Peter Tschentscher neben Hans Schäfers bei der Führung im Norddeutschen Reallabor in Hamburg-Bergedorf.
Peter Tschentscher neben Hans Schäfers - Leiter des Competence Center Erneuerbare Energien - bei der Führung im Norddeutschen Reallabor in Hamburg-Bergedorf. Foto: Max Rohloff

Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit müssen keine Gegensätze darstellen – das beweist das Verbundprojekt Norddeutsches Reallabor. Forschende der HAW arbeiten dort am größten Energiewende Projekt Norddeutschlands. Das nahm auch Hamburgs Erster Bürgermeister zum Anlass, das Technologiezentrum zu besuchen. 

Ein Beitrag von Michelle Albert, Elisabeth Birkner, Elena Bock und Max Rohloff.

Die CO2-Emissionen im Norden bis 2035 um 75 Prozent reduzieren – das ist das Ziel des Norddeutschen Reallabors (NRL), einem Verbundprojekt mit 50 Partner:innen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, das am Competence Center für Erneuerbare Energien und EnergieEffizienz (CC4E) der HAW Hamburg angesiedelt ist. Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) besuchte das Reallabor am Montag.

Viele Lösungen wie die Erzeugung von grünem Wasserstoff aus erneuerbaren Energien lägen bereits auf dem Tisch, sagte er beim Besuch des Energie-Campus in Bergedorf. „Das Norddeutsche Reallabor leistet damit von Hamburg aus Pionierarbeit für die Energiewende in Deutschland“, so Tschentscher.

Energiewende bedeutet: Fossile Energien mit klimaneutralen Energien ersetzen. Eine einfache Gleichung, die in der Realität jedoch häufig scheitert – vor allem, wenn wirtschaftliche Interessen ins Spiel kommen. Das NRL hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Klimaziele in konkrete Maßnahmen zu übersetzen.

Im Zentrum steht Wasserstoff als klimaneutraler Energieträger. Das heißt: „grüner“ Wasserstoff, der ausschließlich mit erneuerbaren Energien produziert wurde, um so klimaschädliche Treibhausgase aus fossilen Energien wie Kohle, Öl und Gas zu vermeiden. Denn 87 Prozent der klimaschädlichen Treibhausgase stammen aus der Verbrennung eben jener fossiler Energien. Besonders die dritte Phase der Energiewende erfordert einen Transformationsprozess des Energiesystems wie folgende Abbildung zeigt.

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Optionen für die nächste Phase der Energiewende, acatech, 2017

Austausch zur Energiewende im Reallabor

Nach einer kurzen Führung durch das Labor diskutierte Tschentscher mit den Mitarbeitenden und Studierenden. Im Fokus: die Rolle der Politik im Klimaschutz. Tschentscher hob die Relevanz wissenschaftlicher Beiträge hervor. Ohne sie seien Klimaschutzziele nicht einzuhalten.

Um in den nächsten Jahren 75 Prozent CO2-Emissionen einzusparen, sollen Verbrauchsbereiche mit hohem Energieverbrauch schrittweise erschlossen, dekarbonisiert und mit Wasserstoff bzw. dessen Folgeprodukten gespeist werden. Maßgeblich aus Industrie, Wärmeversorgung und dem Mobilitätssektor. Das Ergebnis soll eine ganzheitliche Transformation des Energiesystems sein, die Norddeutschland sowohl industriell als auch ökologisch stärken soll. Als Modellregion bietet Norddeutschland sehr gute Voraussetzungen, um ein Innovationszentrum für die Energiewende und Klimaneutralität zu werden: 

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Grafik: Norddeutsches Reallabor

Das Projekt hat eine Laufzeit von fünf Jahren, also bis 2026. Es wird mit rund 52 Millionen Euro durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert. HAW-Professor Werner Beba, Projektkoordinator des NRL, betonte: „Hamburg kommt für den Weg zur Klimaneutralität die wichtige Vorreiterrolle einer urbanen Leitregion zu, von der andere Städte zuküntftig lernen können.“