Kein „Schwarzfahren“ mehr: Hamburger Verkehrsunternehmen wollen Begriff ersetzen

Sensible Sprache

Der HVV und weitere Hamburger Verkehrsunternehmen wollen zukünftig auf den Begriff „Schwarzfahren“ in Bussen und Bahnen verzichten. Aufkleber im öffentlichen Nahverkehr sollen ersetzt werden.

Der Begriff „Schwarzfahren“ soll zukünftig in Hamburger Bahnen und Bussen nicht mehr verwendet werden. Der HVV, die Hochbahn, die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein und die S-Bahn reagierten am Dienstag damit auf die Beschlüsse anderer Städte. In München, Nürnberg, Berlin und Hannover gibt es bereits ähnliche Pläne. Hierbei handelt es sich vorerst um keinen konkreten Beschluss. Dieser müsse gemeinschaftlich von allen 25 Hamburger Verkehrsunternehmen gefasst werden, sagte HVV-Pressesprecher Rainer Vohl FINK.Hamburg.

In der Meldung der vier Hamburger Verkehrsunternehmen heißt es, dass der Begriff „Schwarzfahren“ ohnehin viel seltener verwendet worden sei. Nun soll gänzlich darauf verzichtet werden. „Wir beschäftigen uns fortlaufend mit dem aktuellen Sprachgebrauch und dem Wandel der Sprache – ein gutes Beispiel dafür ist die inklusive Ansprache“, heißt es in der Meldung.

Fahren ohne gültiges Ticket

Die Hamburger Verkehrsunternehmen prüfen momentan, welcher Begriff „Schwarzfahren“ zukünftig vollständig ablösen wird. Die alternative Bezeichnung „Fahren ohne gültiges Ticket“ bezeichnen die Unternehmen als allgemein verständlicher und präziser. Im alltäglichen Sprachgebrauch im ÖPNV sei diese Bezeichnung mittlerweile gängige Praxis und auch für Tourist:innen deutlich verständlicher in der Übersetzung. Die Aufkleber im öffentlichen Nahverkehr, die „finstere Aussichten für Schwarzfahrer“ ankündigen, sollen nun ersetzt werden.

Ist „Schwarzfahren“ ein rassistischer Begriff?

Der Begriff „Schwarzfahren“ hat etymologisch keinen rassistischen Ursprung. Lynn Mecheril, Projektmitarbeiterin für Antidiskriminierung und Diversity an der HAW Hamburg, erklärt jedoch, dass der Begriff „schwarz“ rassistisch konnotiert sei, zum Beispiel: „den schwarzen Peter zuschieben.“ „Viele Begriffe, die heute noch im Alltagsgebrauch genutzt werden, folgen kolonialen Bildern und diskriminieren bestimmte Personen(gruppen). Und weil es diese Tradition gibt, hat sie ihre Spuren auch im Alltäglichen hinterlassen“, sagt Mecheril. Wenn eine negativ-bewertete Handlung, wie das Bahnfahren ohne Fahrschein, mit dem Begriff „schwarz“ in Kombination gebracht werde, könne dies zu ­­(…) Vorurteilen gegenüber Personen of Colour und/oder schwarzen Menschen führen. Diese Vorurteile könnten diskriminierend wirken und Betroffene verletzen.

Kritische Rückmeldungen

Den HVV erreichten zahlreiche teils kritische Rückmeldungen, die nicht selten auf einem Missverständnis basierten, so HVV-Pressesprecher Rainer Vohl. Es solle nichts verboten und die deutsche Sprache nicht ärmer gemacht werden. Eine Sprecherin der Hochbahn ergänzte, dass es kein Verlust oder gar eine Debatte wert sei, wenn man in der Kommunikation auf eine Wortwahl verzichte, die Menschen diskriminieren könne.

dpa/mia

Foto: Benedikt Scherm