passenderweise arbeitet das Ensemble dabei mit Virtual Reality. Das verspricht außergewöhnliche Abende und vielleicht ein paar neue Denkanstöße.

26. Juni bis 4. Juli, Lichthof Theater, externer Schauplatz: Wartenau 16, 22089 Hamburg, Mehr Infos hier

Thalia Theater: „Mittagsstunde“

Der Roman „Mittagsstunde“ von Dörte Hansen kommt als Theaterstück auf die Bühne des Thalia Theaters. Regie führt Anna-Sophie Mahler, die schon 2016  Josef Bierbichlers Roman „Mittelreich“ auf die Theaterbühne brachte. „Mittagsstunde“ spielt in dem fiktiven norddeutschen Dorf Brinkebüll, das den Wechsel zwischen Bauerntum und modernen Strukturwandel erlebt. Wer sich das Theaterstück ansehen möchte, sollte schnell sein: Für den Juni sind nur noch Restkarten verfügbar.

26. und 27. Juni, Thalia Theater, Alstertor, 20095 Hamburg, Mehr Info hier

Ohnsorg Theater: „Goot gegen Nordwind“

Holger Dexne in "Goot gegen Noordwind". Foto: Sinje Hasheider.
Holger Dexne in „Goot gegen Noordwind“. Foto: Sinje Hasheider.

Den Roman „Gut gegen Nordwind“ von Daniel Glattauer wurde ins Plattdeutsche übersetzt und kommt nun auf die Bühne des Ohnsorg Theaters. Kurzer Teaser: Durch einen Tippfehler landet die Mail von Protagonistin Emmi im Postfach von Leo. Die beiden fangen an, sich zu schreiben und bauen eine immer tiefer gehende Beziehung auf. Das Problem dabei: Emmi ist eigentlich glücklich verheiratet und Leo noch dabei die Trennung seiner Beziehung zu verarbeiten. Ob das gut geht?

Juni und Juli, Ohnsorg Theater Theater, Heidi-Kabel-Platz 1, 20099 Hamburg,  Mehr Info hier

Sprechwerk: „Die Kreuzung“

Am 02. Juli feiert „Die Kreuzung“ im Hamburger Sprechwerk Premiere. „Die Kreuzung“ ist ein Zusammenspiel von mehreren Geschichten: darunter ein Unfall, eine Geiselnahme, ein weiteres Verbrechen und eine Rettung. Das Stück ist der neue Theaterabend von Meyer und Kowski. Die Schauspielerin Susanne Reifenrath und der Schauspieler Morit Brendel spielen ein Erlebnis aus ihrer Vergangenheit noch einmal ganz genau nach.

Premiere am 02. Juli, um 20 Uhr, Klaus-Groth-Straße 23, 20535 Hamburg, mehr Infos hier

Thalia Theater: „Shockheaded Peter“

Bühne im Thalia Theater, darauf wird das Stück Shockheaded Peter gespielt.
Shockheaded Peter auf der Bühne vom Thalia Theater. Pressefoto: Fabian Hammerl.

„Shockheaded Peter“ bedient sich Bildern aus der Geschichte „Struwwelpeter“ – man erinnere sich an die wilden Haare, lange Fingernägel und die antiautoritäre Einstellung des Protagonisten. Außerdem scheinen Ideen aus „Herr der Fliegen“ ihren Weg in die Inszenierung gefunden zu haben. Hauptprotagonist:innen sind auf der Bühne des Thalia Theaters nämlich Kinder, die zwischen Anarchie und Selbstdisziplinierung ein Leben ohne Erwachsene versuchen. In etwa so aufreibend, gruselig und spannend wie „Struwwelpeter“ und „Herr der Fliegen“ dürfte die Inszenierung werden, die das Team selbst „Junk-Oper“ nennt. Untermalt wird das Stück mit den passenden Sounds: britischer Punk, Kunstmusik und Blues.

Premiere am 21. August 2021, Thalia Theater, Alstertor, 20095 Hamburg, Mehr Info hier

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Lilly Brosowsky, 1994 ist im Schatten der Zugspitze aufgewachsen: in Garmisch-Partenkirchen. Der Höhenlage ist sie lange treu geblieben, hat mal auf 3.640 Meter Höhe in La Paz als Barkeeperin gearbeitet, mal Waliser Schwarznasenschafen auf einer Hochhausalm in München die Klauen geschnitten. Nach sieben Jahren in München musste sie im flachen Hamburg erst einmal lernen, dass sie in einer Bäckerei fragend angeschaut wird, wenn sie Fleischpflanzerlsemmeln bestellt. Dabei ist sie kulinarisch durchaus aufgeschlossen: Als Volontärin kostete sie für „Mit Vergnügen“ bereits kandierte Heuschrecken. Für das Stadtmagazin schrieb sie unter anderem über die Münchner Szene. Als sie den Hype eines Clubs kritisch kommentierte, wurde sie von der „Süddeutschen Zeitung“ auf Instagram zitiert. Vor ihrem Volontariat hat Lilly einen Bachelor in Literaturwissenschaften und einen in Philosophie gemacht. Sie wünscht sich für die Zukunft Feminist:innen wie Sophie Passmann wegen ihrer progressiven Ansichten zu interviewen. (Kürzel: bros)

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