Benin-Bronzen im MARKK vor Rückgabe nach Nigeria.
Benin-Bronzen vor Rückgabe nach Nigeria. Foto: Pressematerial MARKK

Deutschlandweit geben Museen 2022 Bronzen an Nigeria zurück, die als Raubgut gelten. Auch das Museum am Rothenbaum – Kulturen und Künste der Welt. Zuvor werden die Ausstellungsstücke noch einmal gezeigt.

Deutschland nimmt im Umgang mit seiner kolonialen Vergangenheit eine Vorreiterrolle ein und gibnt 2022 die sogenannten Benin-Bronzen zurück. Die Rückgabe dieser Kunstschätze fordert Nigeria schon seit einigen Jahren. Sie wurden, wie viele andere Artefakte von den Kolonialmächten – in Nigerias Fall der britischen Armee – nach Europa gebracht. Die Statuen und Tafeln aus Bronze sind nach dem ehemaligen Königreich Benin benannt. Es lag im heutigen Nigeria. Unter anderem die Benin-Bronzen werden ab Freitag ein letztes Mal im Museum am Rothenbaum – Kulturen und Künste der Welt, kurz MARKK, in Hamburg ausgestellt.

Koloniale Vergangenheit im MARKK aufgearbeitet

Neben der Ausstellung von etwa 170 Exponaten spricht die Direktorin des Museums, Barbara Plankensteiner, am Freitag um 18 Uhr mit dem nigerianischen Künstler Enotie Paul Ogbebor über die Rückgabe und koloniale Vergangenheit der Kunstwerke. Er hat in der nigerianischen Stadt Benin City unter anderem die Edo Global Art Foundation für die Ausbildung junger Künstler:innen gegründet. Wie lange die Exponate im MARKK zu sehen seien werden, ist noch unklar. Dies hänge davon ab, wann genau die Rückführung nach Nigeria startet, so eine Sprecherin des Museums auf Anfrage von FINK.HAMBURG. Vermutlich sei ein Besuch der Ausstellung aber bis Ende des Jahres 2021 möglich.

Die Ausstellung „Benin. Geraubte Geschichte“ zeigt nicht nur die Statuen und Tafeln, sondern arbeitet die koloniale Vergangenheit auf und befasst sich mit der Provenienz, also der Herkunft der Artefakte. Das MARKK engagiert sich in der Provenienzforschung sehr. So hat das Museum mit Unterstützung der Ernst von Siemens Kunststiftung das Projekt Digital Benin gestartet. Das Projekt soll auf der ganzen Welt zerstreute Kunstwerke des ehemaligen Königreiches Benin digital zusammenführen. Die Benin-Bronzen sind weltweit zum Symbol der kolonialen Aufarbeitung geworden.

Benin-Bronzen in ganz Deutschland

Neben dem Hamburger Museum werden weitere Museen Benin-Bronzen zurückgeben. Draunter sind das Dresdner Völkerkundemuseum, das Leipziger Museum für Völkerkunde Grassi, das Kölner Rautenstrauch-Joest-Museum und das Ethnologische Museum in Berlin. Die Rückgabe der Kunstwerke hatte die damalige Kulturstaatsministerin Monika Grütters im April 2021 gemeinsam mit Expert:innen beschlossen.

Koloniale Kunstwerke zurückzuführen ist häufiger ein schleppender Prozess, denn die Herkunft beziehungsweise die recht- oder unrechtmäßige Beschaffung der einzelnen Exponate zu bestimmen, ist aufwendig. Provenienzforscher wie Jamie Dau vom MARKK müssen regelrechte Detektivarbeit betreiben.

bros/dpa

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Lilly Brosowsky, 1994 ist im Schatten der Zugspitze aufgewachsen: in Garmisch-Partenkirchen. Der Höhenlage ist sie lange treu geblieben, hat mal auf 3.640 Meter Höhe in La Paz als Barkeeperin gearbeitet, mal Waliser Schwarznasenschafen auf einer Hochhausalm in München die Klauen geschnitten. Nach sieben Jahren in München musste sie im flachen Hamburg erst einmal lernen, dass sie in einer Bäckerei fragend angeschaut wird, wenn sie Fleischpflanzerlsemmeln bestellt. Dabei ist sie kulinarisch durchaus aufgeschlossen: Als Volontärin kostete sie für „Mit Vergnügen“ bereits kandierte Heuschrecken. Für das Stadtmagazin schrieb sie unter anderem über die Münchner Szene. Als sie den Hype eines Clubs kritisch kommentierte, wurde sie von der „Süddeutschen Zeitung“ auf Instagram zitiert. Vor ihrem Volontariat hat Lilly einen Bachelor in Literaturwissenschaften und einen in Philosophie gemacht. Sie wünscht sich für die Zukunft Feminist:innen wie Sophie Passmann wegen ihrer progressiven Ansichten zu interviewen. (Kürzel: bros)