Der Eingang des Hotel Hong-Kong. Marietta Solty übernahm die Gaststätte nach der Chinesenaktion von ihrem Vater. Foto: Astrid Benoelken
Der Eingang des Hotel Hong-Kong. Marietta Solty übernahm die Gaststätte nach der Chinesenaktion von ihrem Vater. Foto: Astrid Benoelken

Die „Hong Kong Bar“-Betreiberin Marietta Solty ist gestorben. Nun ruft die Familie zu einer Spendenaktion für die Bestattung auf. Auch die Kult-Kneipe hat unter der Corona-Pandemie gelitten. 

Am Dienstagabend ist Marietta Solty, die Tochter des Gründers der „Hong Kong Bar“, verstorben. Das teilte die Enkelin der Verstorbenen auf den sozialen Netzwerken mit. Solty betrieb zuletzt selbst die Kult-Kneipe auf dem Hamburger Berg.

Wie die Enkelin Laura von Marietta Solty auf Instagram schreibt, ist Marietta Solty im Alter von 78 Jahren an einer schweren Krankheit verstorben. Seit 1983 führte Solty die „Hong Kong Bar“ und stand auch selbst eine lange Zeit hinter dem Tresen.

„Hong Kong Bar“ bittet um Unterstützung

„Wir möchten uns bei Euch für Eure unzählige Unterstützung in den letzten 1 1/2 Jahren bedanken!“, schreibt Laura auf Instagram. Die Pandemie traf auch die Kiez-Kneipe hart: Aufgrund von Umbauarbeiten seien keine finanziellen Rücklagen mehr vorhanden, teilt die Familie der Verstorbenen mit.

„Zum jetzigen Zeitpunkt ist es noch ungewiss, ob der Laden weiterhin bestehen wird“, heißt es weiter. Zur Unterstützung hat die Familie eine Spendenaktion gestartet. Das Geld diene der Bestattung von Marietta Solty: „Alle Spenden die nicht für die Bestattung benötigt werden, werden wir an gemeinnützige Organisationen spenden“, schreibt Laura auf dem offiziellen Instagram-Kanal der Bar.

Die Geschichte der „Hong Kong Bar“

Vor 92 Jahren kam Soltys Vater Chong Tin Lam als Seefahrer aus China nach Hamburg. Damals ließen sich einige Seemänner in Hamburg nieder und betrieben verschiedene Geschäfte wie Restaurants oder Wäschereien – so entstand das erste deutsche „Chinatown“.

Als 1944 die Nazis Hamburg erreichten, stürmte die Polizei bei der so genannten „Chinesenaktion“ etliche Wohnungen und Geschäfte. Auch Chong Tin Lam war betroffen. Der Vater von Solty verbrachte etwa ein Jahr in Gefangenschaft (einen Bericht von FINK.HAMBURG dazu findet ihr hier). Erst in den 1950er Jahren bekam er die „Hong Kong Bar“ zurück.

Mit 21 Jahren begann Marietta, ihrem Vater in der Kneipe zu helfen. Seither lebte sie für die „Hong Kong Bar“, wie sie im FINK.HAMBURG-Interview erzählte. Bis heute ist die Kneipe einer der wenigen Überbleibsel aus der damaligen Zeit des Chinaviertels auf dem Kiez.

jup

Vorheriger ArtikelNeues Konzept zur Verwertung von Elbschlick
Nächster ArtikelDer Konzerte-Sommer in Hamburg
Julia Rupf, Jahrgang 1995, hat Xavier Naidoo aus der Jury von DSDS geschrieben. Sie berichtete als Erste über seine Verschwörungstheorien. Außerdem hat sie bereits Will Smith interviewt und kommt aus der gleichen Kleinstadt wie die Rapper Shindy, Bausa und RIN: Bietigheim-Bissingen. Weil sie auch ansonsten keine Angst vor großen Namen hat, schreibt sie alles (Un-)Wichtige aus der Welt der Promis für die „Hamburger Morgenpost“, die „Gala“ und TV-Movie.de auf. In Hamburg ist Jule irgendwo zwischen Punk, Kickboxen und Hip-Hop unterwegs. Hauptsache Subkultur. Nach Jules erstem Tattoo redete ihre Mama eine Woche lang nicht mehr mit ihr, gebracht hat es aber nichts: Inzwischen hat sie vierzehn davon. Kürzel: jup

Hinterlasse einen Kommentar

Please enter your comment!
Please enter your name here