Das “Museum of Popcorn”, ein sogenanntes Content-Museum, hat am 5. Juni in der Hafencity eröffnet. Die Location bietet Besucher:innen eine Vielzahl an Kulissen, um sich für Foto und Video zu inszenieren. Macht das Spaß? FINK.HAMBURG war vor Ort und hat den Test gemacht.

Ein Artikel von: Lukas Barth, Laura Wrobel und Marieke Weller

In der Hafencity hat ein neues Museum eröffnet – jedenfalls nennt es sich so. Das “Museum of Popcorn” ist eine Freizeitlocation am Überseeboulevard, die aus aktuell über 23 bunten und überdimensionalen Kulissen besteht. Besucher:innen können sich im sogenannten Content-Museum selbst inszenieren und den Spaß in Bild und Video einfangen. 

Ein Hygienekonzept für Fotos ohne Maske

Aktuell können Besucher unter Einhaltung der üblichen Hygieneregelungen einen zweistündigen Besuch buchen. Im 30-Minuten-Takt wird eine begrenzte Gruppenanzahl reingelassen. Ein negativer Corona-Test ist nicht nötig, dafür müssen Gäste sich vor Ort mit der Luca-App ein- und auschecken. Die Maske darf bei den einzelnen Fotostationen abgenommen werden. 

Familie Wolf, die selbsternannten “Happiness Activists”

Beim „Museum of Popcorn“ handelt es sich um ein Familienunternehmen. Ann-Christin Wolf teilt sich die Inhaberschaft mit ihrem Stiefvater Hans-Jürgen Zahlten, während ihr Mann Björn sich um das Marketing kümmert. Zusätzlich ist Ann-Christin für das Produkt und die Kulissen verantwortlich. Die Idee für das “Museum of Popcorn” hatte Björn, als er einen Podcast hörte, indem das „Supercandy Pop-up Museum“ in Köln Ehrenfeld zur Sprache kam. “Warum gibt es sowas nicht in Hamburg? Wir sind doch die Stadt der Musicals und Selbstdarstellung”, dachte sich das Ehepaar. 

Was das Hamburger Content-Museum von seinesgleichen in Deutschland unterscheidet, sind die Kiez-Kulissen. Und das in Hamburg hergestellte Popcorn, welches in sechs Sorten zum Verkauf steht. “Außerdem shooten wir für unser Werbematerial nicht mit gebuchten Models. Jeder soll sehen und verstehen, dass man auch Fotos mit ein bisschen mehr Bauch und Po machen kann”, erklärt Ann-Christin.

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Familie Wolf und ihre Popcorn-Crew bezeichnen sich als “Happiness Activists”. Familien mit Kindern sollen auch zur Zielgruppe gehören. Der Spaß stehe im Fokus. Das „Museum of Popcorn“ ist laut Ann-Christin keine Location, die vordergründig für Influencer:innen und Content-Creatoren gedacht ist. Ein Presse-Event mit bekannten Gesichtern aus Hamburg gab es trotzdem, darunter unter anderem Kai Schwarz (Hamburger DJ und Musikproduzent) und Janika Jäcke (Bachelor-Kandidatin).  

“Instagram-Museen” – ein Trend aus Amerika

Die Idee eines Content-Museums für Instagram-reife Fotos und Videos stammt ursprünglich aus Amerika. Dort wurde mit dem “Museum of Ice Cream” 2016 das erste Pop-Up-Museum mit kaugummifarbenen Kulissen Rund um das Thema Eis eröffnet. Kurz danach folgten weitere Museen mit Süßigkeiten-Themen in den USA. Nur zwei Jahre später gab es mit dem “Supercandy” in Köln das erste Instagram-Museum in Deutschland. 

Geplant und entwickelt haben Ann-Christin und ihre Familie das Museum of Popcorn bereits vor zwei Jahren. Wäre Corona nicht gewesen, hätten sie bereits 2020 geöffnet. Die Inhaberin entwarf verschiedene Konzepte, denn ursprünglich sollte das Content-Museum seinen Platz in Altona finden. Doch der Standort wurde kurzfristig gegen die touristische Hafencity getauscht.  

Kulisse, wechsle dich!

Was das Content-Museum am deutlichsten von einem klassischen Museum unterscheidet, ist, dass alle Requisiten vollmassiv sind. Für das perfekte Foto darf also alles angefasst und eingesetzt werden: von einem riesigen Schaukelpferd über Poledance-Stange à la Reeperbahn bis hin zur pinkfarbenen Turnhalle. In jedem Raum hängen LED-Leuchten, die sich für Farbenspiele und die individuelle Ausleuchtung eignen. Für Ann-Christin sind die Lichter eines der Alleinstellungsmerkmale des Museums. „Die werden auch von Profifotografen genutzt.“ Ein Bällebad wurden etwa mit den Lichtern illuminiert, um die Kulisse beweglich erscheinen zu lassen.  

Damit Besucher:innen öfter vorbeischauen, werden die Kulissen von der “Popcorn-Crew” alle drei Monate verändert und teilweise an die Jahreszeit angepasst. Besucher:innen können so beispielsweise im Oktober schon Fotos für Weihnachten shooten. Die wechselnden Kulissen werden jedoch nicht weggeworfen, sondern für weitere Zwecke aufgehoben oder recycelt.

Fotograf, Stylist:innen, Make-up-Artisten

Die Inhaber der Location haben an alles gedacht: Wer sich vor Ort stylen und umziehen möchte, kann das im dafür bereitgestellten Bereich machen. Ein eigener Fotograf ist für die Besucher:innen als Ansprechpartner da. Die Aushilfen werden zusätzlich in Sachen Kameraeinstellungen und Licht geschult. Weitere Angebote, wie ein Fotokurs oder -Shooting, sollen zukünftig buchbar sein. In Absprache können sogar Pakete mit Stylist:innen und Make-up-Artisten angefragt werden. “Bei uns zählt nicht nur das Foto, sondern dass die Menschen eine gute Zeit bei und mit uns haben”, sagt die Inhaberin. Auch privat kann die Location gebucht werden.

Überhaupt haben Ann-Kristin und ihr Team schon viele Pläne für das kommende Jahr. Die gebürtige Flensburgerin schließt es nicht aus, in ein paar Jahren ein weiteres Content-Museum in Deutschland zu eröffnen – vielleicht in ihrer Heimatstadt. 

Macht ein Besuch im “Museum of Popcorn” Spaß? Unser Test-Fazit

Als wir den Namen “Museum of Popcorn” gelesen haben, ist uns nicht direkt eine knallbunte Location für den perfekten Social-Media-Auftritt in den Sinn gekommen. Viel mehr dachten wir im ersten Moment an eine Ausstellung von Bildern oder eine Sammlung von Kunstwerken. Vielleicht sogar über Popcorn oder aber über Pop Art – an ein “echtes” Museum eben. Eines davon stimmt: Popcorn gibt es wirklich. No joke! Warum man das ganze jedoch Museum nennt und auf Popcorn trimmt, ist uns auch nach dem Besuch ein Rätsel geblieben.

Den Gründer:innen ist es wichtig, dass im sogenannten Museum alle willkommen sind. Egal ob jung oder alt, Influencer:innen oder auch Familien. Die Kulissen soll jeder nutzen können und für alle ein tolles Erlebnis bieten. An sich eine schöne Idee. Neben den Schminktischen, betreuenden Make-up-Stylist:innen, Ringlichtern, zubuchbaren Fotograf:innen oder Umkleidekabinen für einen Outfitwechsel kam uns das jedoch nicht ganz so authentisch vor. Ob Familien auch bis zu 29 Euro pro Person für das “perfekte” Bild zahlen, sei mal dahingestellt.

Nach etwa zwei Stunden haben wir uns mehr oder weniger erfolgreich durch jede Kulisse fotografiert und wir müssen gestehen: Es hat uns definitiv Spaß gemacht. Auch wenn wir dem Ganzen zu Beginn etwas kritisch gegenüber eingestellt waren. Denn in Zeiten von Instagram hat man sich wirklich schon sattgesehen an perfekt inszenierten Selfies in fancy Bällebädern, die dann im Nachgang – Facetune sei Dank – bearbeitet werden.

Wir haben uns jedoch eher in unsere Teenager-Jahre zurückversetzt gefühlt, als man mit dem oder der besten Freund:in noch ein schönes Foto schießen wollte. Natürlich durfte man nicht verzweifelt sein, wenn es nicht so aussah wie erwartet. Aber schließlich ist Spaß haben alles und das bietet das „Museum of Popcorn“ auf alle Fälle, auch ohne perfekte Fotos für Social Media.

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