In Hamburg wird die 2G-Option auch auf Geschäfte, körpernahe Dienstleistungen und Weihnachtsmärkte ausgeweitet. Betreiber:innen können ab Samstag selbst entscheiden, ob sie noch negativ Getestete reinlassen wollen.

2G hat für Betreiber:innen einige Vorteile: keine Abstandsgebote, keine Kapazitätsbeschränkungen, keine Maskenpflicht und auch die Sperrstunde fällt weg. All das sind Punkte, die den Betreiber:innen wirtschaftliche Vorteile versprechen. Damit gibt der Senat die heiße Kartoffel weiter an die Betreiber:innen, die die Wahl haben – zumindest scheinbar.

Denn natürlich sind sie gezwungen wirtschaftliche Entscheidungen zu treffen. Und so fällt die Wahl eben doch immer häufiger auf die 2G-Option, auch wenn viele Betreiber:innen ungern Personen ausschließen wollen. Sie sind es, die am Ende die Diskussionen mit Kund:innen aushalten müssen und sich für den Ausschluss rechtfertigen müssen. Ein Dilemma.

Corona-Ausbrüche trotz 2G

2G ist ein politisches Konstrukt, kein epidemiologisches. Bürgermeister Tschentscher begründet die Entscheidung damit, dass Geimpfte und Genesene im Vergleich zu den Ungeimpften keinen wesentlichen Anteil am Infektionsgeschehen ausmachten. Das stimmt zwar, aber auch unter Geimpften und Genesenen kann sich das Virus verbreiten. Das zeigte zuletzt eine Party im Berghain, bei der sich 19 Personen infiziert haben und das trotz 2G. Studien beweisen außerdem, dass geimpfte und ungeimpfte Infizierte die gleiche Viruslast in sich tragen und folglich gleich ansteckend sind. Und warum sollte jemand, der nachweislich nicht ansteckender ist, nicht die gleichen Freiheiten haben?

Wenn 2G schon das Maß der Dinge ist, dann wenigstens richtig kontrolliert. Gefälschte Impfpässe sind keine Seltenheit und nicht schwer zu bekommen. So kann 2G sogar zur Falle werden.

Toleranz ist gefragt

Alles, der politische Versuch Menschen zum Impfen zu bewegen. Aber so spaltet die Politik eher als sie die Pandemie bekämpft. Sicher ist zumindest, dass es in Hamburg in vielen Lokalitäten nicht mehr möglich ist als getestete Person am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Die neuen Regeln verschärfen die Situation und das trifft eben auch jene, die keine Möglichkeit haben sich impfen zu lassen. Wer bereit ist ständig für einen Test zu zahlen, um der Impfung zu entkommen, dem muss es ernst sein. Auch diese Einstellung muss man in einer demokratischen Gesellschaft tolerieren.

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Katharina Böhmer ist das Chamäleon unserer Redaktion. Geboren im Jahr 1998 im großen Nichts von Geseke in Nordrhein-Westfalen, hat sie sich entschieden, nicht nur eine Sache zu machen, sondern einfach mal alle: Sport? Mal Fitnessstudio, mal kiten. Einfach ausprobieren und machen. Musik? Von Metal über Pop bis Schlager, alles dabei. Arbeit? Sat 1 oder auch ThyssenKrupp. Katharina stieg ganz klassisch im Lokaljournalismus ein – berichtete über Schützenfeste und Schultheater. Dem Schreiben ist sie treugeblieben, auch wenn sich mittlerweile noch Video und Audio zu ihren Kompetenzen hinzugesellt haben. Ihre liebsten Themen sind Menschen und ihre Geschichten – so schrieb sie etwa über einen Sammler, der sein Haus zu einem DDR-Museum umgebaut hat. Nächstes Ziel: eine eigene Politik-Talkshow. (kab)

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